P7S1 fällt auf Harald Schmidt-Fake rein

Comeback mit Knalleffekt: Bei Harald Schmidts erster Sendung nach der Sommerpause war diese Story das Highlight. Comedian Jan Böhmermann narrte als Schweinegrippe-Opfer "Rüdiger Alt" die Nachrichten-Abteilung von ProSiebenSat.1 sowie die "WAZ". In den Prime Time-Nachrichten von n24, Kabel 1, ProSieben und Sat.1 lief ein Interview mit dem vermeintlichen Opfer. Die "WAZ" widmete Alt sogar einen langen Text mit der Überschrift: "Wenn die Schweinegrippe einsam macht".

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Wenige Tage nach dem Bluewater-Debakel der Deutschen Presse-Agentur gibt es einen neuen Fall, in dem Medienprofis auf eine inszenierte Story hereingefallen sind. Beim Debüt von Harald Schmidt nach der Sommerpause mimte Assi Jan Böhmermann einen angeblich an Schweinegrippe Erkrankten. Mit Mundschutz und hustend antwortete er auf die Reporterfragen und kam mit der Story, in seiner Siedlung wegen der Krankheit isoliert und geächtet zu sein, in sämtliche Nachrichten der ProSiebenSat.1-Gruppe.

TV-Ausschnitt: Rüdiger Alt organisierte in Köln
eine Schweinegrippe-Demo

Böhmermann alias Alt hatte – Anfang September – eine Demo inszeniert, über die auch die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ ausführlich berichtete. Sat.1-Anchorman Peter Limbourg sagte die Topstory über den scheinbar gewissenlosen Umgang mit Schweinegrippe-Opfern an, der Erkrankte wurde in dessen Wohnung beim Interview gezeigt. In den Sat.1-Nachrichten lief der Beitrag prominent an der zweiten Stelle. Auf Recherche, so kommentierte Böhmermann in der Harald Schmidt-Show, hätten die Reporter komplett verzichtet.
 
Die Sat.1-Nachrichten berichteten über Rüdiger Alt 
Auch die „WAZ“ übernahm Böhmermanns Schmonzette ungeprüft. Unter der Überschrift „Wenn die Schweinegrippe einsam macht“ druckte die Zeitung ein ergreifendes Stück über Alt. „Wer die Schweinegrippe hat, so erlebte es jedenfalls der 33-jährige Rüdiger Alt, der wird gemieden, dessen Familie wird in Sippenhaft genommen, dessen beruflicher Ruf steht auf dem Spiel. Gegen diese Grippe-Diskriminierung will Alt mobil machen. Mit vier Leidensgenossen und vierzig Grad Fieber zog er zur vermutlich ersten Schweinegrippen-Demo nach Köln auf den Neumarkt.“

Update:
In den Kommentaren zum Artikel „Wenn die Schweinegrippe einsam macht“ entschuldigt sich die Redaktion und erklärt, wie es dazu kommen konnte, dass man dem Betrüger aufsaß. „Auslöser der Geschichte war die Ankündigung der Demo in Köln. Das schien uns so obskur, dass wir mal prüfen wollten, welcher Irre dahinter steckt. Eindruck nach unserem Interview: ‚Rüdiger Alts’ Geschichte ist schrill – er hat sie aber glaubhaft rübergebracht.“ Die Redaktion kommt zu dem Fazit: „Man konnte die Geschichte bringen oder beerdigen. Wir haben versucht, sie möglichst sachlich zu halten – auch als Beleg für die seltsamen Auswüchse der Schweinegrippenpanik.“ Der Kommentar endet mit dem Zusatz: „Alles in allem war es aber ’ne herrlich subversive Guerilla-Aktion.“

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