NDR: Die Gefahr der „Mehdornisierung“

Im Norden nichts Neues. Auf diesen Punkt hätte man den Info-Stand bei der Aufklärung der Betrugsaffäre um "Tatort"-Chefin Doris Heinze reduzieren können. Dass bei der PK der ARD-Intendanten dennoch ausgiebig zum Thema referiert wurde, zeigt zweierlei: Der gefühlte Imageschaden ist gewaltig. Und: Das Medienecho hat auch die kritikerprobten öffentlich-rechtlichen Senderchefs nicht kalt gelassen. Programmchef Volker Herres wies schärfere Kontrollen gar als Versuch der "Mehdornisierung" der ARD zurück.

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Im Norden nichts Neues. Auf diesen Punkt hätte man den Info-Stand bei der Aufklärung der Betrugsaffäre um „Tatort“-Chefin Doris Heinze reduzieren können. Dass bei der Pressekonferenz der ARD-Intendanten dennoch ausgiebig zum Thema referiert wurde, zeigt zweierlei: Der gefühlte Imageschaden ist gewaltig. Und: Das Medienecho hat auch die kritikerprobten öffentlich-rechtlichen Senderchefs nicht kalt gelassen. Programmchef Volker Herres wies schärfere Kontrollen gar als Versuch der „Mehdornisierung“ der ARD zurück.
„Wir sind nach wie vor gewillt, die Sache restlos aufzuklären“, sagte Lutz Marmor und verwies im Sitzungssaal des NDR in Hamburg auf den bekannten Stand der internen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Von allen Seiten wird dem NDR-Intendanten ein vorbildliches Krisenmanagement bescheinigt, und ihm ist anzumerken, dass in der Sache von Senderseite nichts vertuscht oder zurückgehalten wird. Aber auch ihm ist bewusst: „Es ist ein Doppelschaden entstanden. Wir sind die Betrogenen und müssen uns gleichzeitig öffentlich rechtfertigen.“
Die Frage, die nach dem Bekanntwerden des Ausmaßes der Affäre im Raum hängt, ist die nach möglich Mitwissern im Sender, bei Kollegen aber vor allem auch bei Vorgesetzten. Marmor beteuert, dass es für diese Hypothese derzeit keinen begründeten Verdacht gebe. Genau dies hatten anonyme Quellen und zuletzt „Schimanski“-Autor Felix Huby behauptet. Doch offenbar hat auch Huby seine Ausführungen auf Nachfrage gegenüber dem Sender nicht wiederholt oder durch überprüfbare Angaben untermauert. Diese Frage wird wohl noch lange offen bleiben, zumal auch frühere Vorgesetzte von Doris Heinze wie die heutige WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff auf Anfragen äußerst reserviert reagierten.
Marmor scheint entschlossen, die Hygiene der Prdoduktionsabläufe langfristig zu sichern. So soll ein Workshop mit allen am Entstehungsprozess Beteiligten, also auch externen Mitarbeitern, helfen, die Regeln zu optimieren. Und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Marmor kündigte an: „Wir werden in Zukunft bei der Auftragsvergabe restriktiver sein und vielleicht auch von Mitarbeitern verlangen, dass sie sich entscheiden – für die Autorentätigkeit oder die Verfahrensherrschaft.“
ARD-Chef Peter Boudgoust wiederholte seinen Standpunkt, dass es sich bei Heinze um einen Einzelfall handele: „Nach allem, was wir jetzt wissen, gibt es keinerlei Systematik.“ Die anonymen Beschuldigungen wertete der SWR-Intendant als „Pauschalverdacht“, dem ein „ganzer Berufsstand ausgesetzt“ werde. Boudgoust wörtlich: „Die, die etwas zu sagen haben, sollen aus den Büschen kommen und Ross und Reiter nennen.“
Volker Herres, als Programmchef mit Sitz in München in dieser Sache nicht direkt involviert, wollte sich nicht ofiziell äußern, sondern als „Staatsbürger und Zeitgenosse“. Er machte kein Hehl daraus, dass er die Medienberichterstattung im Fall Heinze für aufgebauscht hält, schließlich gebe es ja noch „Afghanistan und die Finanzkrise“.
Herres erinnerte an die Affäre um erfundene Interviews, die Tom Kummer im „SZ-Magazin“ platzieren konnte: „Manchmal haben eben auch wir Kummer.“ Die einzige Alternative zum derzeit praktizierten System sei die „totale Überwachung aller Mitarbeiter.“ Dies, so Herres, käme einer „Mehdornisierung des Apparats“ gleich, „und das wäre für mich keine Alternative“.
Doris Heinze, das ist nach der Intendantentagung klar, ist und bleibt für die ARD-Senderchefs ein NDR-Phänomen. Marmor, übernehmen Sie.

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