Schmidt tritt aus Apple-Aufsichtsrat zurück

Es ist keine Überraschung: Nach Monaten der Spekulationen zieht Google-CEO Eric Schmidt die Konsequenzen aus dem schwelenden Interessenkonflikt zwischen dem Tech-Pionier und dem Internet-Giganten – und tritt aus dem Aufsichtsrat von Apple zurück. CEO Steve Jobs würdigte Schmidts Verdienste, erklärte aber gleichzeitig in einer eher lauwarmen Erklärung, man habe "gemeinsam entschieden, dass jetzt die richtige Zeit für Eric ist, um zurückzutreten".

Anzeige

Drei Jahre währte die Allianz – nun ist der Schulterschluss zwischen Apple und Google offiziell beendet. Google-CEO Eric Schmidt wird nicht länger dem Aufsichtsrat des iPhone-Herstellers angehören. Apple-CEO Steve Jobs begründete den Schritt wie folgt:

„Eric has been an excellent Board member for Apple, investing his valuable time, talent, passion and wisdom to help make Apple successful,“ said Steve Jobs, Apple’s CEO. „Unfortunately, as Google enters more of Apple’s core businesses, with Android and now Chrome OS, Eric’s effectiveness as an Apple Board member will be significantly diminished, since he will have to recuse himself from even larger portions of our meetings due to potential conflicts of interest. Therefore, we have mutually decided that now is the right time for Eric to resign his position on Apple’s Board.“

Das Ausscheiden kommt nicht unerwartet. In den vergangenen Monaten waren die Interessenkonflikte immer größer geworden. Zunächst war da Googles überraschender Eintritt in den lukrativen Mobilfunkmarkt. Zwar lässt Google im Gegensatz zu Apple keine eigene Hardware fertigen, doch das „G-Phone“ steht dank des Betriebssystems „Android“ dann doch letztlich in Konkurrenz zum Kassenschlager iPhone.

Dann der noch überraschendere Launch des eigenen Web-Browsers „Chrome“ pünktlich zum zehnjährigen Bestehen der Internetsuchmaschine im letzten Herbst. Und schließlich vor wenigen Wochen die völlig überraschende Veröffentlichung des eigenen Betriebssystems „Google Chrome OS“, das das Technologieportal „TechCrunch“ eine „Nuklearbombe für Microsoft“ nannte.

Vielleicht aber bekommt eben auch Apple etwas von der Sprengkraft zu spüren, schließlich ist das Kult-Unternehmen aus Cupertino eben nicht nur eine Hardware-Schmiede, sondern einer der letzten All-in-One-Anbieter im Silicon Valley: Auf allen Macs läuft bekanntlich das Betriebssystem „Mac OS“, das im September in der Version 10.6 runderneuert wird.

Entsprechend könnte das Signal verstanden werden, das Apple an Google zur Ablehung der Applikation Google Voice für das iPhone sandte, die jetzt von der US-Telekom-Aufsichtsbehörde untersucht wird. Das höchst bewertete Internet-Unternehmen der Welt ließ daraufhin letzte Woche gegenüber „TechCrunch“ leicht säuerlich verlauten: „We work hard to bring Google applications to a number of mobile platforms, including the iPhone. Apple did not approve the Google Voice application we submitted six weeks ago to the Apple App Store. We will continue to work to bring our services to iPhone users — for example, by taking advantage of advances in mobile browsers.“

Die Ablehnung dürfte in erster Linie auf Druck des Mobilfunkproviders AT&T erfolgt sein, dem das Geschäftsmodell wegbricht, wenn Gratis- (SMS) oder günstigere (Fernverbindungen) Angebote via einer Applikation ermöglicht werden. Tech Crunch schreibt ironisch: „Natürlich ist nicht schwer zu erraten, wer hinter den Restriktionen steckt: unser alter Freund AT&T“.

Und doch passt die erstmalige Blockade-Haltung zum neuen Umgang zwischen Apple und Google, der zunehmend von Rivalität geprägt ist. Tage zuvor hatte Apple bereits die Google-Anwendung „Latitude“ auf dem iPhone geblockt – diesmal ohne ersichtlichen Grund.

Google-CEO Eric Schmidt hat den aufziehenden Konflikt längst erkannt und offen die Frage gestellt, wie lange er wohl noch dem Aufsichtsrat angehören werde. Die Konsequenzen hat er am heutigen Montag final gezogen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige