Wahl-Bilanz: Der Triumph der News-Portale

Eine Koalition der Sieger: MEEDIA hat Deutschlands Online-Chefredakteure gefragt, wie für ihre Plattformen der Wahlsonntag lief. Die Bilanz ist ein einziger Triumph für die Online-Medien: Bild.de, Spiegel Online, Stern.de und andere markierten am 27. September den erfolgreichste Traffic-Sonntag aller Zeiten. MEEDIA fragte die Chefs nach ihren Erfahrungen und was man hätte besser machen können. Fazit von Focus Online-Chef Jochen Wegner: "Wir brauchen mehr 'Tannenzäpfle'-Bier für die Redaktion."

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Manfred Hart, Chefredakteur von Bild.de

Wie fällt Ihre Online-Bilanz von der Wahlnacht aus?
Für Bild.de war es ein enorm erfolgreicher Wahlabend. Unser Ziel war es, den besten und aktuellsten Online-Journalismus zu bieten und dabei so interaktiv und multimedial wie möglich zu sein. Das Echo der User zeigt uns, dass wir dieses Ziel erreicht haben. Die Nutzer wissen, dass sie auf Bild.de gerade bei Großereignissen blitzschnell, umfassend und kompetent informiert werden.
 
Welche Features, Meldungen oder Fotostrecken hat Ihr Online-Angebot in der Wahlnacht geboten?
Das wichtigste „Feature“ für Bild.de bleibt die journalistische Kompetenz der Redaktion. Unsere Redakteure haben die Berichterstattung minütlich aktualisiert, später dann Analysen und Schlagzeilen für jede große Partei erarbeitet. Da Print und Online bei „Bild“ verzahnt arbeiten, waren wir live vor Ort bei den wichtigsten Wahlpartys, hatten ständig neue O-Töne, Fotos, Videos. Natürlich finden Sie auf Bild.de auch alle Zahlen und Statistiken bis in jeden Wahlkreis. Darüber hinaus konnten die User auf Bild.de die Wahlsendung von N24 und Bild.de im Livestream verfolgen und das Geschehen im Facebook-Chat diskutieren. Die Nutzer-Kommentare wurden in Live-TV-Schalten aus dem Bild.de-Produktionraum mehrmals präsentiert und besprochen. Auch die Twitter-Einbindung zum Thema Wahl und die Live-Online-Aktivitäten der Bundestagskandidaten gehörten zum Angebot.
 
Haben die Nutzer das Angebot angenommen?
Die Nutzer haben das Angebot fantastisch angenommen. Der Wahlsonntag war in Nutzer-Zahlen der erfolgreichste Sonntag aller Zeiten auf BILD.de. Übrigens: Platz zwei war der Sonntag mit dem Kanzlerduell, Platz drei der Sonntag der Landtagswahlen Ende August. Wir freuen uns, dass wir auch beim Thema Politik bei den Usern erste Wahl sind.
 
Was können Sie beim nächsten Mal (noch) besser machen?
Unser Team hat in unseren Augen optimale Arbeit geleistet und wir sind sehr glücklich darüber. Wenn es beim nächsten Mal noch bessere Innovationen und Möglichkeiten gibt, die Leser zu informieren, wird Bild.de diese sicherlich nutzen.

Frank Thomsen, Chefredakteur von Stern.de

Wir sind sehr zufrieden. stern.de hat seine Position als bildstarke Nachrichtensite auch in der Wahlberichterstattung unterstrichen: Mit einer optisch reizvollen Wahlgrafik, mit zahlreichen eigenen Berichten und Analysen und einer Strecke mit den besten Bildern der Wahl. Hinzu kamen Facebook- und Twitter-Kommentierungen. Die User haben alles sehr gut angenommen. Der Sonntag war der visitstärkste Sonntag, den stern.de jemals hatte. Heute geht es stark weiter. Wieder einmal zeigt sich, wie wichtig für die Menschen inzwischen aktuelle Onlinemedien sind. Besser geht’s immer, aber größere Pannen sind uns erspart geblieben. Die Userresonanz ist sehr positiv.
 


