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Was Sie über das TV-Duell wissen sollten

Am Sonntag blickt Deutschland auf das TV-Duell zwischen Kanzlerin Merkel und Herausforderer Steinmeier. In einem Jahr ohne Fußball-EM oder -WM wird es voraussichtlich das größte TV-Ereignis. Denn: Die bisherigen Duelle hatten jeweils mehr als 15 Mio. Zuschauer, das zwischen Schröder und Merkel sogar mehr als 20 Mio. MEEDIA bereitet Sie mit allen wichtigen Details vor, berichtet, was die Sender am Sonntagabend planen und sagt, ob es ein Fehler von ProSieben war, "Die Simpsons" gegen das Duell zu programmieren.

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Geschichte und Quoten des TV-Duells:

Das erste TV-Duell zweier Kanzlerkandidaten kam erst 2002 zustande. Zwar wollte Herausforderer Gerhard Schröder schon 1998 den damaligen Kanzler Helmut Kohl zu einem Duell treffen, doch der lehnte dankend ab. Als Schröder dann selbst Kanzler war, stellte er sich 2002 Edmund Stoiber – und das sogar in zwei Duellen. Eins wurde von RTL und Sat.1 präsentiert, das andere vom Ersten und dem ZDF. Bei den Zuschauerzahlen gab es interessanterweise keine großen Unterschiede. Das erste Duell sahen am 15. August 2002 bei RTL und Sat.1 15,06 Mio. Leute, das zweite 14 Tage später im Ersten und im ZDF 15,26 Mio.

2005 kam es dann wie im aktuellen Jahr 2009 nur noch zu einem Duell, das gleichzeitig auf allen vier großen Sendern ausgestrahlt wurde. Somit stellten auch vier Moderatoren die Fragen. Die Zuschauerzahl stieg insgesamt auf heftige 20,98 Mio. – eine Zahl, die sonst nur bei Fußball-WMs oder -EMs erreicht wird. Und unter diesen 20 Millionen waren nicht etwa nur ältere Zuschauer wie sonst meist bei politischen Talkshows oder Magazinen. 8,58 Mio. kamen aus der Altersgruppe zwischen 14 und 49. Die meisten Leute schalteten dabei Das Erste ein (9,70 Mio.), dahinter folgten das ZDF (6,06 Mio.), RTL (3,79 Mio.) und Sat.1 (1,43 Mio.). Im jungen Publikum lag RTL vor dem ZDF.

Für die nationale und internationale Geschichte empfehlen wir außerdem den Wikipedia-Eintrag zum Thema Fernsehduell. Sehr lesenswert ist der Blog-Eintrag „Das erste TV-Duell – Korsett und Zwangsjacke“ von Michael Spreng über den Vertrag zu den Duellen 2002 zwischen Schröder und Stoiber. Spreng arbeitete damals als Stoibers Wahlkampf-Berater.

Die Kandidaten und die Moderatoren 2009:

Die politische Lage vor dem TV-Duell 2009 ist eindeutig nicht so spannend wir vor den beiden vorigen Bundestagswahlen. Die CDU/CSU führt bei den Umfragen seit Monaten mit riesigem Vorsprung, die Beliebtheit von Angela Merkel im Vergleich zu Frank-Walter Steinmeier ist sogar noch viel höher. Vor der Wahl 2005 hatte die SPD eine monatelange Aufholjagd hinter sich, zudem gab es nicht wie in diesem Jahr eine große Koalition, sondern ein Duell zwischen Regierung (Gerhard Schröder) und Opposition (Angela Merkel).

Im Moderatoren-Team gibt es im Vergleich zu 2005 zwei Veränderungen. Dieselben Fragensteller schicken das ZDF (Maybrit Illner) und RTL (Peter Kloeppel) ins Rennen, einen Wechsel gab es bei der ARD und Sat.1. So ersetzt für die ARD Frank Plasberg Sabine Christiansen, für Sat.1 ist Peter Limbourg dabei und nicht mehr der beinahe schon vergessene Thomas Kausch, der 2005 noch die große Nachrichten-Hoffnung von Sat.1 war. Limbourg ist allerdings kein Duell-Neuling, 2002 moderierte er schon gemeinsam mit Peter Kloeppel das erste Duell zwischen Schröder und Stoiber.

