News-Portale: Nur 5 Prozent würden zahlen

Das werden Medienmanager wie Döpfner und Murdoch gar nicht gerne hören: Einer aktuellen britischen Umfrage zufolge sind nur fünf Prozent der Nutzer bereit, für Nachrichten im Internet zu zahlen. Sollten Gebühren anfallen, würden Dreiviertel der Leser ihrer Lieblingsseite den Rücken kehren und zu einem anderen – kostenlosen – Angebot wechseln. Sollten sich diese Ergebnisse auch für Deutschland bestätigen, wird das Online-Geschäft den Print-Medien kaum aus der Krise helfen können.

Anzeige

Vor dem Hintergrund der Anzeigenkrise, setzen zahlreiche Branchenvertreter ihre Hoffnungen darauf, dass sich journalistische Inhalte endlich auch im Internet verkaufen lassen. Rupert Murdoch (News Corp; „Wall Street Journal“, „The Times“, „The Sun“) war der erste, der die Zeit von Paid Content für gekommen erklärte: „Die Tage des kostenlosen Internet sind vorbei“, sagte Murdoch im Juli. In Deutschland spielt Springer-Chef Mathias Döpfner eine Vorkämpferrolle für Bezahlinhalte im Internet: „Qualitativ hochwertige Inhalte müssen künftig auch Online einen Wert haben, sonst geht den Verlagen das Geschäftsmodell verloren.“

Doch eine britische Studie, die das Marktforschungsunternehmen Harris Interactive jetzt im Auftrag von PaidContent:UK durchgeführt hat, entzieht diesen Annahmen die Grundlage. Gerade einmal ein Zwanzigstel der Online-Leserschaft wäre bereit, für das Angebot von Nachrichten-Seiten auch zu bezahlen. Würde das Angebot kostenpflichtig, würden acht Prozent nur noch die Überschriften lesen. Zwölf Prozent zeigen sich unentschlossen. Dagegen geben Dreiviertel der befragten Nutzer klipp und klar an, dass sie einfach zu einem anderen Portal wechseln würden.

Genau aus diesem Grund haben sich die Protagonisten der Paid Content-Offensive stets für Allianzen ausgesprochen – die Konkurrenz muss mitziehen. Nur wenn der Internetnutzer keine Ausweichmöglichkeit hat, können die Online-Bezahl-Modelle der Verlage funktionieren.

Die britischen Umfrageergebnisse seien keine „guten Nachrichten für ein Bezahl-Modell in einem stark umkämpften Umfeld“, erklärt Andrew Freeman von Harris Interactive. „Solange es kostenlose Alternativen gebe, werden sich die Konsumenten diesen zuwenden, um sich zu mit Nachrichten zu versorgen. Und das bedeutet starke Verluste bei den Kundenzahlen für diejenigen, die Geld verlangen.“

Tatsächlich äußerten sich in Deutschland bei einer Umfrage von Spiegel Online mehr als 80 Prozent der Teilnehmer ebenfalls negativ zu Paid Content. Und auch in der Branche selbst sind viele skeptisch. Der Geschäftsführer von Zeit Online, Christian Röpke, sieht bei „generellen Nachrichten … keine Zahlungsbereitschaft bei den Usern.“ stern.de-Chefredakteur Frank Thomsen erklärte, dass er „an das neue Allheilmittel Paid Content“ nicht recht glaube. Auch Focus Online sieht einem Sprecher zufolge in Bezahlinhalten derzeit kein Geschäftsmodell.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige