Die SWMH-Schwaben müssen sparen

Michael Reeh, der neue Finanzchef der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH), hat viel zu tun. Laut Presseberichten muss die für solides Wirtschaften bekannte SWMH heftig an der Finanzierung der Übernahme der "Süddeutschen Zeitung" schlucken. Offenbar können wegen der Finanzkrise einige Kredite nicht wie geplant bedient werden. Auch bei der "Stuttgarter Zeitung" knirscht es. Laut "kress" hat Chefredakteur Joachim Dorfs ein Sparprogramm verkündet. Personal soll abgebaut, eine Million Euro gespart werden.

Anzeige

Ein ähnliches Sparprogramm mit Abfindungen für langjährige Mitarbeiter hat die „Süddeutsche Zeitung“ bereits hinter sich gebracht. Wer nun bei der „Stuttgarter“ freiwillig die Segel streicht, darf mindestens 50.000 Euro mitnehmen, plus 75 Prozent eines Monatsgehalts multipliziert mit den Jahren der Betriebszugehörigkeit. Wer sich bis zum 15. November entscheidet, bekommt 30.000 Euro Turbo-Prämie obendrauf. Im kommenden Jahr sollen dann frei werdende Stellen bei der „Stuttgarter Zeitung“ nicht neu besetzt werden.

Die erfolgsverwöhnten Schwaben müssen in der Krise ihr Geld zusammenhalten. Der teure Kauf der „Süddeutschen Zeitung“ hat die SWMH offenbar stärker belastet als geahnt. Laut „manager magazin“ befinden sich die Schwaben gar in der „Schuldenfalle“. 2008 hat die SWMH ihren Minderheitsanteil am Süddeutschen Verlag, in dem die „SZ“ erscheint um 62,5 Prozent auf 81,25 Prozent aufgestockt. Kaufpreis: geschätzte 625 Millionen Euro. Laut „manager magazin“ wurden für den Kaufpreis bei der Landesbank Baden-Württemberg 300 Millionen Euro aufgenommen. Außerdem ist die Rede von einem weiteren Großkredit bei der SWMH-Hausbank BW-Bank.

Das „manager magazin“ zitiert aus den Darlehensunterlagen, dass die SWMH beim Süddeutschen Verlag mit einem Erlösanstieg von sieben Prozent und einem Ertragsanstieg von elf Prozent während der Kreditlaufzeit ausgegangen ist. Steigerungsraten, die selbst ohne Finanz-, Medien- und Anzeigenkrise ambitioniert wären und sich im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld beim besten Willen nicht realisieren lassen. SWMH-Geschäftsführer Richard Rebman sagte im „kress report „, die Angaben zu den Höhen und Laufzeiten der Kredite seien falsch, es werde keine Kapitalerhöhung und keine Umlage geben. Ob die SWMH mit den Banken die Kredite neu verhandelt hat, bleibt unklar.

Laut „kress“ gibt es im Finanzgebäude der Schwaben eine weitere Unwägbarkeit. Der verbliebene Alt-Gesellschafter der „Süddeutschen“, Johannes Friedmann, soll sich für seine 18,75 Prozent eine teure Put-Option gesichert haben, die, sollte er sie ziehen, die SWMH über 180 Millionen Euro kosten würde. Die Existenz einer solchen Put-Option wird von der SWMH dementiert.

Die SWMH gehört zu je 45,9 Prozent der Medien Union Ludwigshafen („Die Rheinpfalz“) und der Gruppe Württembergischer Verleger. Größter Anteilseigner und Sprecher der Württembergischen Verleger ist Eberhard Ebner, laut Wikipedia und mehreren Presseberichten der Lebenspartner von Anneliese Friedmann. Die wiederum ist die Witwe von „Abendzeitung“-Gründer Werner Friedmann und Mutter von Johannes Friedmann. Insofern bleiben die Geldsorgen wenigstens in der Familie.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige