„Wie ein harmonisches älteres Ehepaar“

Als Medien-Trainerin coacht die Hamburger TV- und Radio-Moderatorin Kathrin Lehmann Manager vor deren öffentlichen Auftritten und Medienterminen. Für MEEDIA hat sie sich das TV-Duell angesehen und beschreibt, was Körpersprache und Mimik über die Kanzlerin und den Kandidaten verraten. "Es hat sich gezeigt, dass die beiden sich persönlich schätzen und mögen", so Lehmann, "sie lächelten sich häufig an und wirkten wie ein harmonisches älteres Ehepaar. Von Zweikampf war in der Gestik nichts zu spüren."

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Für die Expertin sind Merkel und Steinmeier in der Ausstrahlung „ganz ähnliche Typen“. Beide bevorzugten eine ruhige und offene Körpersprache, was dem Zuschauer den Eindruck der Souveranität vermittele. Anders als die Kanzlerin habe der Kandidat zu Beginn angespannter, aber auch konzentrierter gewirkt: „Steinmeier wollte physisch möglichst präsent wirken, indem er mit raumgreifenden Gesten die Hände auf den Tisch stützte, ja geradezu krallte.“ Die Phase der Nervosität sei aber nur von kurzer Dauer gewesen.
Aus Sicht der Medien-Trainerin hat der Herausforderer bei der Argumentation allerdings ein sichtbares Problem: „Er kommt zwar sympathisch rüber, und man merkt ihm an, dass er auch Humor hat. Allerdings erscheinen seine Ausführungen oft monoton, weil er kaum mimische Veränderungen zeigt. Seine Zähne sieht man nur, wenn er lächelt.“ Und: „Bei Tonfall und Redeweise fühlt man sich zu sehr an Gerhard Schröder und Joschka Fischer erinnert. Das wirkt antrainiert und nicht authentisch.“
Der Kanzlerin hingegen habe man deutlich angemerkt, dass es Themen gab, über die sie nicht sprechen wollte: „Beim Fall Ackermann hat sie geschluckt und sich geräuspert, bevor sie antwortete. Das war bei anderen Themen nicht der Fall.“ Zudem sei Merkel bei der „Kanzleramts-Affäre“ um das gesponserte Geburtstags-Dinner für den Deutsche Bank-Chef den Blicken der Fragensteller ausgewichen.
Dass die Auftritte der rivalisierenden Führungsfiguren bei noch unentschiedenen Wählern größere Verschiebungen bewirkt haben könnten, glaubt Lehmann nicht: „Wer noch nicht weiß, was er wählen soll, wird auch nach dem TV-Duell keine Entscheidungshilfe erhalten haben. Dafür vermittelten beide unterschwellig zu sehr die Botschaft: Wir sind ein Team.“

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