Die internationale Anti-Google-Bewegung

Nicht nur in Deutschland ziehen Verleger gegen Google zu Felde. Auch in europäischen Nachbarländern formieren sich die Google-Gegner aus dem Print-Lager. In Italien ermitteln mittlerweile die Wettbewerbsbehörden gegen Google, nachdem sich Verlage über die dominante Position des US-Unternehmens bei der Websuche beklagt hatten. In Frankreich befürchtet der Verlag Hachette einen Preisverfall bei Büchern wegen Googles Buch-Projekt. Auch in Belgien und Dänemark regt sich Widerstand gegen Google.

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Laut einem Bericht der „New York Times“ soll der belgische Zeitungs-Verlag Copiepresse sich erfolgreich aus Google News herausgeklagt haben. Das wirkt freilich ein bisschen seltsam, da jeder Betreiber einer Website durch einen einfachen Code-Befehl seine Inhalte vor dem Zugriff von Google News schützen kann. In Dänemarkt haben sich die Verlage laut „New York Times“ gar zusammengetan und den Start einer lokalen Version von Google News ganz verhindert.

Google News ist nach wie vor Kernpunkt des Verleger-Zorns. Viele Verleger fürchten, dass Lesern die kurzen Anreißer-Texte bei Google News reichen und sie erst gar nicht auf die eigentlichen Verlags-Seiten weiterklicken. Paradoxerweise traut sich aber auch kaum jemand, seine Website bei Google News nicht länger listen zu lassen, und zwar aus Angst vor sinkender Reichweite. Nicht gerade schlüssig, wie sich die Verlage hier verhalten. Die „New York Times“ zitiert den Präsidenten des italienischen Zeitungsverbandes, Carlo Malinconico, mit Worten, die auch aus dem Munde eines deutschen Verlegers kommen könnten: „Verleger sorgen für die meisten Inhalte im Internet aber sie bekommen dafür fast nichts.“ Dies sei „nicht fair“.

Die Wettbewerbshüter in Italien wurden aber aus einem anderen Grund gegen Gogle aktiv. Hier geht es um fehlende Transparenz bei der Websuche und bei Google News. Die italienischen Verleger beklagen, dass Google unter Verschluss hält, wie die Nachrichten und Suchtreffer sortiert werden. So könnten die Verleger ihre Inhalte nicht anpassen, um die größte mögliche Reichweite zu erzielen. Die Verleger aus Italien übersehen dabei möglicherweise, dass genau dies der Grund ist, warum Google seine Such- und Ranking-Mechanik geheim hält: Damit die besten Treffer aus Nutzersicht erzielt werden und nicht die besten Treffer der cleversten Suchmaschinen-Optimierer. Italienische Verleger werfen Google außerdem vor, dass ihre Inhalte aus der Websuche verbannt würden, wenn sie nicht länger bei Google News gelistet sind. Google widerspricht dieser Aussage. Die Websuche habe mit dem Auftauchen bei Google News nichts zu tun.

Ganz andere Sorgen macht man sich in Frankreich. Arnaud Nourry, Chef des Großverlags Hachette, sagte in der „Financial Times Deutschland“, er fürchte einen drastischen Preisverfall bei Büchern und sogar das komplette Verschwinden der umsatzträchtigen Hardcover, wenn sich digitale Lesegeräte wie der Kindle von Amazon oder Googles Buch-Projekt durchsetzen. Die Verlage in Frankreich wollen Ende September vor Gericht beweisen, dass Googles Buch-Projekt gegen geltendes Urheberrecht verstößt.

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