Twitter-Mobbing gegen Raab-Kandidaten

"Schlag den Raab" folgte bislang einem einfachen Gesetz: Das Publikum hält zum Herausforderer und Stefan Raab gibt den Ehrgeizling. Hans-Martin, ein 24-Jähriger Pharmazie-Student aus Oldenburg, dreht den Spieß um. Der Kandidat präsentierte sich als solcher Unsympath, dass die Stimmung komplett kippte, im Studio und vor allem im Web. Aus Hans-Martin wurden schnell "Hassmartin", über den vor allem via Twitter aufs übelste hergezogen wurde. Es bildeten sich sogar Hass-Gruppen bei Facebook und StudiVZ.

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„Schlag den Raab“ folgte bislang einem einfachen Gesetz: Das Publikum hält zum Herausforderer und Stefan Raab gibt den Ehrgeizling. Hans-Martin, ein 24-Jähriger Pharmazie-Student aus Oldenburg, dreht den Spieß um. Der Kandidat präsentierte sich als solcher Unsympath, dass die Stimmung komplett kippte, im Studio und vor allem im Web. Aus Hans-Martin wurden schnell „Hassmartin“, über den vor allem via Twitter aufs übelste hergezogen wurde. Es bildeten sich sogar Hass-Gruppen bei Facebook und StudiVZ.

Die Geschichte hat beste Chancen, zum Lehrstück für Cyber-Mobbing zu werden. Und sie liefert den besten Anschauungsunterricht dafür, wie sich – unterstützt durch die Anonymität des Webs – die verunglimpfenden Kommentare via Twitter und in Foren gegenseitig immer stärker aufschaukeln. Jeder will mit noch mehr Witz, Häme oder Fäkalsprache punkten. Im Fall von Hans-Martin ging die Web-Welt definitiv zu weit. „Was jedoch in den sozialen Netzwerken abging, glich fast einem virtuellen Pogrom – einer Massenausschreitung, die nicht gegen eine Minderheit, sondern gegen eine einzelne Person gerichtet war“, bloggt der Redaktionsleiter der „Ruhrnachrichten“ Philipp Ostrop.

Christian Schlender beschreibt, wie sich der Abend im Web entwickelte: „Schon mit der Wahl ging es über Twitter los, die einzelnen Spiele über wurde fleißig gezwitschert, vor allem über den Kandidaten selbst, der sich durch Selbstgespräche / Selbst-Pushen und sein Auftreten gegenüber Raab schnell unbeliebt machte.“ Weiter schreibt der Blogger: „Mit Verlauf des Abends entstanden in Reaktion auf das Auftreten von Hans-Martin nicht nur hunderte von Tweets (#hassmartin, #SDR), es wurden auch StudiVZ und Facebook Gruppen eröffnet, T-Shirts designt, YouTube-Videos eingestellt und Blogposts in Windeseile verfasst. Auch das Schlag-den-Raab-Forum konnte dem Ansturm teilweise nicht standhalten.“

Seit Montagmorgen betreibt Schlender die Seite Hassmartin.de. Auf ihr will er zeigen, welche „Macht und Auswirkungen mittlerweile Social Media in Deutschland haben, sowie die Ereignisse im Zusammenhang mit der Sendung und dem Kandidaten aufarbeiten.“

Eine von unzähligen typischen Pöbel-Tweets:

Einen anderen Blickwinkel nimmt Richard Gutjahr ein. Der Reporter/Moderator des Bayerischen Rundfunks sieht nicht durch den durchdrehenden Web-Mob, sondern auch die Versäumnisse der Moderatoren, die auch eine Teilschuld an der Online-Eskalation tragen: „Gestern, während der Sendung habe ich mich immer wieder dabei ertappt, wie ich mich über die giftigen Seitenhiebe der Moderatoren-Crew amüsiert habe. Heute, am Tag danach, sehe ich das anders“. Weiter bloggt er: „Diese vier TV-Profis (Moderator Opdenhövel, Kommentator Buschmann, Sidekick Elton und Produzent Raab) haben sich ziemlich unfair gegenüber dem Kandidaten verhalten. Als Privat-Personen vielleicht noch akzeptabel. Als bezahlte TV-Personalities unverantwortlich. Scheinheilig. Menschenverachtend.“

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