Die neue Strategie der Samwers

Paradigmen-Wechsel bei den wichtigsten deutschen Netz-Investoren: Anstatt werbefinanzierte Communitys oder Web 2.0-Portale wie StudiVZ oder MyVideo aufzubauen und an Deutschlands Medienhäuser (Holtzbrinck, ProSiebenSat.1) zu verkaufen, stecken Marc, Oliver und Alexander Samwer ihr Geld jetzt in E-Commerce-Angebote. Der Vorteil: Die Web-Shops erzielen vom ersten Tag an Transaktionserlöse. Darüber hinaus lassen sich die Netz-Läden bald auch an die Handelshäuser verkaufen, die das Web bislang verschliefen.

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Paradigmen-Wechsel bei den wichtigsten deutschen Netz-Investoren: Anstatt werbefinanzierte Communitys oder Web 2.0-Portale wie StudiVZ oder MyVideo aufzubauen und an Deutschlands Medienhäuser (Holtzbrinck, ProSiebenSat.1) zu verkaufen, stecken Marc, Oliver und Alexander Samwer ihr Geld jetzt in E-Commerce-Angebote. Der Vorteil: Die Web-Shops erzielen vom ersten Tag an Transaktionserlöse. Darüber hinaus lassen sich die Netz-Läden bald auch an die Handelshäuser verkaufen, die das Web bislang verschliefen.

Die aktuelle Neugründung der drei Brüder ist das Designer Outlet MyBrands. Die weiteren Samwer-Investments hören auf die Namen 7trends.de (Mode), Beautydeal.de (Kosmetik), Enamora.de (Wäsche), Netzoptiker.de, Zalando.de (Schuhe) sowie den Shop-Generalisten Ladenzeile.de. Dieses Online-Kaufhaus bündelt das Sortiment von über 70 Shops und kommt so auf ein Gesamt-Angebot von über 100.000 Produkten.
Die neuen Web-Kaufhäuser laufen nicht über den European Funders Fund, sondern über eine zweite Beteiligungsgesellschaft der Samwers, die Rocket Internet. Das Berliner Unternehmen sieht sich – laut Selbstbeschreibung – als Inkubator, der in „neue, innovative Projekte aus den Bereichen Internet und Mobile“ investiert.

Bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen: Keine der E-Commerce-Neugründungen ist eine Innovation. Es handelt sich bei ihnen um Kopien bekannter internationaler Vorbilder. Zalando.de ist beispielsweise ein Klon des US-Spezial-Versenders Zappos. Amazon schluckte den Schulladen gerade für 928 Millionen Dollar.

Somit passen die neuen E-Commerce-Investments exakt in das Beuteschema der drei Brüder. Ob Alando (Ebay), MyVideo (ProSiebenSat1) oder StudiVZ (Holtzbrinck): Die Samwers haben schon immer erfolgreiche US-Konzepte dreist kopiert und dann mit viel Gewinn weiterverkauft.

Darüber hinaus ist der Strategie-Wechsel der drei Brüder ein Indiz dafür, dass sie glauben, dass man in absehbarer Zeit mit werbefinanzierten Web-Angeboten kaum noch Geld verdienen kann. In Krisenzeiten erscheint es ihnen sinnvoller auf Shopping-Portale zu setzen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Web-Läden erzielen vom ersten Tag an – wenn auch nur geringe – Einnahmen.

Der E-Commerce-Experte Jochen Krisch glaubt an einen Erfolg der neuen Samwer-Taktik: „Zwar bezweifeln Skeptiker die Handelskompetenz der einzelnen Teams, aber diese wird wohl im Zweifel weniger den Ausschlag geben als die geballte Online-Kompetenz des Inkubators.“

Krisch glaubt, dass die Samwers mit ihren Web-Shops ähnliche Ziele verfolgen, wie bereits mit ihren Web 2.0-Start-ups. StudiVZ & Co. haben die Investoren an deutsche Medienunternehmen verkauft. Die Online-Handlungen werden sie dann wohl an die einheimischen Handelshäuser veräußern, die den Trend hin zum E-Commerce noch immer verschlafen. „Wir sind gespannt, ob die Rechnung aufgeht“, bloggt Krisch. Das trifft wohl auf die gesamte Web-Branche zu.
>> Gründerszene.de

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