Springer im Visier der Staatsanwaltschaft

Die Presse-Affäre um den Präsidenten des Internationalen Automobilverbandes, Max Mosley, zieht weitere Kreise. Laut "SZ" ermittelt die Staatsanwaltschaft mittlerweile gegen über 20 Mitarbeiter der Axel Springer AG. Gleichzeitig hat sich Mosley an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg gewandt. Mosley wehrt sich gegen die Veröffentlichung von Bildern aus einem heimlich gefilmten Sex-Video und gegen nachweislich falsche Nazi-Unterstellungen.

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Mosley will vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschrechte erreichen, dass Journalisten künftig keine privaten Details mehr ohne Vorwarnung veröffentlicht werden dürfen. Im Falle Mosleys war das britische Revolverblatt „News of the World“ vorgeprescht und hat Details aus dem privaten Sexvideos Mosleys veröffentlicht, ohne Mosley vorher Gelegenheit zu geben, Stellung zu nehmen. Das Blatt erfand zudem, dass es sich bei den Praktiken um Nazi-Rollenspiele gehandelt habe. Mosley hat die Nazi-Vorwürfe anschließend vor Gericht entkräftet. Er habe in dem Video lediglich Deutsch gesprochen, weil einige der Prostituierten Deutsche gewesen seien. Mosley bekam vor dem britischen Gericht Recht und 77.000 Euro Schadensersatz zugesprochen. Darüberhinaus müssen ihm Anwaltskosten in Höhe von mehreren hunderttausend Euro erstattet werden.

In Deutschland hatten sich vor allem die Springer-Publikationen „Bild“ und „Bild Online“ an die „News of the World“-Berichterstattung drangehängt. „Bild“ titelte Ende März: „Formel 1-Boss. Wirbel um Nazi-Sex-Party“. Mosley hat deswegen bereits vier Mitglieder des Springer Vorstandes, einschließlich Mathias Döpfner, und „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann verklagt. Und zwar unter anderem wegen Beleidigung, übler Nachrede, Verleumdung, Untreue und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen. Außerdem verlangtMosley von Springer 1,5 Mio. Euro an Schmerzensgeld. Eine Million soll „Bild“ zahlen, 500.000 Euro Bild.de.

Warum Untreue? Mosleys Anwältin Tanja Irion hat im Bildblog erläutert, warum sie den Vorwurf der Untreue für gerechtfertigt hält. Sie gehe davon aus, dass Springer für die veröffentlichen Bilder aus dem Sexvideo über 65.000 Euro bezahlt habe. Solche Summen müssten vom Vorstand genehmigt werden. Da die Veröffentlichung der Bilder klar rechtswidrig gewesen seien, habe der Vorstand rechtswidrig Firmengelder verwendet und somit veruntreut. So die Sichtweise von Max Mosleys Anwältin. Im Gespräch mit MEEDIA wies die Anwältin darauf hin, dass zunächst versucht worden sei, außergerichtlich zu einer Einigung über Korrekturen der Berichterstattung zu erzielen. Die hohe Forderung richte sich nur gegen die deutschen Medien, die sich hartnäckig einer Korrektur verweigert hätten. Bei den Beschuldigten des Springer-Verlages handelt es sich neben den Vorständen um die Chefredakteure Kai Diekmann und Manfred Hart sowie offenbar auch um alle Redakteure, die beanstandete Artikel namentlich gekennzeichnet hatten. Ihnen drohen im Fall einer Verurteilung Geldstrafen. Darüberhinaus fordert Mosley Widerrufe auf der Titel- bzw. Startseite der betroffenen Medien.

Nach Informationen von MEEDIA richtet sich eine Klage von Mosley auch gegen die Deutsche Presse Agentur (dpa). Diese soll wegen falscher Agentur-Texte 350.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Mosleys Chancen in einem deutschen Prozess dürften nicht schlecht stehen. Immerhin hat er bereits in England Recht bekommen und das englische Presserecht gilt als wesentlich liberaler als das deutsche. Allerdings sind Summen in dieser Größenordnung von deutschen Gerichten noch nie zugesprochen worden.

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