Gruner + Jahr mit historischer Minus-Bilanz

Stürmische Zeiten am Baumwall: Europas größter Zeitschriftenverlag hat die anhaltende Anzeigenkrise in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres hart getroffen. Erstmals in der Konzerngeschichte muss die Bertelsmann-Tochter in einer Halbjahresbilanz nach Abschreibungen rote Zahlen ausweisen – unterm Strich bleibt ein Minus von 57 Millionen Euro. Die Umsätze gaben um knapp 11 Prozent nach. Mehr noch: Konzernchef Bernd Buchholz sieht weiter keine Anzeichen der Erholung am Werbemarkt.

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Deutliche Einbußen bei Gruner + Jahr: Wie erwartet gaben Umsätze und Gewinne bei Europas größtem Zeitschriftenverlag im ersten Halbjahr zweistellig nach. Während die Erlöse von 1,36 Milliarden auf 1,21 Milliarden sanken (minus 10,6 Prozent), brach das um Sondereffekte und Zinsen bereinigte Ergebnis (Operating EBIT), wie gestern bereits bei Verkündung der Konzernzahlen von Bertelsmann kommuniziert, um happige 53 Prozent auf 55 Millionen Euro (Vorjahr: 117 Millionen Euro) ein.
Nach Sondereffekten fiel das Ergebnis jedoch gar tiefrot aus, wie heute erst bekannt wurde. Aufgrund außerplanmäßiger Abschreibungen bei der Beteiligung Prinovis und weiterer Einmaleffekte musste Gruner+Jahr nämlich ein EBIT von minus 57 Millionen Euro ausweisen. Im Vorjahr hatte G+J vor Steuern und dem Finanzergebnis noch 106 Millionen Euro verdient.
Die Vertrieberlöse konnten unterdessen vergleichsweise stabil gehalten werden und gingen nur um knapp 5 Prozent auf 405 Millionen Euro zurück (Vorjahr: 425 Millionen Euro). Die aufgrund der Wirtschaftskrise rückläufige Markenwerbung in den Kernmärkten führte jedoch zu deutlich sinkenden Anzeigenumsätzen. Entsprechend verminderten sich die Werbeerlöse im ersten Halbjahr um beträchtliche 23 Prozent auf 374 Millionen Euro. Damit liegen die Vertriebs- über den Anzeigenerlösen – auch das ist neu am Baumwall.
„Gruner + Jahr hat sich dem massiven Einbruch der Werbekonjunktur nicht entziehen können“, resümierte der seit Januar amtierende Vorstandsvorsitzende Bernd Buchholz die Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr. Gleichzeitig betonte der 48-Jährige G+J-Vorstand, das Ende vergangenen Jahres eingeleitete Umstrukturierungsprogramm entfalte seine Wirkung: „Wir haben uns jedoch schnell darauf eingestellt und konsequent und mit Augenmaß erhebliche Kosteneinsparungen realisiert „, so Buchholz. Durch Sparmaßnahmen senkte G+J seine Kostenbasis im ersten Halbjahr um 80 Millionen Euro.
Gleichzeitig rechnet Buchholz nicht mit einem nahenden Ende der Medien- und Anzeigenkrise: „Derzeit sehen wir noch keine Anzeichen für eine Erholung in unseren Kernmärkten.“ Entsprechend entschlossen sei G+J daher auch weiterhin, „weitere Strukturanpassungen vornehmen müssen“. Wie diese aussehen könnten, machte Buchholz unmissverständlich klar: „Der Umbau des Kerngeschäftes ist dabei ebenso wichtig wie der Ausbau, insbesondere in der Online-Vermarktung und im Bereich Corporate Publishing sowie bei weiteren Titelinnovationen national wie international.“

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