Diekmann bloggt „grandios großkotzig“

Update am Text-Ende: Das Kai Diekmann-Blog, ist das Medien-Klatsch-Thema des Tages. Viele Medienseiten beschäftigen sich mit dem Ego-Projekt des Bild-Chefs. So zitiert SZ.de aus einem fiktiven taz-Brief: "Keine Ahnung, wie Du das alles so machst. Aber Du hast mit kai-diekmann.de eine planetare Alleinstellung erreicht." Ein besonderer Fund gelang V.i.S.d.P. Das Medienmagazin entdeckte, dass Diekmann für sein Blog sogar Werbung auf taz.de buchte. Das echte Bildblog findet es "grandios großkotzig".

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Die Werbung für das neue Blog prangt direkt auf der Startseite taz.de. Der Text lautet: „Roter wird’s nicht“. Dann folgt ein Bild mit den Köpfen von Marx, Engels, Lenin und Diekmann. Wie viel Springer für die Werbung zahlte ist noch unklar.

Stefan Niggemeier hat sich für sein Bildblog, die neue Diekmann-Seite angesehen. Unter der Überschrift „Anfängerfehler“ kommt er zu dem Urteil: „Diekmann (oder sein Ghostwriter) tritt dabei so grandios großkotzig auf, dass es schon wieder bescheiden wirkt, und erweckt geschickt den Eindruck, er sei vielfacher Landesmeister in den Disziplinien Selbstkritik und Selbstironie.“ Weiter heißt es: „Das ist gelegentlich unterhaltsam, aber natürlich: Quark.“ Als Beispiel erzählt Niggemeier noch einmal die ganze „berühmte Bolzenschneider-Geschichte aus dem Januar 2001“.
Selbst in de USA sorgt das Diekmann-Blog mittlerweile für Aufmerksamkeit. Jeff Jarvis schreibt beispielsweise: „Kai Diekmann, the head of Bild, the gigantic German newspaper, is a journalistic celebrity of a sort we don’t have here: utterly charming, lustily egotistical, brashly opinionated, infuriating to those he infuriates (a friend of mine calls him Germany’s Roger Ailes), beloved to his fans, witty, quick, clever, innovative, and never afraid of the spotlight.“

Jarvis Fazit: Der Mann hat Eier. Und er bekommt Aufmerksamkeit, was sicherlich sein Ziel ist.“

Auf SZ.de veröffentlicht Online-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs den fiktiven Brief eines taz-Genossen an den „Bild“-Chef. Jakobs kann sich dem Thema offenbar nur mit äußerster Ironie – dafür aber sehr lustig – nähern.

In dem Brief steht: „Du bist lernfähig wie wenige unter den sogenannten Alpha-Journalisten.“ Denn: „Du weißt heute, wie man es macht. Du bist selbst zum Provo geworden, machst Dich mit den Mitteln des Gegners über dieselbigen lustig. Manche sagen, Du seist das Trojanische Pferd Deiner selbst.“

„Lieber Kai Diekmann, Du weißt heute, dass man echte Themenhoheit nicht im Gerichtssaal bekommt, sondern nur in den Medien selbst. Deshalb machst Du jetzt auch dieses Blog und reizt die Kollegen, sich weiter an Dir abzuarbeiten. Kein Kritiker ist Dir gut genug.“

Weiter steht in dem Brief: „Keine Ahnung, wie Du das alles so machst. Aber Du hast mit kai-diekmann.de eine planetare Alleinstellung erreicht, und das will in diesem Geschäft etwas heißen. Du warst ja bei einem Bambi-Fest von Hubert Burda, für den Du einst die Bunte frisiert hast, auch schon mal als Video-Journalist unterwegs – aber so ein Blog ist doch gleich eine ganz andere Sache!“

Caroline Benzel von der Netzeitung findet das neue Blog „Selbstironisch und witzig“.

Unter der Überschrift „Kai Diekmann startet das einzig wahre BILD-Blog. Über sich.“ bloggt Thomas Gigold: „Das Positive gleich vorweg: “100 Tage im Leben des BILD-Chefredakteurs” steht ganz oben auf der Seite, was darauf hoffen läßt, es handelt sich bei dem, was Kai Diekmann da jetzt macht, um ein zeitlich begrenztes Ghost-Authoring.“

Bei Turi2 heißt es: „Turi2 schwankt in seinem Urteil zwischen ‚jetzt spinnt er völlig!‘ und ‚cool, der Mann traut sich was!‘. Auffallend ist die – vielleicht zu – große Portion Selbstbespiegelung. Diekmann bekennt sich zur eigenen „heillos übersteigerten Eitelkeit“, lebt sie dann aber doch zu ungestüm aus, wenn er etwa ungeniert Interviews mit sich selbst führt, seine Chefetage im klickbaren 360-Grad-Panorama vorstellt und auch sonst tief einführt in Diekmanns wunderbare Ich-Ich-Ich-Welt.“

Update (Montag 20.10 Uhr): Die Satire von Jacobs kommt jedoch tatsächlich nah an die Wirklichkeit, denn die „taz“ hat tatsächlich einen offenen Brief geschrieben. Nicht an Diekmann, sondern an seinen Chef Mathias Döpfner. In dem Schreiben von David Denk heißt es: „Dieser offene Brief ist ein Hilferuf – wie auch sein Gegenstand nur als solcher verstanden werden kann. Wie Ihnen sicherlich – auch dank des Werbebanners auf taz.de – nicht entgangen ist, betreibt Ihr wichtigster journalistischer Mitarbeiter, Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, seit Montag unter kaidiekmann.de einen Blog, das schon jetzt derart vollgerümpelt ist, dass dies uns hier bei der taz Anlass zur Sorge um Herrn Diekmanns Arbeitssituation gibt: Der Mann wirkt absolut nicht ausgelastet!“

Weiter heißt es: „Subtil bis an die Wahrnehmungsgrenze, wie es seine Art ist, macht Herr Diekmann deutlich, dass die Unterforderung Mitautor seiner Schriften war, und lässt durchblicken, dass er im Falle einer erhöhten Arbeitsbelastung in seinem Kernjob von weiteren Publikationen Abstand nehmen würde.“
Der Brief ende mit dem Appell: „Geben Sie Herrn Diekmann endlich wieder einen Job, der ihn auch ausfüllt – vielleicht sogar einen, bei dem sein offenbar doch vorhandener Humor mehr zum Vorschein kommen kann. Damit wäre allen gedient – Ihnen, ihm und auch uns.“

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