Die Pläne der Sender vor und nach dem Duell:

Alle vier Sender haben ein Begleitprogramm für das TV-Duell gestrickt, mit dem sie die Zuschauer nicht der Konkurrenz überlassen wollen und die Diskussion zwischen Merkel und Steinmeier vorbereiten und nachbereiten. Die Pläne sind dabei aber vor allem nach dem Duell sehr unterschiedlich. Bei allen vier Sendern startet die Vorberichterstattung pünktlich um 20.15 Uhr, nach dem Duell, das von 20.30 Uhr bis 22 Uhr stattfindet, sendet Das Erste bis 23 Uhr „Anne Will – Nach dem Duell“, das ZDF bis 22.45 Uhr ein „ZDF spezial“ und RTL nur bis 22.15 Uhr „Das TV-Duell: die Analyse“. Am längsten ist interessanterweise Sat.1 dabei: Von 22 Uhr bis 23.15 Uhr gibt es eine 75 Minuten lange Ausgabe von „Ihre Wahl! Die Sat.1-Arena“.

Wie ernst RTL dabei die Politik nimmt, zeigt nicht nur die Länge von 15 Minuten für die Analyse, sondern auch die Tatsache, dass neben Ilka Eßmüller auch „Exclusiv“-Dame Frauke Ludowig für die Vor- und Nachberichterstattung zuständig ist und nicht etwa nur Politiker und Experten zum Duell befragt werden, sondern vor allem Promis wie Schauspielerin Alexandra Kamp und Modemacher Otto Kern. RTL verspricht zudem eine Blitzumfrage von Forsa, die nur wenige Minuten nach Ende des Duells vorliegen soll. Seriöser geht es bei Sat.1 zu, wo Sabine Christiansen und Stefan Aust Guido Westerwelle und Jürgen Trittin begrüßen. Wenn die beiden Oppositions-Politiker also schon nicht mit Merkel und Steinmeier debattieren dürfen, können sie im Anschluss wenigstens in aller Ausführlichkeit erzählen, wie sie das Duell fanden.

Für das ZDF begrüßt Bettina Schausten vor dem Duell „Focus“-Macher Helmut Markwort und „Süddeutsche“-Schreiber Heribert Prantl, im „ZDF spezial“ um 22 Uhr interviewen Peter Hahne und Peter Frey Prominente und Zuschauer, Außenreporter befragen zudem Ärzte und Krankenschwestern in einem Krankenhaus, sowie Arbeiter in einer Fabrik, die das Duell verfolgt haben. Den Klassiker gibt es im Ersten: In „Anne Will – Nach dem Duell“ trifft sich eine illustre Runde aus Edmund Stoiber, Klaus Wowereit, Günther Jauch, Claus Peymann, Patricia Riekel und Hans-Ulrich Jörges. Auch die ARD hat zudem schon eine Blitzumfrage angekündigt, die zeigen soll, welcher der Duellanten beim TV-Publikum die Nase vorn hatte.

Die Pläne der Konkurrenz:

Angesichts der Mega-Quoten der vorigen Duelle könnte man annehmen, dass sich die anderen Sender geschlagen geben und den vier Duell-Kanälen das Feld überlassen. Nicht so in diesem Jahr. Vox zeigt ein „Übernachtungsspecial“ des „Perfekten Promi Dinners“, das NDR Fernsehen sendet um 20.15 Uhr einen „Tatort“. Vor allem aber: Bei ProSieben feiert „Die Simpsons – Der Film“ seine Free-TV-Premiere. Ein absoluter Blockbuster also, den 2007 im Kino mehr als 4,5 Mio. Deutsche gesehen haben.

Eine der spannenden Fragen wird also die, wie viele Zuschauer ProSieben den Duell-Sendern klauen kann. Verzichten viele Millionen wegen der „Simpsons“, einem Film, den es auch schon an jeder Ecke für weniger als 10 Euro auf DVD gab, auf das TV-Duell? Oder wird die mutige Programmplanung für den Sender zu einem Reinfall, weil das Duell zu übermächtig ist? Tatsache ist, dass „Die Simpsons“ vor allem bei den 14- bis 29-Jährigen sehr beliebt sind. Hier holt die Serie tagtäglich Traum-Marktanteile. Doch auch hier sind „Die Simpsons“ für ProSieben kein Selbstläufer, denn 2005 gab es selbst bei den Teenies (14-19) einen Marktanteil von über 50% für die Duell-Sender. Klar ist: Jeder andere Tag des Jahres hätte dem „Simpsons“-Film mehr Zuschauer beschert als ausgerechnet der 13. September.

Wie das Duell gelaufen ist, wie viele Zuschauer auf welchem Sender dabei waren und ob „Die Simpsons“ doch eine Chance hatten, erfahren Sie natürlich gleich am Montagmorgen bei MEEDIA.

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