Presseecho zur neuen Harald-Schmidt-Show

Gut, dass er wieder da ist - wenn auch noch nicht alles hundertprozentig sitzt. So in etwa lassen sich die bisher veröffentlichten Kritiken zur neuen Show von Harald Schmidt im Ersten zusammenfassen. Der Altmeister kam mit Bart und einem Sack voll neuer Mitarbeiter und Witze zur nächsten Late-Night-Schicht in der ARD - und er wusste größtenteils zu gefallen. Die einen lobten den flotten Beginn, andere die neuen Mitarbeiter. Meister Schmidt dürfte zufrieden sein.

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Denn mit seinen „Schmidt & Pocher“-Sendungen drohte er seinen Status als Liebling der Feuilletons schon zu verspielen. So ist denn auch fast ein kollektives Aufatmen der TV-Kritikerzunft zu vernehmen. Schmidt ist wieder da und er kann es noch. Die Premierenshow mag ausbaufähig gewesen sein. Nicht jeder Gag hatte gezündet, manchmal wurde es wirr oder geschmacklos – aber als langweilig, belanglos oder gar niveaulos hat die Show keiner empfunden. Bei FAZ.net gab es mit die positivste Besprechung. „Spielfreudig, konzentriert und angriffslustig“ sei Schmidt gewesen, konstatierte Kritiker Jörg Thomann. Kein Spott mehr über die „Knallchargen des Fernsehens“, sondern „geistreiche Satire über Gesellschaft, Politik und Kultur“.

Begeisterung auch bei Reinhard Mohr von Spiegel Online: „Die neue Harald-Schmidt-Show ist die alte. Und das ist glänzend: Deutschlands Chefironiker ist ohne Pocher wieder scharf, cool und auf der Höhe seiner Zeit.“ Er fand gar kein Haar in der neu zubereiten Schmidt-Suppe.

Manchen ging die Kulturbeflissenheit Schmidts dann aber fast wieder zu weit, bzw. auf den Keks. Die fiktive Theater-Diskussionsgruppe der Show fand Peter Luley von stern.de „weniger persiflierend als prätentiös“. Die ehemalige „Ehrensenf“-Moderatorin Katrin Bauerfeind, sei wohl „zum Blickfang auserkoren“. Bauerfeind durfte Schmidt in der Rolle als Lothar Scholl-Latour (der verschollene Bruder von Peter Scholl-Latour) in einem eigene Einspieler interviewen und hatte auch noch ein Zwiegespräch mit ihm über aktuelle Kinofilme („Wickie und der Antichrist“). Jörn Lauterbauch von Welt Online erlag dagegen dem Charme der neuen Schmidt-Gehilfin. Frau Bauerfeind sei „durchaus bezaubernd“ fand der Mann von der „Welt“.

Ansonsten attestierte Welt Online der neuen Schmidt-Show einen starken Start und starkes Nachlassen. Schmidt habe sich „nach 45 Minuten, denen nach geglücktem Beginn mit jeder Minute Konzept, Stringenz und Witz verloren ging“ verabschiedet. „Die Erinnerung an seine Glanzzeit ist nach wie vor sein größter Kontrahent“, meinte Welt Online, kann den neuen alten Schmidt irgendwie aber auch nicht ganz schlecht finden. „Der Rückkehrer kehrt mit der Stahlbürste in extrahart“, formulierte Josef Seitz bei Focus Online. Noch nicht jede Pointe würde sitzen, aber, so Seitz versöhnlich: „Es keimt wieder die Hoffnung auf aufregendes Fernsehen. Und allein dafür hat er sich so etwas wie eine Seligsprechung verdient.“ Die Kritiker-Messlatte lag diesmal offenbar nicht ganz so hoch.

Er „irrlichtert stärker als je zuvor“ lautet die Diagnose von Christian Kortmann bei sueddeutsche.de. Die Premiere sei keine rundum gelungene Show gewesen, doch „der Impetus, mit dem Schmidt in der ARD klarmachte, hey, Leute, der Sheriff ist zurück in der Stadt, überzeugte.“ Die Hauptaufgabe des neuen Personals bestehe darin, „bei den Ausschweifungen des Meisters Spalier zu stehen und ihm mit bewundernden Blicken zu folgen“, so sueddeutsche.de. Den Vergleich mit „Daily Show“-Moderator Jon Stewart, könne Schmidt aber nicht gewinnen. Stewart sei in den USA „genau, böse und witzig“. Schmidt dagegen müsse erst noch beweisen, dass er als „unterhaltender Aufklärer“ wirken kann. Fazit bei suedeutsche.de: Die Premiere hatte Schwung, war aber noch nicht „das nächste große Late-Night-Ding“.

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