Polit-Shows: Wege aus dem Quoten-Keller

Langeweile bei den "Talking Heads" im Ersten, Quoten-Desaster für RTL mit Merkel und Steinmeier und jetzt auch für das ambitionierte Sat.1-Format "Arena": Mit dem Wahlkampf ist 2009 im Fernsehen kein Staat zu machen - oder etwa doch? Bei der Analyse der Flops sollten die Sender darauf achten, auf welche Ursachen die miserablen Zuschauerzahlen zurückzuführen sind. Allgemeine Politikverdrossenheit ist ganz sicher eine entscheidende Größe, doch auch Fehler im Konzept treiben die Quoten nach unten.

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Langeweile bei den „Talking Heads“ im Ersten, Quoten-Desaster für RTL mit Merkel und Steinmeier und jetzt auch für das ambitionierte Sat.1-Format „Arena“: Mit dem Wahlkampf ist 2009 im Fernsehen kein Staat zu machen – oder etwa doch? Bei der Analyse der Flops sollten die Sender darauf achten, auf welche Ursachen die miserablen Zuschauerzahlen zurückzuführen sind. Allgemeine Politikverdrossenheit ist ganz sicher eine entscheidende Größe, doch auch Fehler im Konzept treiben die Quoten nach unten.
Der einhellige Tenor der Kritiken an der neuen Sat.1-Arena „Ihre Wahl!“ lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Weniger wäre mehr gewesen. Darin klingt bereits das Grunddilemma der Privaten an. Die Programm-Macher trauen dem Thema Politik von vornherein wenig zu. Es fehlen die charismatischen Figuren, die Spannung hinsichtlich des Wahlausgangs, und vor allem die Zugkraft bei der jungen werberelevanten Zielgruppe.
Dies ist wohl einer der Gründe, warum die Wahlkampf-Sendungen erstmals derart überfrachtet daher kommen, nach dem Motto: Wenn junge Menschen gern twittern oder SMS verschicken, dann wollen sie es auch im Rahmen einer solchen Sendung. Aber nur weil das bei Viva und MTV funktioniert, muss es nicht unbedingt das passende Konzept für einen Wahl-Talk sein. Social Media-Plattformen sind aus Sicht der jungen „Heavy User“ zwar ein unersetzbarer Kommunikationskanal, vor allem aber eine Form der Gegenöffentlichkeit. Dort wird unzensiert und respektlos kommentiert, ein anarchischer Gegenentwurf zur politischen Diskussionskultur.
Tatsächlich spielen auf diesen Plattformen auch politische Themen eine Rolle, nur das, was die TV-Redaktionen herausfiltern und in der Sendung öffentlich machen, beschränkt sich auf harmlose Fragen oder zahme Meinungsbeiträge. Auch bei der „Wahl-Arena“ gab es auf Twitter eine rege Diskussion. Dabei beklagten sich Nutzer, dass es nur wenige harmlose Tweets in die Sendung schafften. Es stellt sich die Frage, ob gelegentliche handverlesene Twitter-Beiträge im Rahmen einer solchen Sendung Sinn machen – wie auch weitere Einblendungen der Stimme des Wahlvolkes.
Bei der Sat.1-Arena trugen sie mehr zur Überfrachtung bei, als dass sie die Diskussion bereichert hätten. Zwei Politiker, zwei Moderatoren, ein Promi, eine Unternehmerin und der Ruf von der Basis – das war einfach zuviel, als dass die Zuschauer am Ende nachhaltigen Erkenntnisgewinn hätten mitnehmen können. Man ahnt, dass der Sender sich keine Blöße geben und ja nicht unmodern wirken wollte. Das Ergebnis gab der Taktik nicht recht: Es wirkte so, als ob man Hosenträger benutzt, weil man dem eigenen Gürtel nicht traut. So was registriert instinktiv auch der Zuschauer.
Vielleicht täten Sat.1 und andere besser daran, die Mitmach-Medien konsequent außen vor zu lassen, nicht aus Arroganz, sondern weil in Fernseh-Deutschland noch kein Konzept gereift ist, das Twitter & Co. überzeugend einbindet – das heißt auch in der schonungslosen Abrechnung mit der Politik. Dies hätte zweifelsohne die ja nicht unwichtige Möglichkeit eröffnet, zu Guttenberg und Lafontaine journalistisch in die Zange zu nehmen (oder zu „triggern“, wie es die Twitter-Nutzer wohl ausdrücken würden) und mit Nachfragen zu klaren Bekenntnissen zu zwingen.
Der Wahl-Arena der Privaten, die ja ansonsten mit einem neuartigen Studio-Design durchaus überzeugte und gute Ansätze zeigte, hätte dies sicher mehr Durchschlagskraft verschafft. Auch die wiederholten Appelle von Sebastian Krumbiegel („Die Prinzen“) bei der Promi-Schalte sind verzichtbar. Wer wie dieser dem Zuschauer zuraunt, doch bitte bloß wählen zu gehen, bedient letzlich ein Gutmerkeltum, das die von der Realpolitik frustrierte Zielgruppe nicht goutiert.
Denn eins ist klar: Mit dem agilen Wirtschaftsminister und dem Chef der Linken hatte Sat.1 zum Start schon das zugkräftigste Gespann des aktuellen Wahlkampfes aufgeboten. Statt die Moderatoren zu „Hightech-Dompteuren“ („Tagesspiegel“) zu machen, sollte die Sendung ihnen beim Politiker-Verhör mehr Zeit und Freiheit geben. Die Sendung müsste strukturierter, straffer und (für die Politiker) härter werden, dann könnte es auch mit der Quote klappen.

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