Studie: Kaum Verlags-Inhalte bei Google

Die Beratungsfirma TRG (The Reach Group), die auf Suchmaschinenoptimierung spezialisiert ist, hat untersucht, wie viele Suchtreffer bei Google sich auf Inhalte von Verlagen beziehen. Ergebnis: angeblich nur fünf Prozent aller Google-Treffer verweisen auf Verlagsseiten. Hintergrund der Untersuchung ist die so genannte Hamburger Erklärung, in der Verlage fordern, an den Gewinnen von Google beteiligt zu werden. Allerdings bleiben bei der Untersuchung der Suchmaschinen-Optimierer noch einige Fragen offen.

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So ist unklar, mit welchen Suchbegriffen Google bei der Untersuchung gefüttert wurde und ob nur deutschsprachige Seiten durchsucht wurden oder das gesamte Web. Beide Faktoren haben einen großen Effekt auf die ausgegebenen Suchtreffer. Die Chefs von TRG kennen sich mit Websites der Verlagswelt aus. Der eine Geschäftsführer, Jan Kutschera, war bis Ende 2008 Suchmaschinen-Optimierer bei Bild.de. Der andere, Christoph Burseg, war ebenfalls bis Ende vergangenen Jahres Suchmaschinen-Optimierer bei Welt Online. Beide haben sich mit TRG als SEO-Spezialisten (Search Engine Optimization) selbstständig gemacht. Anlass der TRG-Erhebung ist die so genannte Hamburger Erklärung, in der zahlreiche deutsche und einige internationale Verlage einen umfassenden Leistungsschutz für ihre Inhalte fordern. Einer der Haupt-Initiatoren der Hamburger Erklärung war ausgerechnet die Axel Springer AG, der Ex-Arbeitgeber von Kutschera und Burseg. Im Kern geht es darum, dass die Verlage argumentieren, dass Suchmaschinen, vor allem der Marktführer Google, von ihren teuer erstellten Inhalten profitieren und sie dafür einen „fairen“ Anteil verlangen.

TRG hat nun diese Behauptung der Verlage mit Daten überprüft. Hierzu hat die Firma nach eigenen Angaben fast 1.000 Web-Adressen der deutschen Unterzeichner der Hamburger Erklärung aus dem Google-Index herausgerechnet. In Folge wurden nur Suchergebnisse angezeigt, die nicht von den deutschen Verlage stammten, die die Hamburger Erklärung unterzeichnet haben. Überraschendes Ergebnis: nur fünf Prozent der Top-Ten-Suchergebnisse fehlten in der um die Verlags-Inhalte bereinigten Trefferliste. Mit anderen Worten: Selbst wenn sämtliche Inhalte der Verlage nicht bei Google auftauchen würden, würden die Suchergebnisse zu 95 Prozent so aussehen wie jetzt auch. Die Bedeutung der Verlagswebsites für Google und damit für den Umsatz von Google, ist offenbar deutlich geringer als von den Verlagen vermutet.

Die Ergebnisse der Beratungsfirma TRG decken sich mit den Aussagen von Google-Europa-Chef Philipp Schindler. Dieser sagte jüngst in einem Interview mit dem „Spiegel“: „Ich will da keinem zu nahe treten, aber Verlags-Content hat nur einen verschwindend geringen Anteil.“ Die Leute von TRG vergessen dabei nicht darauf hinzuweisen, dass das ungenutzte Potenzial der Verlage viel größer sei. Die meisten Verlags-Inhalte würden von Google schlicht nicht gefunden. Hier spielt natürlich das Eigeninteresse der Suchmaschinen-Optimierer eine Rolle, die die Verlage wohl gerne als Kunden gewinnen würden. Man muss eben im Hinterkopf behalten, dass eine solche Untersuchung auch interessensgesteuert ist. Interessant sind die TRG-Zahlen aber trotzdem.

Eine weitere interessante Zahl aus der Untersuchung: Würde man die Suchtreffer, die auf wikipedia.org verweisen, bei Google herausrechnen, würden 13 Prozent der Ergebnisse fehlen. Fazit: Wikipedia spielt bei Google eine wesentlich größere Rolle, als alle Verlagswebsites zusammen.

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