Anzeige

Datenaffäre: Spiegel sucht den Drahtzieher

Eine delikate Sache sorgt beim Spiegel für Unruhe. Offenbar waren sensible und sogar illegale Daten von Mitarbeitern der Verlagstochter Quality Service für alle Kollegen einsehbar auf einem Teamserver gespeichert worden: Dabei geht es um Arbeitszeugnisse, Provisionsabrechnungen, vor allem aber um Kranken-"Hitlisten", quasi ein Ranking der Mitarbeiter mit den meisten Fehltagen. Die Führungsetage scheint überrascht: Die Personalabteilung habe damit nichts zu tun – es sei unklar, wer dafür verantwortlich ist.

Anzeige

Eine delikate Sache sorgt beim Spiegel für Unruhe. Offenbar waren sensible und sogar illegale Daten von Mitarbeitern der Verlagstochter Quality Service für alle Kollegen einsehbar auf einem Teamserver gespeichert worden: Dabei geht es um Arbeitszeugnisse, Provisionsabrechnungen, vor allem aber um Kranken-„Hitlisten“, quasi ein Ranking der Mitarbeiter mit den meisten Fehltagen. Die Führungsetage scheint überrascht: Die Personalabteilung habe damit nichts zu tun – es sei unklar, wer dafür verantwortlich ist.

Merkwürdig ist es schon: Von dem Vorgang, den das Spiegelblog am Montagabend unter der Überschrift „Sammelt der Spiegel illegal Krankendaten über seine Callcenter-Mitarbeiter“ öffentlich machte, wussten das Management bereits seit zwei Wochen. Am 3. August hatte der Betriebsrat von Quality Service die Angelegenheit in einem Rundschreiben angeprangert.
Wörtlich heißt es: „Auf dem Laufwerk der Festplatte QS sind wir nicht nur auf für alle frei einsehbare (!!!) Arbeitszeugnisse, persönliche Provisionsabrechnungen von KollegInnen (Inbound), sondern auch auf dubiose Krankendateien aus dem Inbound gestoßen, in der nicht nur eine Personen zugeordnete Krankentageliste steht, sondern auch eine Top 15 der MitarbeiterInnen mit mehr als 10 Krankentagen … Namen sind farblich oder fett markiert (Wozu??)“ Insider berichten zudem, dass in der Vergangenheit mit Angestellten, die längere Zeit krank gemeldet waren, sogenannte Rückkehrer-Gespräche geführt worden seien, in denen Vorgesetzte Druck auf die Mitarbeiter ausgeübt hätten. Inzwischen herrsche beim Team von Quality Service  (Eigenwerbung: „Telefonmarketing auf höchstem Niveau“) ein „Klima der Angst vor Repression“.
Nachdem der „Spiegel“ in den vergangenen Monaten wiederholt Datenschutzverstöße bei deutschen Konzernen enthüllt und kritisiert hatte, kommt der Vorfall dem Verlagshaus mehr als ungelegen. Die Mitarbeitervertreter, die nach Prüfung durch einen Ver.di-Juristen von einem unzulässigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und damit einem Rechtsverstoß ausgehen, erklären dazu im Rundschreiben: „Wir setzen nur die Messlatte an, die der ‚Spiegel‘ selber in Berichten über Datenschutzverstöße anderer Unternehmen setzt.“
Interessant erscheint auch, dass bei der erst 2006 gegründeten Callcenter-Tochter mit Thomas Hass ein Vertreter der Mitarbeiter KG als (einer von drei) Geschäftsführern wirkt. Hass sowie seine Kollegin Britta Booms sind derzeit im Urlaub und waren auf Anfrage für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der dritte Geschäftsführer Fried von Bismarck dürfte als GF des Quality Channels mit dem Tagesgeschäft des Callcenters kaum Berührungspunkte haben.
Da Eingeweihte glaubhaft dementieren, dass es „von oben“ eine Anweisung, etwa von der Personalabteilung zum Anlegen der dubiosen schwarzen Listen gegeben habe. So ist die wahrscheinlichste Variante, dass eine oder mehrere Führungspersonen der mittleren Ebene ihre arbeitsrechtlichen Befugnisse im Alleingang etwas sehr eigentümlich definiert haben. Warten wir ab, ob es hier personelle Konsequenzen geben wird.
Peinlich bleibt’s dennoch.
Nachtrag um 15.30: Am Nachmittag hat der Verlag eine gemeinsame Stellungnahme von Spiegel-Geschäftsführung und des Betriebsrat von Quality Service veröffentlicht, die hier im Wortlaut wiedergeben wird:

"Die Spiegel-Tochterfirma Quality Service (QS), zuständig für den Abonnentenservice der Spiegel-Gruppe, sammelt keinesfalls illegal Krankendaten über ihre Mitarbeiter. Die dortige Erfassung von Arbeitsunfähigkeitstagen und weiteren Abwesenheitstagen erfolgt im Rahmen der üblichen und betrieblich notwendigen Maßnahmen. Sie dient ausschließlich der quantitativen Ermittlung von Fehlzeiten, die von Unternehmen erhoben werden müssen. Bedauerlicherweise sind die vertraulichen Daten nicht gesichert gespeichert und in einem für die Mitarbeiter des QS zugänglichen Ordner abgelegt worden. Dieser Fehler wurde vor zwei Wochen festgestellt und umgehend behoben. Die Mitarbeiter des QS wurden anschließend darüber informiert."

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige