Reaktionen auf die „Brigitte-Revolution“

Viel PR und nichts wirklich Neues: Die Branchen-Reaktionen auf die Ankündigung der "Brigitte"-Chefredakteure, künftig auf Profi-Models zu verzichten, fallen verhalten aus. MEEDIA hat die Macher(innen) von Mode- und Frauen-Magazinen zu ihrer Meinung befragt. Fazit: Alle Hefte zeigten schon immer auch echte Menschen, Mode sieht an Schlanken besser aus, und die Leserinnen wollen nicht nur sich selbst sehen, sondern auch träumen. "Für Sie"-Chefin Ute Kröger glaubt zudem: "Eine Revolution ist das sicherlich nicht."

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Einige Chefredakteurinnen können auf die MEEDIA-Anfrage noch nicht antworten, da sie, wie beispielsweise „Vogue“-Macherin Christiane Arp oder ihre „Cosmopolitan“-Kollegin Petra Winter, auf der Pariser Fashion-Week weilen.

Ute Kröger, Chefredakteurin „Für Sie“

Finden auch Sie, dass die Models mittlerweile zu „mager“ sind?
Man muss ja keine „Magermodels“ buchen, die Agenturen haben auch andere Damen mit etwas mehr „Rundungen“ im Angebot bzw. in ihren Büchern, das ist also überhaupt kein Problem – und liegt in der Hand der Chefredaktion

Können auch Sie sich vorstellen, schon bald nur noch Hefte ohne professionelle Models zu produzieren?
Eine Revolution ist das sicherlich nicht, wir arbeiten schon seit Jahren immer wieder mit so genannten „real people“, sowohl in der Mode als auch in der Beauty (z.B. Frisuren vorher-nachher, Typ-Beratung, das sind immer Leserinnen, die sich bei uns bewerben – und auch grundsätzlich mit Namen/Beruf etc. vorgestellt werden!).
Also: so neu, so revolutionär ist das alles nicht.

Ulrike Zeitlinger, Chefredakteurin „Freundin“

Finden auch Sie, dass die Models mittlerweile zu „mager“ sind?
Die Diskusssion um zu dünne Mädchen ist ja nun wirklich nicht neu. Magermodels gibt es bei „Freundin“ aber schon aus Überzeugung nicht. Unser Booking achtet genau darauf, dass wir  schöne, gesunde, schlanke und auch mal üppigere Mädchen buchen, die Mode und Beauty präsentieren. Im aktuellen Heft zeigen z.B. zwei Plus Modells mit wunderbar weiblichen Kurven die aktuellen Trends.
Können auch Sie sich vorstellen, schon bald nur noch Hefte ohne professionelle Models zu produzieren?
Bei „Freundin“ arbeiten wir seit Jahren in beinahe jeder Ausgabe mit ganz normalen Frauen – sei es in der Mode beim großen Trendheft, bei unseren zum Teil 32-seitigen Frisurenstrecken oder in Reports. Trotzdem wird es bei uns immer auch professionelle Models geben – die Leserin will sich zugehörig und verstanden wissen, aber sie will auch träumen. Ich finde es deshalb wichtig, beide Bedürfnisse zu erfüllen – das nach Zugehörigkeit, Service, Beratung und das nach Emotion, großer Inszenierung und Glamour.

Bettina Billerbeck, Chefredakteurin „Maxi“
Finden auch Sie, dass die Models mittlerweile zu „mager“ sind?
Stimmt schon, die Models sind heutzutage sehr dünn, und ich teile die Meinung der britischen „Vogue“-Chefin Alexandra Shulman, die sich gegen zu kleine Musterteile ausspricht, in die sogar Supermodels nicht mehr reinpassen. Aus aktuellem Anlass haben wir auch eine Geschichte über das Plus-Size- (und ehemals Mager-)Model Crystal Renn im kommenden November-Heft. Die Behauptung, “die gesamte Branche ist magersüchtig” (so Herr Lebert im Gespräch mit dem “Spiegel”), finde ich allerdings auch nicht in Ordnung. Bei der „Maxi“ legen wir Wert darauf, dass die Mode, die wir an professionellen Models zeigen, auch in anderen Konfektionsgrößen tragbar ist und gut aussieht.

