„Nido“ – Lese-Liebe auf den dritten Blick

Nachdem es für die drei jüngsten G+J-Neuerscheinungen "Beef!", "Business Punk" und "Gala Men" viel Kritik gehagelt hat, erschien fast zeitgleich still und leise die zweite Ausgabe von "Nido", dem "Neon" für Eltern. Mit diesem Magazin ist es ein bisschen so wie mit der berühmten Liebe auf den zweiten Blick. Beim ersten Kennenlernen eine Abwehrreaktion ("Was soll das?"). Bei der Premieren-Ausgabe skeptische Sympathie ("Nicht schlecht, aber...") und jetzt, bei der zweiten Ausgabe, plötzlich ein Gefühl von: "das könnte ja was werden."

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Nachdem es für die drei jüngsten G+J-Neuerscheinungen „Beef!“, „Business Punk“ und „Gala Men“ viel Kritik gehagelt hat, erschien fast zeitgleich still und leise die zweite Ausgabe von „Nido“, dem „Neon“ für Eltern. Mit diesem Magazin ist es ein bisschen so wie mit der berühmten Liebe auf den zweiten Blick. Beim ersten Kennenlernen eine Abwehrreaktion („Was soll das?“). Bei der Premieren-Ausgabe skeptische Sympathie („Nicht schlecht, aber…“) und jetzt, beim zweiten Heft, plötzlich ein Gefühl von: „Das könnte ja was werden.“

Denn die zweite Ausgabe ist ja noch wichtiger als das erste. Bei der Premiere wird gerne alles hineingepackt, was sich über Monate an Ideen gesammelt hat. Es gab Zeit und Geld für tolle Fotostrecken, Autorenstücke wurden gesammelt und man hat am Layout gefeilt. Die zweite Ausgabe nun, ist der Alltagstest in der Leser-Zeitschriften-Beziehung. Vergleichbar mit der ersten gemeinsamen Wohnung bei Paaren. Und was soll man sagen: Mit „Nido“ lässt es sich gut lesen. Bei Gruner + Jahr ist die Entscheidung gefallen, „Nido“ regelmäßig (fast) monatlich zu veröffentlichen. Und das ist auch schon so ziemlich das einzige, was man kritisieren könnte. Zweimonatlich hätte womöglich auch gereicht. Die Zielgruppe muss sich ja auch noch um die Kinder kümmern und kann nicht dauernd Magazine lesen. Inhaltlich kommt die zweite „Nido“-Nummer nochmal deutlich erwachsener und thematisch ausgewogener daher, als die erste.

Geblieben sind die tollen Elemente aus dem Premierenheft, wie die sehr aufwendige Fotostrecke zu Beginn. Diesmal wird ins Bild gerückt, was so ein Kind alles verbraucht, bis es endlich 18 ist, u.a. 2.190 Fischstäbchen und 1.170 Liter Milch. Es gibt reihenweise gute Geschichten, die sich zwar thematisch um Elternschaft, Kinder und Familie drehen, aber genausogut in der „Neon“, der „Süddeutschen“ oder im „Spiegel“ stehen könnten. Zum Beispiel die Reportage über die Reportage über Kinderraub in China. Das Thema war neulich schon Mal in der „FAZ“, aber das spricht ja für die thematische Offenheit des „Nido“-Konzepts.

Und, ganz wichtig: Diesmal findet die Redaktion auch den Dreh hin zu diesen „Lebenswelt“-Themen, die „Neon“ u.a. so erfolgreich machen. Das Titelthema über die Probleme von Eltern mit alten Freunden, die keine Kinder haben, umzugehen, dürfte jeder, der Kinder hat, aus eigener Erfahrung kennen. Das sensible Thema wird hier ernsthaft, lehrreich und unlangweilig aufbereitet. Es gibt zudem wieder eine schöne Reise-Geschichte, die nicht gar so überkandidelt ist und sogar nachgereist werden könnte (mit Kindern auf Safari in Afrika) und eine witzige Reportage über einen Inder, der gestresstenPapis von Bangalore aus alltäglichen Organisationskram vom Hals hält. Selbst die langweiligen Produkt-Friedhöfe aus der ersten Nummer scheinen etwas zurückgefahren worden zu sein oder sie wurden weniger aufdringlich aufbereitet. Egal, an der zweiten „Nido“-Ausgabe jedenfalls fällt es schwer zu meckern. Das Heft ist rundum gelungen und nun erkennt man auch, dass in dem Thema tatsächlich genug Stoff für eine regelmäßige Zeitschrift steckt.

Die Anzeigenindustrie erkennt das Potenzial offenbar auch. Die zweite „Nido“-Nummer hat wieder viele hochklassige Marken-Anzeigen, von Volkswagen über Miele bis zur Telekom. So wie es jetzt ausschaut, braucht man sich um diesen ganz speziellen G+J-Sprössling keine Sorgen zu machen.

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