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Amokzeugen twittern live auf Bild.de

In Ansbach lief heute morgen ein 18-Jähriger Amok. Er stürmte mit einer Axt und zwei Molotow-Cocktails bewaffnet in sein Gymnasium. Zehn Schüler wurden verletzt. In diesen Momenten kann das Web seine große Stärke als Live-Medium ausspielen. Bild.de ging deshalb sogar so weit, dass die Redaktion als erste deutsche Nachrichten-Seite einen ungefilterten Twitter-Ticker integrierte. Zeitgleich blamierte sich die ortansässige "Frankische Landeszeitung Ansbach", indem sie das Netz auch im Jahr 2009 ignoriert.

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Update (17.14 Uhr) am Text-Ende.
In Ansbach lief heute morgen ein 18-Jähriger Amok. Er stürmte mit einer Axt und zwei Molotow-Cocktails bewaffnet in sein Gymnasium. Zehn Schüler wurden verletzt. In diesen Momenten kann das Web seine große Stärke als Live-Medium ausspielen. Bild.de ging deshalb sogar so weit, dass die Redaktion als erste deutsche Nachrichten-Seite einen ungefilterten Twitter-Ticker integrierte. Zeitgleich blamierte sich die ortansässige „Frankische Landeszeitung Ansbach“, indem sie das Netz auch im Jahr 2009 ignoriert.
Bild.de-Chef Manfred Hart ist ein echter Scoop gelungen, über den wahrscheinlich noch lange diskutiert wird. Als erster integrierte der Springer-Mann einen Twitter-Ticker direkt auf der Artikelseite. Neben dem redaktionellen Inhalt, stehen die ungefilterten Statusmeldungen aus dem Microblogging-Dienst. Sobald ein Nutzer seine Twitter-Nachricht mit dem Hashtag „#ansbach“ versieht, läuft seine Meldung auch über die Bild.de-Seite.

Über den journalistischen Mehrwert dieser Aktion wird wohl noch lange diskutiert werden, denn Hart gibt – sicherlich bewusst – eine seiner Kernkompetenzen ab: Das filtern und einordnen von Nachrichten. Andererseits ist Twitter ein Livemedium, das genau in diesen Momenten seine größte Stärke ausspielen kann.

Tatsächlich kam die erste Meldung über die Tat nicht aus einer Nachrichtenredaktion, sondern via Twitter. @juliuskramer schrieb: „Amoklauf im carolinum ansbach. Keine infos bisher.“ Nachdem er noch mehrere weitere Informationen verbreitet, stellt er – ganz transparent – klar: „zur richtigstellung: ich bin kein augenzeuge“.

Während die Bild.de-Redaktion im fernen Berlin das Web aktiv für seine Berichterstattung nutzt, stellt sich der Ansbacher Platzhirsch auf stur – gezwungenermaßen. Die „Frankische Landeszeitung Ansbach“ betreibt gar kein journalistisches Angebot im Web. „Denn die Zeitung verweigert sich mehr oder weniger konsequent dem Internet. Wie lange sich die Zeitung dieses Exotendasein noch leisten will, weiß ich nicht, vor zwei Jahren fragte ich bei der Geschäftsleitung mal nach, die wollte sich allerdings nicht dazu äußern,“ bloggt Thomas Mrazek. „Als Redakteur würde ich mich dort – nicht nur in der heutigen Ausnahmesituation – etwas unwohl fühlen.“

Thomas Knüwer entgegnet dem jedoch: „Viele Lokalzeitungen dilettieren derart im Netz vor sich hin, dass ein Nicht-Auftritt als bessere Option erscheint.“
Update:
Kurz vor 17.00 Uhr nahm Bild.de den 140-Zeichen-Ticker wieder offline. Turi2 spekulierte via twitter: „bild.de nimmt Ansbach-Tweets von seiner Seite – wohl weil zu viele Twitterer sie zur „Bild“-Kritik nutzten.“

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