Bild.de-Chef über twitternde Amokzeugen

Einmaliges Experiment oder feste Neuerung? In der gestrigen Berichterstattung über den Amoklauf von Ansbach wagte Bild.de einen interessanten Versuch. Zu seiner redaktionellen Berichterstattung stellte Chefredakteur Manfred Hart diesmal einen Twitter-Ticker, der ungefiltert die jeweiligen Zwitscher-Meldungen zur Tragödie zeigte. Im MEEDIA-Kurzinterview äußert sich Hart zu den Vorwürfen, er hätte damit eine seiner Kernkompetenz – das Gewichten von Informationen – abgegeben.

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Einmaliges Experiment oder feste Neuerung? In der gestrigen Berichterstattung über den Amoklauf von Ansbach wagte Bild.de einen interessanten Versuch. Zu seiner redaktionellen Berichterstattung stellte Chefredakteur Manfred Hart diesmal einen Twitter-Ticker, der ungefiltert die jeweiligen Zwitscher-Meldungen zur Tragödie zeigte. Im MEEDIA-Kurzinterview äußert sich Hart zu den Vorwürfen, er hätte damit eine seiner Kernkompetenz – das Gewichten von Informationen – abgegeben.

Herr Hart, warum haben Sie gestern den Twitter-Ticker auf Bild.de integriert?
Mit der Einbindung der Tweets haben wir unseren Nutzern eine zusätzliche Informationsquelle und Kommentar-Möglichkeit angeboten.
Wenn Sie einfach ungeprüfte Tweets über Bild.de laufen lassen, geben Sie damit nicht ihre Kernkompetenz des Filterns und Bewertens von Nachrichten ab?
Ganz und gar nicht! Schließlich waren die Tweets ein Zusatzangebot und eine Ergänzung zu der einordnenden, aktuellen journalistischen Arbeit unserer Redaktion. Die Tweets waren ja auch optisch klar von unserer Berichterstattung abgegrenzt.
Waren Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Ja, wir probieren immer wieder gerne Neues und binden Twitter-Diskussionen auch weiterhin auf Bild.de ein, wie zum Beispiel aktuell unter Kandidatencheck.bild.de.
Stimmt es, dass Sie den Ticker deshalb wieder runternahmen, weil so viele Bild.de-kritische Tweets zu lesen waren?
Nein, fundierte Kritik ist ok, jeder darf seine freie Meinung äußern. Primitive Verunglimpfungen gehören allerdings nicht dazu. Viel entscheidender ist jedoch: ab einem gewissen Zeitpunkt ist die Diskussion abgedriftet und es gab keinen journalistischen Mehrwert mehr zur aktuellen Nachrichtenlage. Wäre die Diskussion auf einmal um das Wetter oder Fußball gekreist, hätten wir die Tweets genauso eingestellt.

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