Internetaktien: Die Krisengewinner

Der Jahrestag der Lehman-Pleite ist Geschichte. Während die Wirtschaftswelt ein Jahr nach der größten Pleite der viertgrößten US-Investmentbank noch immer unter den Folgen der Finanzkrise ächzt, hat an der Börse längst die Erholung Einzug gehalten. Das gilt besonders, wenn man sich im Internet-Sektor umsieht: Bis auf wenige Ausnahmen notieren die großen Player dies- und jenseits des Atlantiks im Plus. Anleger lernen aus dem Debakel: In der Krise wird eine Qualität besonders belohnt – Wachstum.

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Der Jahrestag der Lehman-Pleite ist Geschichte. Während die Wirtschaftswelt ein Jahr nach der größten Pleite der viertgrößten US-Investmentbank noch immer unter den Folgen der Finanzkrise ächzt, hat an der Börse die längst Erholung Einzug gehalten. Das gilt besonders, wenn man sich im Internet-Sektor umsieht: Bis auf wenige Ausnahmen notieren die großen Player dies- und jenseits des Atlantiks im Plus. Anleger lernen aus dem Debakel: In der Krise wird eine Qualität besonders belohnt – Wachstum.

Es gibt Tage, die brennen sich für immer in das Gedächtnis eines Anlegers ein. Der 15. September wird für mindestens eine ganze Anlegergeneration dieser Tag sein, an dem sich die Börsewelt in eine Ära vorher und nachher teilte – vor und nach Lehman. Doch das war bekanntlich nur der Anfang. Das wirklich dicke Ende sollte schließlich noch kommen – in den Folgetagen und -wochen, als Anleger begriffen, welches Ausmaß die Finanzmarktkrise bekommen konnte.

Zwei Wochen nach der Pleite von Lehman wurde die Wall Street Zeuge eines neuen Schwarzen Montags, der den Auftakt zur schlechtesten Börsenwoche seit den 30er-Jahren werden sollte. Mitten drin im Ausverkauf: Vor allem jene Aktien, die zuvor gut gelaufen waren – und das waren viele Internet- und Technologietitel, die im großen Bullenmarkt zwischen 2003 und 2007 enorme Zuwächse verzeichnet hatten und selbst bis zur Lehman-Pleite verhältnismäßig gut durch die Krise gekommen waren.
Kaufen nach dem Schwarzen Montag: Wachstumswerte unterm Hammer

Nach der alten Börsenregel „Verkauft wird, was zuvor überproportional gestiegen war“, verloren die Googles, Amazon, eBays oder Yahoos dieser Börsenwelt am Schwarzen Montag Ende September letzten Jahres zweistellig – Apple-Aktien brachen gar um mehr als 17 Prozent ein; an einem einzelnen Handelstag, wohl gemerkt. Gegen Ende der Börsenwoche Ende September / Anfang Oktober 2008 hatte fast jede Internet- und Technologie-Aktie mehr als 20 Prozent verloren – auf Monatssicht summierten sich die Verluste auf über 30 Prozent.
Heute wissen wir: In jenen schwarzen Septembertagen, als Lehman starb, boten sich für Anleger damit durchaus attraktive Kaufkurse. Das offenbart ein Blick auf die Entwicklung der bekanntesten Internetaktien dies- und jenseits des Atlantiks innerhalb des Jahres seit der Lehman-Pleite:

• Baidu.com: 379,50 vs. 282 Dollar = + 34 Prozent
• Google: 470 vs. 437 Dollar = + 8 Prozent
• Amazon: 83,66 vs. 78,30 Dollar = + 7 Prozent
• eBay: 23,84 vs. 22,55 Dollar = + 6 Prozent
• Yahoo: 15,57 vs. 19,08 Dollar = – 19 Prozent

• United Internet: 9,90 vs. 9,37 Euro = + 6 Prozent
• Freenet: 9,41 vs. 8,97 Euro = + 5 Prozent
• Xing: 32,85 vs. 31,30 Euro = + 5 Prozent
• TomorrowFocus: 2,76 vs. 2,85 Euro = – 3 Prozent
Zuwächse trotz Krise: Börsenstars Apple und Google kommen zurück

Das Kursplus fällt umso bemerkenswerter aus, zumal viele Internet- und Technologietitel im eiskalten Winter 2008/09 noch weiter nach unten geprügelt wurden und Anleger Anfang 2009 zu Kursnievaus hätten kaufen können, die noch vor der Lehman-Pleite kaum mehr möglich gehalten worden wären. Google notierte im März dieses Jahres tatsächlich bei unter 250 Dollar, Apple bei unglaublichen 80 Dollar, während der Blackberry-Hersteller Research in Motion bis auf unvorstellbare 35 Dollar heruntergehämmert wurde.

Doch Nerven lagen im vergangenen Winter bekanntlich blank:  Selbst bei der Jobmaschine Google kam es zu ersten Entlassungen, während CEO Eric Schmidt um die richtige Tonlage für die schweren Zeiten rang. „Wir werden uns verhalten, als wüssten wir nicht, was noch kommt“, gab der 54-jährige Google-Boss die vorsichtige Guidance für das Krisenjahr 2009 aus. Die Branche reagierte zunächst hysterisch: „Wenn sich Google für schwere Zeiten wappnen muss, ist die Party wirklich vorbei“, twitterte etwa Web 2.0-Erfinder Tim O’Reilly.

Doch die Party war längst nicht vorbei: Beständig wie ein Uhrwerk lieferte Google bei Vorlage seiner Quartalszahken weiter zweistellige Gewinnzuwächse. Genau wie der andere große Börsenstar an der Nasdaq, Apple, der trotz Rezession mehr MacBooks und vor allem iPhones verkaufte als je zuvor. 

Anleger goutierten diese enorme Krisenresistenz und schickten die Apple-Aktien seit der Lehman-Pleite vor einem Jahr um 17 Prozent nach oben. Denn, wenn es ein Gütsesiegel gibt, dann in Zeiten der Rezession weiter steigene Gewinne präsentieren zu können: Auch Baidu, Amazon oder auch Xing unterstreichen, dass Wachstum mehr denn je an der Börse Trumpf bleibt.

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