22 neue Regeln für den Journalismus

Endlich ein gutes Manifest: "Journalisten müssen aufhören, so faul und unkreativ zu sein." Deshalb hat Dan Gillmor, Ex-Journalist und US-Medien-Experte für den "Guardian" 22 Ideen formuliert, wie sich die News-Produktion verändern muss. Er fordert einen Verzicht auf Jahrestags- und Jubiläumsgeschichten. Sie sind "Rückzugsorte für faule, unkreative Journalisten". Weitere Praktiken, die Gillmor anprangert sind öde Stellungnahmen, PR-Sprech und Leitartikel von Politikern, die sie "nicht tatsächlich selber" verfasst haben.

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Dan Gillmor ist ein twitternder Multi-Professor mit eigenem Blog. Er wirkt er unter anderem als Direktor des Knight Center for Digital Media Entrepreneurship. Vor seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit arbeite er als Tech-Journalist unter anderem für die „San Jose Mercury News“. Übersetzt wurde der englische Text vom Hamburger Journalisten Ole Reißmann.

Sein Leitsatz dürfte Punkt zehn sein: „Wir helfen unseren Lesern, informierte Mediennutzer zu sein, nicht bloß Konsumenten.“

Die Punkte zwei bis fünf beschäftigten sich mit einer neuen Transparenz, die Gillmor verlangt. Er will, dass die Leser eingeladen werden an den Geschichten mitzuarbeiten und Verbesserungen vornehmen dürfen. Sein Vorschlag: „Wir bieten unseren Lesern an, Korrekturen zu unseren Artikeln extra als Meldungen zu abonnieren.“
 
Darüber setzt sich Gillmor dafür ein, auf das bloße Verkünden von Stellungnahmen zu verzichten, keine Top-Ten-Listen mehr zu publizieren und dass PR-Sprache in präzise Worte zu übersetzten. „Wenn ein Interviewpartner Sprache falsch benutzt, verzichten wir auf ein direktes Zitat und nutzen indirekte Rede.“

Als 14. Idee formuliert Gillmor: „Leitartikel und Kommentare verzichten auf “muss”-Sätze. ‚Muss‘ ist ein hohles Verb, das Machtlosigkeit demonstriert.“

Darüber hinaus setzt sich der US-Professor für einen möglichst häufigen Gebrauch von Links und Verweisen ein. Er will, dass auf wichtige Geschichten immer hingewiesen werden soll. Seine Faustregel dazu lautet: Je mehr man sich ärgert eine gute Geschichte nicht selbst gebracht zu haben, desto wichtiger ist es, über sie zu berichten. Passend dazu übersetzt Reißmann Punkt 17: „Je wichtiger wir ein Thema für unsere Zielgruppe erachten, desto hartnäckiger bleiben wir am Ball. Wenn wir zu dem Schluss kommen, dass eine bestimmte Regelung oder Praxis gefährlich ist, versuchen wir, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Das bedeutet, dass man laut und deutlich vor der Immobilienblase gewarnt hätte.“

Als 21. Punkt fordert Gilmor mehr Ehrlichkeit, wenn es darum geht Risiken einzuschätzen. Die Folge wäre ein Verzicht darauf, aus tragischen Einzelfällen ohne statistische Absicherung ein weit verbreitetes Phänomen zu machen (”immer mehr …”). „Das verunsichert die Allgemeinheit“.

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