DuMont spart auch beim Boulevard

Die Restrukturierung des Zeitungsreiches des Kölner Verlags M. DuMont Schauberg nimmt weitere Konturen an. Laut Insidern wurden insgesamt 13 Arbeitsgruppen eingerichtet, die die Einzelteile des mittlerweile weit verzweigten Zeitungsreiches der Kölner auf Synergien und Spar-Potenziale hin abklopfen. Eine Arbeitsgruppe befasst sich unter dem ehemaligen "Bild"-Chefredakteur Claus Larass mit den Boulevard-Titeln des Hauses. Spar-Potenzial wird offenbar vor allem beim Kölner "Express" gesehen.

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Die Budgets der beiden anderen Boulevard-Zeitungen „Hamburger Morgenpost“ und „Berliner Kurier“ wurden unter der Herrschaft der Heuschrecke David Montgomery bereits soweit gekürzt, dass im Prinzip kaum Spar- oder Synergiepotenzial mehr zu heben ist. „Mopo“ und „Kurier“ teilen sich beispielsweise bereits die überregionale Politik-Berichterstattung, das Vermischte und alle Service-Seiten – und beide Zeitungen laufen trotzdem. Der „Express“ war vor dem Zukauf als Boulevard-Titel bei DuMont ein Solitär. Dem Vernehmen nach soll nun der „Express“ möglicherweise in die Synergie-Kette von „Mopo“ und „Kurier“ eingegliedert werden. Davon erhofft man sich nach MEEDIA-Informationen ab 2010 ein signifikantes Sparportenzial im siebenstelligen Bereich.
Koordinieren soll die neue Boulevard-Schiene ein alter Bekannter: Claus Larass. Der ehemalige „Bild“-Chef und Axel-Springer-Vorstand pflegt traditionell gute Beziehungen zu Verleger Alfred Neven DuMont, er saß schon mal im DuMont-Aufsichtsrat und hat die Kölner auch schon bei der Abwehr der Gratiszeitung „20 Minuten“ in Köln beraten.

Neben den Boulevardtiteln soll sich eine weitere Arbeitsgruppe mit den Online-Angeboten des Hauses befassen. Dies alles sind im Moment aber im Prinzip Nebenkriegsschauplätze. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Abo-Zeitungen „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Mitteldeutsche Zeitung“, „Berliner Zeitung“ und „Frankfurter Rundschau“. Vor allem letztere ist das große Sorgenkind. Die „FR“ ist nach wie vor defizitär, die radikale Umstellung aufs kleine Tabloid-Format wurde von den Lesern immer noch nicht richtig verdaut.

Erste Schritte, die „FR“ mit den anderen Titeln des Hauses zu verzahnen, haben erwartungsgemäß für Zerknirschung vor allem in Berlin geführt. So soll die Medienberichterstattung der „FR“ künftig von der „Berliner Zeitung“ kommen, umgekehrt sollen Wissenschaftsartikel von Frankfurt nach Berlin geschickt werden. Im Raum stehen außerdem Ideen für Schreib-Pools für das Politik-und das Wirtschaftsressort, was darauf hinauslaufen würde, dass die überregionale Berichterstattung in diesen Ressorts ebenfalls zentralisiert wird. Nun wurde zusätzlich bekannt, dass DuMont die Berliner Büros von „Kölner Stadt-Anzeiger“, „FR“ und „Mitteldeutscher Zeitung“ zum 30. April 2010 gekündigt hat. Betroffen wären rund 12 Mitarbeiter.

Bei der „Berliner Zeitung“ regte sich bei Bekanntwerden der Pläne sogleich Widerstand, Protestbriefe wurden verfasst, es wurde gedroht, die gemeinsame Syndication von Artikeln zu boykottieren. Die Redaktion ist noch stark und selbstbewusst unter dem Eindruck, den verhassten David Montgomery wegprotestiert zu haben und schwarze Zahlen zu schreiben.
Wohl auch um das wirtschaftliche Selbstbewusstsein der Redaktion ein bisschen zu stutzen, hat nun Oliver Rohloff, der Geschäftsführer des Berliner Verlags, in der Redaktion aktuelle Zahlen vorgestellt. Und die sehen gar nicht mehr rosig, dafür rot aus. So habe der Berliner Verlag im ersten Halbjahr 2009 zwar noch einen schmalen Vorsteuergewinn von 700.000 Euro erwirtschaftet, unterm Strich sei man aber bereits in den roten Zahlen. Zum Vergleich: 2007 wurden noch gut 15 Millionen Euro Gewinn eingefahren.

Die Botschaft ist klar: An den Spar- und Synergievorhaben führt kein Weg vorbei. Von der Hau-Drauf-Spar-Taktik anderswo, wo in einem Handstreich hunderte Stellen weggehauen werden, ist die eher abwartende und abwägende DuMont-Methode ohnehin Welten entfernt.

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