SchülerVZ: Wie groß ist die Datenpanne?

Der Fall schien klar: Am Freitag postete das Blog Netzpolitik.org, dass ein Unbekannter Profil-Informationen von fast einem Fünftel aller SchülerVZ-Nutzer gecrawlt hatte. Kurz darauf gab die VZ-Gruppe Entwarnung. „Die Daten, die ein SchülerVZ-Nutzer illegal und entgegen der VZ-AGB kopiert hat, sind wieder in Sicherheit." Stunden später sah es anders aus. Das Problem scheint gravierender. Mittlerweile ist zu befürchten: Es sind mehr Datensätze im Umlauf, und es ist völlig unklar, in wessen Besitz sie sich befinden.

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Insgesamt treffen sich auf der Plattform rund fünf Millionen weitgehend minderjährige Schüler. Den Hergang des Datendiebstahls rekonstruiert SchülerVZ wie folgt: „Ein SchülerVZ –Nutzer hatte eine Vielzahl von Profilen aufgerufen und Kopien einzelner der für alle SchülerVZ-Nutzer sichtbaren Daten angelegt. Name, Schule, Geschlecht, Alter, Profilfoto.“ Bei den Informationen handelte es sich offenbar aber nicht um persönliche Kontaktdaten wie Postadressen, Email Adressen, Zugangsdaten, Telefonnummern und Fotoalben.
Bereits am Freitag noch übergab Markus Beckedahl von Netzpolitik.org seinen Datensatz an die VZ-Gruppe. Doch seit dem gibt es stichhaltige Hinweise, dass weit mehrere Dateien existieren oder dass mindestens zwei Personen – unabhängig voneinander – im großen Stil Daten kopierten. Dieser zweite Crawler hat – laut Netzpolitik.org – „nicht nur SchülerVZ mit einem Bot abgegrast, sondern auch StudiVZ und MeinVZ.“ Wie viele Profile dabei gespeichert wurden, ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht klar. Zudem ist noch völlig unklar, wie groß die weiteren Datensätze sind. „Soweit ich das mitbekommen habe, sind dort noch mehr Profildaten enthalten. Mit dabei sind Wohnort, Geburtsdatum, Beziehungsstatus (z.B. verliebt / solo / vergeben), Hobbies, Lieblingsmusik und Lieblingsfilm. Insgesamt sehr interessante Daten, nicht nur für die Werbeindustrie“, schreibt Beckedahl.
Die Datenkopie ist für die VZ-Netzwerke ein besonderes Problem, weil gerade im Umgang mit minderjährigen Kunden eine besondere Sensibilität geboten ist. Zudem gehört der Datenschutz zu den wichtigsten Themen des VZ-Chefs Markus Berger-de León. Mit diesem Thema wollte der CEO vor alle Kampf gegen US-Konkurrenten wie Facebook punkten. Im MEEDIA-Interview erklärte er: „Ich glaube, das Thema Datenschutz wird schon bald immer wichtiger. Wir müssen immer wieder darauf hinweisen, dass wir uns als deutsches Unternehmen auch an die einheimische Gesetzgebung halten müssen. Das sieht bei Facebook ganz anders aus.“

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