Können auch Sie sich vorstellen, schon bald nur noch Hefte ohne professionelle Models zu produzieren?
Nein, wir produzieren unsere Modestrecken auch weiterhin mit professionellen Models. Aber das Thema “Streetstyle”, das wir nicht erst seit dem Internet-Hype, sondern schon seit geraumer Zeit in jeder Ausgabe haben, wird für uns weiter an Bedeutung zunehmen. Wenn schon echte Frauen, dann sollen sie sich auch selber angezogen haben – erst dann wird’s authentisch, da kann man sich wirklich etwas abgucken.

Sabine Hofmann, Chefredakteurin „MySelf“

Finden auch Sie, dass die Models mittlerweile zu „mager“ sind?
Ja, es gibt sicher Fälle, wo Models zu dünn (und zu jung!) sind. Trotzdem sieht Mode auf den Laufstegen an schlanken Frauen besser aus.

Können auch Sie sich vorstellen, schon bald nur noch Hefte ohne professionelle Models zu produzieren?
Das „Myself“-Prinzip ist “das wahre Leben”, sprich: unser Heft zeigt unglaublich viele Echtmenschen, und zwar in allen Ressorts!!!! Leider haben wir es versäumt, beim Launch daraus eine große Pressemeldung zu machen.

Gerald Büchelmaier, Chefredakteur „Joy“ und „Shape“

Wir sehen uns vor jeder Produktion die Sed-Karten genau an und lassen die Kandidatinnen dann zu einem persönllichen Casting kommen. Wir buchen nur „normale“ Models ( und die gibt es bei jeder Agentur!), Magere haben keine Chance, da wir von vielen Leserbriefen an „Joy“ und „Shape“ wissen, wie sensibel die Leserinnen in diesem Punkt sind.

Jörg Hausendorf, Verlagsgeschäftsführer bei Bauer (u. a. für „Maxi“ verantwortlich)

Finden auch Sie, dass die Models mittlerweile zu „mager“ sind?

Die Tendenz zu immer jüngeren und sehr dünnen Models ist schon deutlich. Es ist gerade auch für „erwachsene“ Zielgruppen sehr schwierig, passende Models zu finden, die trotzdem Natürlichkeit und auch (trotz einer gewissen Überhöhung) Erreichbarkeit signalisieren.
Allerdings sind wir gerade mit unseren wöchentlichen Frauenzeitschriften ja quasi Vorreiter der Vorher-Nachher-Produktionen, die schon lange den Vorteil entdeckt haben, den Leserinnen echte Leserinnen zu zeigen und damit im Sinne Authentizität und Glaubwürdigkeit zu punkten.
Auch in der Maxi versuchen wir so oft wie möglich „echte Menschen“ zu zeigen und produzieren diese in real-life-Situationen. Bei den Modeshootings, insbesondere dann, wenn es um die Trends geht, die kommen, werden wir auch in Zukunft mit professionellen Models arbeiten. Oft sind die Trendstücke, die uns von den Kollektionen bereitgestellt werden, auch nur in Größen verfügbar, die tatsächlich nur sehr schlanke Mädchen tragen können.
 
Können auch Sie sich vorstellen, schon bald nur noch Hefte ohne professionelle Models zu produzieren?

Ich halte das – insbesondere bei unseren Weeklies – für vorstellbar und wir haben das ja auch bei unseren eigenen Produktionen zu einem großen Teil bereits umgesetzt (z.B. auch Modeproduktionen mit Testimonials bei tina: Frauke Ludowig, Birgit Schrowange / diverse Vorher-Nacher-Produktionen in alle Titeln).
Das Beispiel der Dove-Kampagne hat mich sehr beeindruckt und vielen unserer Leserinnen Mut gemacht, weil endlich auch einmal nach außen getragen wurde, dass zum einen nicht alle Frauen Modelmaße haben und – noch viel wichtiger – dass das auch wirklich schön ist und sehr ästhetisch umgesetzt werden kann. Für mich liegt auf der Hand, dass in punkto Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit auch die Magazine punkten, wenn Sie ihr Schönheitsideal darauf ausrichten. Es geht dabei ganz explizit aber um keine geringeren Ansprüche an Qualität und Ästhetik – wenn man das erreichen will, wird das eher anspruchsvoller und damit wahrscheinlich auch teurer. Ob man dann ausschließlich mit „Laienmodels“ oder eben mit passenden „Profimodels“ (sofern denn in der Bandbreite verfügbar) produziert, ist aus meiner Sicht nachrangig. Das Ziel sollte immer das verbesserte Ergebnis sein, welches wir unseren Leserinnen anbieten können.

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