Zeit Online: Mehr News, kein Boulevard

Der vierte Teil des Relaunch-Sommers: Nach SpOn, Stern.de und FTD.de renoviert nun auch Zeit Online seine Seite. Unter dem Claim „Durchschauen Sie jeden Tag“, präsentiert sich die neue Homepage jetzt news-lastiger, aufgeräumter und breiter. Das Ergebnis: Zeit Online ist nun ein ernsthafter Rivale für Spiegel & Co. „Wir bekennen uns zur News“, sagt Chefredakteur Wolfgang Blau. Sein Ziel: „Wir wollen den anderen Nachrichtenseiten Leser abnehmen." Eine Absage erteilte der Chef einer Boulevarisierung des Angebots.

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Auf den ersten Blick sticht das großen Aufmacherbild ins Auge. Es gibt keine linke Spalte mehr. Die Homepage wirkt nun luftiger. Dazu wurde die Seite erkennbar verbreitert. Ein Schritt, der vor allem im deutschen Web noch immer ein großes Problem ist: „Wir haben festgestellt, dass ein Drittel unserer User eine derartige Bildschirmauflösung eingestellt haben, dass sie eine breitere Seite nicht sehen können“ Um dieses Problem zu lösen, griff das Relaunch-Team auf einen Kniff zurück, mit dem gerade auch die neue FTD.de überraschte: Die rechte Spalte kann sich flexibel einklappen. So bleibt – bei welcher Bildschirmauflösung auch immer – die Werbung sichtbar.

Darüber hinaus wurde die Navigation verändert und die Ressorts derart angepasst, dass sich jetzt auch die Inhalte der vielen Zeit-Magazine besser finden lassen. „Unser Ziel war es, auf einen Blick möglichst viele Themen zu  zeigen“, sagt Blau. Besonders gelungen: Auf der Hälfte der Startseite gibt es jetzt eine groß angelegte Ressortübersicht.

Die neue Zeit-Seite versucht den Spagat zwischen den starken Hintergrundstücken der Print-Mutter und ihrer engagierten Debatten-Kultur und einer klarer Nachrichten-Ausrichtung der  Online-Ausgabe. Die Spaltung der Redaktion ist der lebende Beweis für diese Dualität. In Berlin arbeitet ein 26-Mann-Team, das sich um das Tagesgeschäft kümmert. In Hamburg dagegen sitzen 14 Kollegen, die zwar auch tagesaktuell arbeiten, aber auch für die Vernetzung zwischen Papier- und Web-Zeit zuständig sind. Ziel der neuen Homepage: „Wir wollen das Beste aus beiden Welten“, sagt Geschäftsführer Christian Röpke.

Ergänzt wird die Redaktions-Produktion noch durch Inhalte der Holtzbrinck-Geschwister „Tagesspiegel“ und „Handelsblatt“. Einer gemeinsamen Service-Redaktion aller Verlagstitel erteilte Röpke gegenüber MEEDIA jedoch eine klare Absage. „Es gibt in Deutschland bereits eine große Zentralredaktion und die heißt dpa“, sagt Blau.

Für die nächsten Monate haben die Macher ein klares Ziel ausgeben: „Wir wollen weiter signifikant Wachsen.“ Aktuell kommt Zeit Online,  auf 10,9 Millionen Visits und 64,8 Millionen Klicks. Damit wuchs die Seite innerhalb des vergangenen Jahres bei den Page Impressions zwar nur um zwei Prozent. Bei den Visits beträgt der Zuwachs allerdings 58 Prozent.

Weitere Leser will Blau vor allem über eine stärker Hinwendung zum Tagesgeschehen erreichen. Dabei gelten allerdings zwei Regeln. Erstens: Zeit Online soll nicht der Größte werden, aber der Beste. Und zweitens: Eine Boulevarisierung wird es unter Blau nicht geben.
Freigeschaltet wird die überarbeitete Seite am Samstag.

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