Brenders Tage im ZDF sind gezählt

Der Dauerstreit um die Vertragsverlängerung für ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender geht nach der Bundestagswahl weiter. Und die Chancen für Brender, im Amt zu bleiben, verschlechtern sich zusehends. Laut "FAZ" wurde der Plan von ZDF-Intendant Markus Schächter beerdigt, die Zuständigkeit des Verwaltungsrats durch ein Gutachten prüfen zu lassen. Der von CDU/CSU dominierte Verwaltungsrat will Brender weiterhin weg haben. Und es dürfte ihm gelingen. Die Entscheidung steht Ende November an.

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Die Sache ist verfahren, der Ausgang offenbar unausweichlich. Die vom hessischen CDU-Ministerpräsident Roland Koch federführend betriebene Demontage des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender geht nach der Bundestagswahl hinter den Kulissen weiter. Brenders Vertrag läuft Ende März 2010 aus. Eigentlich hätte er schon ein Jahr vor Ende des Vertrages erfahren müssen, ob er verlängert wird. Der Intendant Schächter würde Brender gerne für eine weitere Amtszeit vorschlagen, aber die Entscheidung kann laut Rundfunkstaatsvertrag nur im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat gefällt werden.

Und das Gremium, in dem CDU/CSU die deutliche Mehrheit besitzen, will Brender unter allem Umständen weg haben. Schächters Schachzug, ein Gutachten anzustreben, mit dem geprüft wird, inwieweit der Verwaltungsrat überhaupt zuständig ist, wurde vom Rat abgeschmettert. Man drohte einfach mit einem Gegengutachten. Brenders Vertragsende rückt näher, die Zeit spielt diesmal gegen ihn. Das Thema dürfte nun auf Ende November vertagt werden. Bis dahin werden die Beteiligten hinter den Kulissen eine Lösung ausarbeiten, mit der sowohl der Verwaltungsrat als auch der ZDF-Intendant leben können. Doch egal wie die Lösung aussieht: Nikolaus Brenders Tage als ZDF-Chefredakteur sind gezählt.

Warum überhaupt wollen CDU und CSU Brender weg haben? Um das zu verstehen, muss man sich in die verquere Logik des politsch-öffentlich-rechtlichen Rundfunks eindenken. Alle Spitzenposten bei ARD und ZDF sind streng nach Partei-Arithmetik nach „rot“ und „schwarz“ austariert. Intendant Schächter ist ein „Schwarzer“, ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut ein „Roter“. Brender gilt auch als „Schwarzer“, hat sich in der Vergangenheit aber als zu oft nicht berechenbar erwiesen. So soll man bei CDU und CSU mit der ZDF-Unterstützung für den Kanzlerkanidaten Edmund Stoiber 2002 nicht zufrieden gewesen sein. Andererseits hat Brender auch den abgewählten SPD-Kanzler Schröder 2005 für seine Ausfälle in der Elefantenrunde abgewatscht. Eine kleine Kostprobe des Brender’schen Freigeistes bekamen die Zuschauer auch in der Elefantenrunde nach der aktuellen Wahl wieder zu sehen. Brender merkte am Schluss ironisch an, er wolle ja eigentlich brav sein aber dann platzierte er doch noch eine Spitze gegen die Kanzlerin, die sich einer überparteilichen Diskussion im Fernsehen vor der Wahl beharrlich verweigert hatte. In der schwarz-rot gefärbten Links-Rechts-Welt der Rundfunk-Politiker ist einer wie Brender eine „lose cannon“. Nichts hassen diese Leute so sehr, wie Unberechenbarkeit.

Laut „FAZ“ will Schächter für Brender „in die Schlacht ziehen“, ihn also vorschlagen obwohl klar ist, dass er mit dem Vorschlag nicht durchkommen wird. Aber Schächter weiß , dass er nicht gewinnen kann. Er muss also eine Möglichkeit finden, Brender fallen zu lassen, ohne dass es danach aussieht. Man darf auf die Wortwahl nach der Verwaltungsratsitzung Ende November gespannt sein. Es dürfte ein Lehrstück in öffentlich-rechtlicher Formulierungskunst werden.

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