Schöne S-Fehler, hässliche Datenlecks

Bauers "Woche heute" informierte detailreicher als man es vielleicht wissen wollte über den Sprachfehler von RTL-Frau Katja Burkhard. Der Latzhosenträger und Kinder-TV-Star Peter Lustig ist fast pleite. Wir haben gelernt, dass der Spiegel-Verlag nicht nur hübsche Firmen-Töchter, sondern auch ein Callcenter mit einem hässlichen Datenleck in seiner Verlagsfamilie hat und dem "Focus" in München stehen unruhige Zeiten bevor. Helmut Markwort will sein Blatt nochmal kräftig runderneuern.

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Der Exklusiv-Wahn in den Medien feierte in dieser Woche wieder fröhliche Urständ. Der Bauer-Zeitschrift „Woche heute“ verriet die schöne RTL-Moderatorin Katja Burkhard ganz exklusiv: „Ich höre mein Lispeln nicht“. Der zum Markenzeichen erhobene Sprachfehler resultiere aus einer „Hochton-Schwerhörigkeit“, wie „Woche heute“ eilig, exklusiv und eifrig via Pressemitteilung posaunte. Es folgen weitere Details zum Lispeln der RTL-Moderatorin: Sie kann auch einen Wecker mit hohem Alarmton nicht hören. Sie hatte schon mindestens fünf Hörstürze. Das Lispeln hat sie früher „verrückt“ gemacht. Während der Sprachausbildung fürs Fernsehen versuchte sie sich den Sprachfehler abzutrainieren. Offenbar pfeift es auch wegen dem Tinnitus immer noch in ihrem Ohr. Damit aber, so verriet sie „Woche heute“, kann sie prima umgehen. Man weiß nicht was bezeichnender ist für unsere Medienlandschaft: Dass Sowas als Pressemitteilung und Exklusiv-Meldung hochgejazzt in die Weltgeschichte hinausgetrötet wird, oder dass andere die Lispel-Arie auch noch eifrig abdrucken.

Gehaltvoller war da schon die Meldung, dass Peter Lustig kurz vor der Pleite steht. Peter Lustig, der schnauzbärtige Latzhosenträger mit zusammengekniffenen Äuglein, der in der Kinderserie „Löwenzahn“ im Bauwagen wohnte und am Schluss immer zum Abschalten aufgefordert hat. Der „Bild“ verriet er, dass er sich sein Haus aus Husum bald nicht mehr leisten kann, denn: „Ich habe immer mit vollen Händen ausgegeben, für teure Reisen und Motorräder.“ Von den vielen „Löwenzahn“-Büchern, Hörspielen und DVD sieht er praktisch keinen Cent. „Viele Verträge, die ich unterschrieb, kannte ich noch nicht einmal. Ich habe mich blind auf meine Berater und Geschäftspartner verlassen. Deshalb gehe ich heute leer aus.“ Jetzt will er seine Hütte auf Husum für 800.000 Euro losschlagen und nach Berlin ziehen. Er freut sich drauf. So kennen wir unseren Peter Lustig noch aus Kindertagen: Leicht vertrottelt aber nett und gut gelaunt.

Dicke Luft in dieser Woche beim Spiegel-Verlag. Ausgerechnet bei der Verlagstochter Quality Service, ein, huch!, Callcenter soll es einen Datenskandal gegeben haben. Auf einer Festplatte seien Arbeitszeugnisse, sensible Provisionsdaten und krankenbedingte Fehltage für alle sichtbar gewesen. Sicherlich keine Absicht, sondern ein peinlicher Fehler. Seltsam aber, dass der Betriebsrat von einer Top 15 der Mitarbeiter mit den meisten Fehltagen gesprochen hat. Einige der Namen seien farblich oder fett markiert gewesen. Der Verdacht: Bei einem Spiegel-Tochterunternehmen werden Mitarbeiter, die zu oft krank sind besonders ins Visier genommen. Das wäre natürlich ein superdicker Hund in dem Haus, dem das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ immer wieder Datenschutzmissstände in Unternehmen aufdeckt und anprangert. Vom „Spiegel“-Verlag kam dann eine Stellungnahme, in der kundgetan wurde, dass keineswegs illegal Krankendaten über Mitarbeiter gesammelt würden. „Die Erfassung von Arbeitsunfähigkeitstagen und weiteren Abwesenheitstagen erfolgt im Rahmen der üblichen und betrieblich notwendigen Maßnahmen“. Was bitte soll das heißen? „Im Rahmen der üblichen und betrieblich notwendigen Maßnahmen“. Man erkennt jedoch eine gewisse Problematik, wenn Medienunternehmen sich nebenher auch in medienfremden Geschäftfeldern tummeln. Dass Deutschlands führendes Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ nebenher auch noch Callcenter betreibt, dürfte dem einen oder anderen auch nicht so Recht bewusst gewesen sein.

Beim „Focus“ kämpft der 72-jährige Helmut Markwort um sein Lebenswerk. Er will offenbar beweisen, dass er es schafft, den von ihm gegründeten und zum Erfolg geführten „Focus“ mit neuer Strahlkraft aufzuladen. Denn der Glanz ist in den vergangenen Jahren doch etwas blasser geworden, die Auflage deutlich gesunken. Jetzt soll also eina Art „best of“ der Ideen von drei Arbeitsgruppen dem „Focus“ neues Leben einhauchen. Im September sollen die Ideen bei Burda präsentiert werden, ab 2010 könnten sie sich dann im Blatt wiederfinden. Und Ende 2010 läuft dann Markworts Vertrag aus. Einem potenziellen Nachfolger wird der Start nicht gerade erleichtert, wenn kurz vor dem Abtritt der Chefredakteurs-Legende Markwort nochmal schnell das ganze Blatt umgekrempelt wird. So oder so: dem „Focus“ stehen unruhige Zeiten bevor.

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