Skype: eBay geht auf Nummer sicher

Vier Jahre sind genug: Wie erwartet hat sich eBay wieder von der Internettelefonie-Tochter Skype getrennt - zumindest von zwei Dritteln. Dass das weltgrößte Online-Auktionshaus den Verkauf an ein Investoren-Konsortium um den früheren Netscape-Gründer Marc Andreessen einem Börsengang vorzieht, unterstreicht, wie dringend eBay Skype veräußern wollte. Während die Konzentration aufs Kerngeschäft aus kaufmännischer Sicht Sinn macht, verliert eBay gleichzeitig weiter an Wachstumsfantasie.

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Vier Jahre sind genug: Wie erwartet hat sich eBay wieder von der Internettelefonie-Tochter Skype getrennt – zumindest von zwei Dritteln. Dass das weltgrößte Online-Auktionshaus den Verkauf an ein Investoren-Konsortium um den früheren Netscape-Gründer Marc Andreessen einem Börsengang vorzieht, unterstreicht, wie dringend eBay Skype veräußern wollte. Während die Konzentration aufs Kerngeschäft aus kaufmännischer Sicht Sinn macht, verliert eBay gleichzeitig weiter an Wachstumsfantasie.    

Das Timing ist optimal: Seit einem halben Jahr laufen die Aktienmärkte in eine Richtung – nämlich steil nach oben. Nachdem auch aus der Konjunktur immer erfreulichere Nachrichten kommen, erscheint die Erholung immer nachhaltiger. Selbst der lange Zeit brachliegende IPO-Sektor springt an, wie die Börsengänge von OpenTable und LogMeIn beweisen.

Dennoch geht eBay auf Nummer sicher – und verkauft seine Internet-Telefonie-Tochter Skype jetzt an eine Investorengruppe um Marc Andreessen. Damit beweist der weltgrößte Online-Auktionator, wie dringend ihm das Anliegen ist, das einst teuer gekaufte und dann bald ungeliebte Start-up wieder loszuwerden – ganz wie ein Kleinanleger, der vier Jahre mit seinem Investment unter Wasser lag und es kaum erwarten kann, zu Einstandskursen wieder zu verkaufen.
 
Einstandspreis fast zurückbekommen: Skype wird mit 2,75 Milliarden Dollar bewertet
Die sieht das noch immer drittwertvollste Internetunternehmen nun auch wieder – zumindest fast. 1,9 Milliarden Dollar bekommt eBay in Bar und hält selbst weiter 35 Prozent, was einer Bewertung von 2,75 Milliarden Dollar entspricht. 2,6 Milliarden zuzüglich Aktienvergütungen hatte eBay selbst vor fast exakt vier Jahren bezahlt – es war der Auftakt zum Comeback der größeren Übernahmen im Internet-Sektor. Der hohe Akquisitionspreis wurde unterdessen nie richtig verstanden, am wenigsten von eBay selbst.
Dabei entwickelt sich Skype immer mehr zum Wachstumstreiber, dessen Umsätze 2008 um 44 Prozent auf immerhin schon 551 Millionen anstiegen. Das Prinzip ist so einfach wie genial und fasziniert vor allem die kommunikationsfreudige „Generation @“: Warum für einen schnöden Festnetz -Anruf bezahlen, wenn man sich via Skype sogar kostenlos in die Augen sehen kann?
„Die Synergieeffekte zum Kerngeschäft sind bei Skype begrenzt“

Dass Skype nie so wirklich zu eBay gepasst hat und Bieter mit Verkäufern via VoIP eher selten in Kontakt traten, ist fraglos ein Argument. Der scheidende Deutschland-Chef Malte Feller hatte im Mai dieses Jahres noch gegenüber MEEDIA erklärt: „Die Synergieeffekte zum Kerngeschäft sind bei Skype begrenzt.“

Nun zieht eBay also die Konsequenzen und vermacht seine Internettelefonie-Tochter dem durchaus nahe liegendsten Käufer, nämlich einem Bieter-Konsortium, das vom Private Equity-Investor Silver Lake angeführt wird und zu dem auch der ehemalige Netscape-Gründer Marc Andreessen gehört. Der Deal macht Sinn – und zwar für beide Seiten: eBay ist seine ungeliebte VoIP-Tochter los, während Skype unter der Führung von Andreessen und dem früheren Joost-CEO Mike Volpi, der über die britische Investmentgesellschaft Index Ventures engagiert ist, neues Momentum aufnehmen könnte.

Und vermutlich nicht nur das. Es erscheint keineswegs abwegig, dass sich eBay schon bald über den Verkauf ärgern dürfte, wenn Andreessen, Volpi und ihren Partnern in ein, zwei Jahren das gelingt, was Private Equity-Investoren seit jeher anstreben – nämlich ihr Investment zu Geld zu machen. Das geschieht in der Regel an den Aktienmärkten.

Halbherzige Trennung: Was will eBay mit 35 Prozent an Skype?
 
Dass eBay den im April noch angekündigten Gang an die Börse nun gar nicht mehr abwarten will, macht auch deutlich, dass der Internet-Pionier dem jüngsten Aufschwung an den Märkten, in dessen Windschatten 2010 vermutlich noch ganz andere Erlöse zu erzielen gewesen wären, nicht so recht zu trauen scheint.

Dennoch bleibt der Teilverkauf seltsam halbherzig. Mit 35 Prozent hält eBay viel mehr als bei einem Minderheitsinvestment üblich wäre. Es scheint, als glaube eBay durchaus weiter an den Erfolg seiner boomenden Internettelefonie-Tochter, die so starke Umsatzzuwächse ausweist wie kein anderer Konzernteil, wolle aber seinen zuletzt leidgeprüften Aktionären nur noch reinrassigen Shareholder-Value ohne Abschreibungsbedarf und mögliche rechtliche Folgen präsentieren.

eBay verhält sich damit wie ein Bieter, der sich Sekunden vor dem Ende der Auktion einfach nicht entscheiden kann, ob er die Entertaste betätigt oder nicht: 3,2,1 – vielleicht.

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