Nur der Dildo ist vor YouPorn sicher

Der Höhepunkt ist vorbei: Das einst so lukrative Geschäft mit der Lust ist für die Branchengrößen immer schwieriger geworden. Beate Uhse verzeichnet seit Jahren rückläufige Umsätze und bleibt 2009 erstmals der wichtigsten deutschen Fachmesse fern – die Venus in Berlin muss ohne den deutschen Marktführer auskommen. Grund für die angeschlagene Stimmung in der Branche sind die Erfolge von Portalen wie YouPorn, die mit Nacktfilmen von Amateuren werben und das Profi-Business lahmgelegt haben.

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In wenigen Jahren hat sich das als Mitmach-Site gestartete Sexvideo-Portal zu einem der weltweit am meisten frequentierten Internet-Angebote entwickelt. YouPorn, so berichtet am Freitag die „taz“ unter Berufung auf das Traffic-Ranking des US-Marktforschers Alexa.com, liegt weltweit auf Platz 51 der meistgeklickten Sites. In Deutschland wird das Porno-Portal sogar auf Rang 24 gelistet.
Der Trick der YouPorn-Macher ist einfach. Es gibt keine generellen Zugangskosten, gleichzeitig werden aber alle freien Videos mit Bezahl-Teasern versehen. Ursprünglich stammten die meisten Videos von Amateuren, die Privataufnahmen oder Webcam-Sequenzen hochluden. Inzwischen fällt es schwer zu erahnen, ob Videos tatsächlich „homemade“ sind oder von Profis nur auf den gut gehenden Amateur-Eindruck getrimmt wurden.
Gelitten hat jedenfalls das Geschäft mit der über Jahrzehnte sicheren Software, den Sexfilmen selbst. Bei den großen Anbietern bricht dieses Segment ein, auch das DVD-Business ist am Boden. Die Venus verzeichnet daher einen deutlichen Rückgang von Ausstellern. Wer dennoch nach Berlin gekommen ist, stellt zur Schau, was im Erotik-Handel noch gut geht: die Hardware, die über Datenleitungen nicht zu haben ist, oder wie Stern.de treffend schreibt: „Dildos kann man nicht downloaden.“
Das Rezept der Branche ist es deshalb, immer ungewöhnlichere, buntere und neu gestylte Sex-Toys mit oder ohne Motorkraft anzubieten und gleichzeitig die Wildwest-Sites nach Raubkopien zu durchforsten. Spaß macht das nicht, aber das Internet hat eben auch die Branche der Tabumedien in die Krise gestürzt.

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