Gay TV: Markenkunden stehen auf Timm

Finanz-Spritze für Deutschlands ersten Fernsehsender für Schwule: Mit zwei neuen Investoren wird Timm in Zukunft noch mehr als zuvor die Gay-Welt erobern. Neben vier Altgesellschaftern – darunter die Verlagsgruppe Madsack – sind jetzt der Mediendienstleister cine plus und die NRW.Bank mit im Boot. Bei der Jahres-PK in Hamburg wertete Sender-Chef Frank Lukas dies als "deutlichen Vertrauensbeweis". Zudem stellen die Timm-Zuschauer eine interessante Zielgruppe für den Werbemarkt dar.

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Seit November 2008 ist Timm auf Sendung und über das digitale Kabelnetz und Satellit zu empfangen. Angefangen als Spartenkanal mit einem Mix aus Serien, Dokus, Spielfilmen und Eigenproduktionen, will der Sender rund drei Millionen homosexuelle Männer in Deutschland ansprechen. Dies gelingt Timm offenbar. „Das Feedback auf unseren Start war enorm. Es gab Lawinen von Dankesreden“, sagt Programmdirektor und Timm-Initiator Frank Lukas. Im Februar wurde daraufhin vom stundenweisen Senden auf Vollprogramm umgestellt.
 
Betreiber des schwulen Erfolgsprojektes ist die 2007 in Berlin gegründete Deutsche Fernsehwerke GmbH (DFW). Frank Lukas hat auch hier den Vorsitz. Gesellschafter der DFW sind die FTT Holding GmbH, IBB Beteiligungsgesellschaft, die Produktionsgesellschaft south&browse und die VGM Verlagsgesellschaft Madsack. Lukas ist auch als Privatperson beteiligt. Neu hinzugekommen sind since plus und die NRW.Bank.
 
„Es lief alles schneller als geplant“, erklärt sich Lukas den Erfolg seines Senders. 600.000 Zuschauer würden täglich zu Timm schalten, das neben dem TV-Programm auch als 360 Grad-Medium mit Internetplattform, Radio, Shop, Programmzeitschrift und neuerdings auch Reisechannel fungiert. Zielgruppe von Timm sind in erster Linie geoutete, homosexuelle Männer. Nach einer Nutzerbefragung soll sich diese Zahl auf 2,3 Millionen beziffern. Neben dieser sollen rund 4 Millionen gay-affine Männer zur Zielgruppe zählen, 20 Millionen Zuschauer wie Eltern bzw. Personen aus dem Familienkreis, Freunde und Lesben ebenso.
 
Aus technischer Sicht kann der Spartensender 19 Millionen Haushalte erreichen. Mit einem Bekanntheitsgrad von 64 Prozent unter der Kernzielgruppe ist Timm bei mehr als der Hälfte der schwulen Männer in Deutschland bekannt, was auch für Werbekunden eine interessante Zahl darstellt.
 
Denn auch mit ihnen lief alles schneller als geplant. Beiersdorf, Ford, KLM, Chanel – mit diesen Namen fing es an. „Mittlerweile fragen nicht mehr wir bei den Kunden an, sondern die bei uns“, sagt Holger Schöpper, COO der DFW. L’Oreal,  Apple oder auch Absolut Vodka kämen bei der Zielgruppe gut an. Schöpper verriet, dass auch Gespräche mit Bionade geführt würden. Schließlich sei die Beliebtheit des Getränks ursprünglich der Hamburger Schwulenszene zu verdanken.
 
Der gay-affine Werbemarkt boomt derzeit: Eine Umfrage unter der schwulen Zielgruppe von Timm habe ergeben, dass auch in in der derzeitigen Medienkrise weiter konsumiert und auf Markenbewusstsein gesetzt werde. Damit habe „Timm“ den Sprung in das Relevant Set der Entscheider geschafft, sagt Schöpper.
 
Sicherlich war dies auch der entscheidene Schritt für die zwei neuen Investoren, sich als Gesellschafter der DFW zu beteiligen. „Mit dem Kreativwirtschaftsfonds der NRW.Bank erhalten wir neue Möglichkeiten, neben dem Hauptsitz in Berlin unsere Präsenz in Nordrhein-Westfalen zu verstärken und noch näher an unsere Zielgruppe zu rücken“, gibt Lukas sich optimistisch. Geplant sei, das derzeitige Kölner Büro weiter auszubauen und um Kamerateam und Schnittraum zu ergänzen. Doch zunächst startet Timm ab Montag mit einer neuen Programmoffensive: neue Spielfilme („Der Priester“, „Im Himmel ist die Hölle los“), neue Eigenproduktionen („Timm Today“, „Upgrade“), neue Dokumentationen („Last Man Standing“, „Schau mir in die Augen, Kleiner“). Und ganz wichtig für die Community: die alten Denver-Clan Folgen sind im Vorabendprogramm.

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