„taz“ boykottiert Leichtathletik-WM

Die "tageszeitung" wird nicht über die Leichtathletik-Weltmeisterschaften ab dem 15. August in Berlin berichten: Zwei Sportreporter weigerten sich, eine zur Akkreditierung verlangte Zustimmung zu einem "Personencheck" zu geben. Die Redaktion protestiert zugleich gegen "rechtswidrige Auflagen" und bezeichnet das Vorgehen als "massiven Eingriff in das Gebot der Pressefreiheit". Der bei der Fußball-WM erstmals praktizierte "Check" umfasst Anfragen bei Polizeibehörden, BND und Verfassungsschutz.

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„De facto wurde den Redakteuren ein Beschäftigungsverbot erteilt“, kommentiert die „taz“ die Ablehnung der Akkreditierung durch das „Berlin Organising Committee“ (BOC), nachdem die Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker die verlangte “ Einverständniserklärung zur Durchführung einer Zuverlässigkeitsprüfung“ abgelehnt hatten. BOC-Sprecher Stefan Thies erklärte, insgesamt hätten 3700 Medienvertreter den Überprüfungen zugestimmt. Das Verfahren sei zwischen dem Land Berlin, dem Landeskriminalamt und den Organisatoren so abgesprochen. Mit Ausnahme der „taz“-Reporter hätten alle anderen Journalisten die Kontrollen hingenommen.
Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) unterstützt den Protest. Sprecher Hendrik Zörner sagte der „taz“: „Es geht nicht an, dass Journalisten vom Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst überprüft werden“. Eine Akkreditierung müsse erteilt werden, „wenn der Journalist nachweisen kann, dass er Journalist ist.“ Der DJV habe ohne Erfolg das Gespräch mit der Bundesregierung gesucht.
Auch Datenschützer auf Bund- und Landesebene kritisierten schon das Vorgehen der WM-Veranstalter 2006. Dietmar Müller, Sprecher des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, sagte der „taz“: „Solche Zuverlässigkeitsüberprüfungen greifen in das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung ein.“

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