Jochen Wegner, Chefredakteur von Focus Online

Wie fällt Ihre Online-Bilanz von der Wahlnacht aus?
Für Focus Online waren die Wahlen natürlich das wichtigste journalistische Projekt dieses Jahres und unser massiver Ressourceneinsatz hat sich mehr als ausgezahlt. Nicht nur das Politikressort und die Print-Parlamentsredaktion haben daran gearbeitet – ausnahmslos alle Fachressorts waren vertreten, etwa in unserer Serie „Faktencheck“, in der wir die Wahlprogramme der Parteien fachlich abgeklopft haben. Über die Monate verzeichneten wir stark steigende Leserzahlen in unserem Special www.focus.de/wahlen – und gestern den traffikstärksten Sonntag aller Zeiten. Auch Angebote wie unser Poliker-Userranking, das mittlerweile fast 3.5 Millionen Stimmen eingesammelt hat, wurde bereits im Frühjahr mit Hinblick auf die Wahlen gestartet.
 
Welche Features, Meldungen oder Fotostrecken hat Ihr Online-Angebot in der Wahlnacht geboten?
Alleine gestern nach 18 Uhr waren unsere Politkredakteure vor Ort in Berlin und in der Stammredaktion mit einem knappen Dutzend Analysen und Reportagen vertreten. Neben den üblichen Grafiken, die dank Live-Schnittstellen zu den Forschungsinstituten und zum Bundeswahlleiter stets minutenaktuell waren, hatten wir eine interaktive Karte der Wahlkreise direkt auf unserer Homepage, die sich nach und nach mit den Ergebnissen der Auszählungen füllte. Dieses Feature war technisch diffizil, kam bei unseren Lesern besonders gut an – ebenso wie unser minutenaktueller Live-Ticker, den wir heute wegen des großen Erfolgs weiterführen. Natürlich war auch unser Videoteam unterwegs, und unsere Communityredaktion kämpfte mit Kommentar-Rekorden.
 
Haben die Nutzer das Angebot angenommen?
Das kann man so sagen – siehe oben.
 
Was können Sie beim nächsten Mal (noch) besser machen?
Wir brauchen in der Wahlnacht dringend mehr „Tannenzäpfle“-Bier für die Redaktion.

Oliver Michalsky, Stellvertrendender Chefredakteur Welt.de
Wie fällt Ihre Online-Bilanz von der Wahlnacht aus?
Die Bilanz fällt hervorragend aus. Wir hatten den ganzen Sonntag über sehr hohe Zugriffszahlen und vor allem am Abend sehr viel Traffic auf Welt Online.
 
Welche Features, Meldungen oder Fotostrecken hat Ihr Online-Angebot in der Wahlnacht geboten?
Neben ausführlicher Berichterstattung in Wort, Bild und Bewegtbild  zu allen Parteien hatten wir beispielsweise auch aufwändig angelegte Flash-Grafiken zu allen drei Wahlen. Highlight  auf Welt Online war  jedoch sicherlich eine um 18 Uhr gestartete, mehrstündige Diskussion  unserer User mit unserem Politik-Chef Günther Lachmann zu den Ergebnissen der Wahl.
 
Haben die Nutzer das Angebot angenommen?
Wir sind sehr zufrieden, denn die Nutzer haben unser Online-Angebot sehr gut angenommen.

Was können Sie beim nächsten Mal (noch) besser machen?

Natürlich gibt es immer Verbesserungsmöglichkeiten. Wir ruhen uns niemals auf unseren Lorbeeren aus und werden beim nächsten Mal natürlich alles noch etwas besser machen…

Volker Wasmuth, Chefredakteur n-tv
Wie fällt Ihre Online-Bilanz von der Wahlnacht aus?
Wir sind insgesamt sehr zufrieden mit dem großen Wahl-Spezial auf n-tv.de. Unser umfassendes und vielfältiges Angebot hat gut funktioniert. Die Mischung aus Text, Bild und unseren eigenen Bewegtbildinhalten, dem Livestream und den Videos, hat’s gemacht.
 
Welche Features, Meldungen oder Fotostrecken hat Ihr Online-Angebot in der Wahlnacht geboten?
Unter n-tv.de/wahlen gab und gibt es alles, was man rund um die Wahlen wissen muss. Gestern waren wir sofort um 18 Uhr mit der Prognose online und haben dann immer aktuell die neusten Hochrechnungen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gab es Kommentare, Reportagen, z.B. über die Piratenpartei, Hintergünde und viele Bilderserien, z.B. zum Wahlsieger Westerwelle. Außerdem konnten die User alle Statements, Reaktionen, Stimmen und Stimmungen in unserem Live-Stream sehen – direkter und unmittelbarer geht es nicht im Netz. Heute interessiert vor allem die detailierte Wahlkreiskarte. Die User können sich hier genau anschauen, wie die Wahl in den einzelen Wahkreisen ausgegangen ist.
 
