Bauer startet Frauen-Portal Wunderweib.de

Es ist eines der größten Web-Projekte des Jahres. Auf einen Schlag bringt der Bauer Verlag 30 Frauen-Titel ins Netz. Die Dachmarkte Wunderweib.de bündelt die Online-Ausgaben von "InTouch", "Adel Exklusiv" oder "Tina". Hinter dem Projekt steht eine kleine und günstige Redaktion, sowie ein ausgeklügeltes Konzept. Funktioniert Wunderweib.de hätten die Hamburger eine Lösung für das Problem entwickelt, wie Verlage überzeugend und kosteneffizient ihre Print-Marken ins Netz bringen können.

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Der Clou an dem neuem Konzept ist, dass die Nutzerinnen sowohl unter Wunderweib.de, sowie über die 30 Marken-Eingänge wie Intouch-Magazin.de oder Tina.de, auf das neue Portal kommen. „Die unterschiedlichen Zielgruppen der Zeitschriften sind unter den Segmenten Service, Unterhaltung, Lifestyle, People, Living und Astro zusammengefasst“, sagt Eva-Maria Bauch, stellvertretende Geschäftsleiterin Bauer Digital KG, Frauen + Food, gegenüber MEEDIA. „Die redaktionellen Inhalte werden jeweils segment- und zielgruppenspezifisch für die Titeleingänge zusammengestellt und ausgesteuert.“

Die Redaktion legt zu jeder Story fest, welche Zielgruppe bestimmte Inhalte sehen kann. So würde eine „InTouch“-Geschichte auch unter Tina.de zu sehen sein. Auf einer Yello-Seite wie Neue-Post.de würde die Story nicht auftauchen, dafür eher der Content von „Adel Exklusiv“. Die Aufgabe der Redaktion liegt weniger im Schreiben von eigenen Artikeln, sondern in der online-gerechten Aufarbeitung der Print-Inhalte der 30 Bauer-Titel. Darüber hinaus wird die richtige Steuerung der Content-Massen viel Zeit in Anspruch nehmen. „Wir machen Lecker.de und Wunderweib.de mit 20 Mitarbeitern. Das erfordert eine höchst straffe Organisation und effiziente Abläufe“, sagt Bauch. „Im Grunde betreiben wir ein redaktionelles Content-Targeting.“

Bauchs 20er Team hat zum Start schon kräftig vorgearbeitet. Wunderweib.de bietet jetzt schon in unzähligen Teaserboxen Storys, Lexika, Bilderstrecken und Service-Stücke. Es gibt ein Archiv mit Promi-Bios, Sex- und Dekorations-Lexika, Astro-Ratgeber, Kochrezepte oder ein Datenbank mit über 1.000 Basteltipps. Dazu sieht das Bauer-Konzept den wohldosierten Einsatz von Weblogs vor. Doch Bauch ist sich sicher: „Frauenseiten brauchen einfach eine Community.“ Deshalb enthält Wunderweib.de noch einen großen Mitgliederbereich. Die Macher hoffen möglichst schnell auf eine lebhafte Community. Doch einen eigenen Community-Manager wollte man sich erst einmal nicht gönnen.

„Wunderweib ist ein Meilenstein unserer Digital-Aktivitäten“, sagt Andreas Schoo, Geschäftsführer der Bauer Media Group. „Das Portal hat Zugriff auf im deutschen Werbemarkt einmalige Content-Ressourcen, da sämtliche Inhalte der Printprodukte der Bauer Media Group genutzt werden können.“ Die Zielgruppe scheint tatsächlich riesig: „Wir hoffen möglichst viele unserer 12,28 Millionen Print-Leser auch für Wunderweib begeistern zu können. Davon sind bereits heute schon 5,24 Millionen im Internet aktiv“, sagt Bauch.

Mit dem ernsthaften Einstieg in das Internet, hat sich Bauer sehr lange Zeit gelassen. Ob der Markt nicht längst unter Marken wie Brigitte.de, Aufeminin oder Glam.de aufgeteilt ist, lässt sich schwer abschätzen, da es Bauer möglicherweise gelingen könnte eine etwas andere Zielgruppe anzusprechen und im Netz zu binden.

Mit dem konzeptionell Überzeugenden Frauenportal könnte dem Hamburger Verlag tatsächlich ein kleines Web-Weiber-Wunder gelingen. Kein anderer Verlag bündelt bislang so kosteneffizient – ohne sichtbare inhaltliche Einschränkungen – seine Titel. Ein großer Stolperstein droht allerdings: Durch das weitestgehende Fehlen von aktuellen Nachrichten wirkt die Seite statisch und fast schon zu clean. Es fehlt die besondere Emotion, die vor allem aktuelle Nachrichten liefern können. Da wird auch kein noch so gutes „redaktionelles Content-Targeting“ helfen.

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