„Niiu“: Personalisierte Zeitung

Es ist ein Experiment auf dem Weg zur Zeitung der Zukunft: Am 16. November startet in Berlin das Projekt von Niiu.de, die personalisierte Zeitung. Kunden können dann aus 17 deutschen und internationalen Zeitungen (darunter die "Frankfurter Rundschau" und die "New York Times") sowie Hunderten von Online-Quellen ihre eigene Morgenlektüre zusammenstellen und drucken lassen. Das Blatt soll am nächsten Tag "rechtzeitig zum Morgenkaffee" ankommen. Die Erfolgsaussichten beurteilt die Branche skeptisch.

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„Niiu“ startet vier Monate später als ursprünglich geplant. Dafür haben die Macher große Partner gefunden: „Der Tagesspiegel“, „Bild“, die „Frankfurter Rundschau“, die „New York Times“, „International Herald Tribune“ und die „Komsomolskaya Prawda“ etwa. Bislang stellen 17 Zeitungen dem Berliner Start-up ihre Texte vollständig zur Verfügung. Weitere sollen in den kommenden Wochen folgen. Zusätzliche Inhalte können die Leser aus rund 500 Online-Angeboten wie netzpolitik.de, blogpiloten.de, kicker.de, basicthinking.de wählen.

Das „Niiu“-Experiment wird von einer „Redaktion“ mit 30 Mitgliedern in Berlin realisiert. Das Konzept dahinter haben die Gründer, Hendrik Tiedemann (27) und Wanja Sören Oberhof (23), entwickelt: Die personalisierte Zeitung wird zunächst einen Umfang von 24 Seiten in Farbe haben. Die individuelle „Niiu“ wird „vollautomatisiert zusammengestellt und digital auf Zeitungspapier gedruckt“, heißt es auf niiu.de. Wer die Auswahl der Medienquellen bis spätestens 14.00 Uhr trifft, erhält die eigene Zeitung zum Beginn des folgenden Tages – „Die Auslieferung erfolgt in den frühen Morgenstunden.“

Bei der Projekt-Vorstellung in Berlin erklärten Tiedemann und Oberhof, dass sie 5.000 Kunden benötigten, um profitabel zu arbeiten. Zwei der 24 Seiten sind für Werbung eingeplant. Das einzelne Exemplar kostet 1,80 Euro, Studenten und Schüler zahlen 1,20 Euro. Abgerechnet wird über ein Prepaid-Verfahren. Die Verbreitung ist vorerst auf das Stadtgebiet von Berlin beschränkt. Für den Vertrieb ist OHL Logistics zuständig.

Die Idee der personalisierten Zeitung ist nicht neu. Bei news2paper oder FeedJournal kann sich der Nutzer seine Zusammenstellung als pdf zumailen lassen.

Während die „taz“ von einem „Testballon“ spricht, verweist Kress.de darauf, dass die hinter „Niiu“ stehende Firma „InterTi GmbH nicht das einzige Unternehmen ist, das in Deutschland den Start einer individualisierten Zeitung vorbereitet“.

Ulrike Langer von medialdigital.de zeigt sich skeptisch: die Inhalte finde man größtenteils auch kostenlos im Netz, die personalisierte Zeitung bietet ausschließlich Nachrichten von gestern, außerdem „werde ich die Links vermissen, die Teil der Originalbeiträge im Netz sind“. Last not least sei der Einführungspreis zu hoch.

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