Haben die Nutzer das Angebot angenommen?
Das Angebot wurde hervorragend angenommen. Wir hatten am Wahlabend und in der Nacht rund 1 Million Visits auf n-tv.de. Trotz der schon früh relativ klaren Ergebnislage sind die User „draufgeblieben“ und haben sich verstärkt den analysierenden und kommentierenden Berichten zugewandt. Wir hatten darüber hinaus unglaublich viele Kommentierungen von Usern – da hat man deutlich gesehen, dass das Wahlergebnis bewegt und polarisiert. Besonders gut liefen schließlich die Stücke, die sich um einzelne Personen wie den Erststimmenkönig zu Guttenberg oder Wolfgang Thierse, der ja seinen Wahlkreis verloren hat, drehten.
 
Was können Sie beim nächsten Mal (noch) besser machen?
Auch ein erfolgreiches Angebot können wir noch besser: Wir überlegen, in der zweiten Hälfte des Wahlabends künftig noch stärker auf Meinungen und Hintergründe zu setzen.

Markus Hesselmann, Chefredakteur von Tagesspiegel.de
Wie fällt Ihre Online-Bilanz von der Wahlnacht aus?
Unser Projekt der Verzahnung von Print und Online hat seinen Härtetest in der Wahlnacht großartig bestanden. Der Umzug ins neue Redaktionsgebäude und vor allem den gemeinsamen Print-Online-Newsroom wird uns Anfang Oktober einen weiteren Schub geben.
 
Welche Features, Meldungen oder Fotostrecken hat Ihr Online-Angebot in der Wahlnacht geboten?
Videos, Fotostrecken, Grafiken, klar! Aber vor allem journalistisch Exklusives: Ein internes Strategie-Papier zur Zukunft der SPD (www.tagesspiegel.de/spd), Kurt Beck in einem sehr offenen Interview über die Probleme der SPD, DGB-Chef Michael Sommer über Schwarz-Gelb, Jörg Schönbohm zum Scheitern der Rechtsextremen in Brandenburg. Und um drei Uhr nachts noch alle detaillierten Berliner Ergebnisse online – bis runter zum einzelnen Wahllokal. Dann natürlich unserer Berliner Wahl-Blog mit Wichtigem und Kuriosem aus der Hauptstadt.
 
Haben die Nutzer das Angebot angenommen?
Nur so viel: Der Sonntag lief wie sonst nur ein richtig guter Montag und der Montag lässt sich überragend an. Die Leserdebatte lief und läuft wie immer bei uns sehr gut
 
Was können Sie beim nächsten Mal (noch) besser machen?
Noch mehr und noch bessere, detailliertere Grafiken.

Jule Lutteroth, Stellvertretende Chefredakteurin Spiegel Online
Wie fällt Ihre Online-Bilanz der Wahlnacht aus?
Eine spannende, erfolgreiche Wahlnacht. Journalistisch und technisch wunderbar – an diesem Abend hat man gemerkt, welche Informationskraft sich im Internet entfalten kann. Schnelle News, Analysen, Hintergründe, interaktive Grafiken, Livedebatten in Communitys, so vielfältig bietet das kein anderes Medium.

Welche Features, Meldungen oder Fotostrecken hat Ihr Online-Angebot in der Wahlnacht geboten?
Eilmeldungen zu Bund, Schleswig-Holstein und Brandenburg, aufwändige Ergebnispräsentation zu Bund und Ländern, Live-Blog, Hintergrundberichte, Fotostrecken zu jedem Land und Lager – und natürlich ausführliche Analysen, Reportagen und Hintergrundberichte.
Haben die Nutzer das Angebot angenommen?
Wir hatten allein am Sonntagabend so viele Leser wie an einem guten Wochentag zur Primetime. Der Montag wird einer der besten in der Geschichte von Spiegel Online sein, soweit man das jetzt vorhersagen kann. Die große Resonanz zeigt, dass das Internet inzwischen als Plattform wahrgenommen wird, in dem man sich über solche Großereignisse schnell, umfassend, tiefgründig informieren kann.

Was können Sie beim nächsten Mal (noch) besser machen?
Damit überraschen wir unsere Leser beim nächsten Mal.

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