Peinliche Preis-Panne bei Otto.de

Online-Ärger für den Versandhändler Otto. In seinem Online-Shop unter Otto.de bot der Händler am Dienstag das edle, superflache MacBook Air von Apple zum Super-Schnäppchenpreis von 49,95 Euro an. Das war natürlich ein Versehen. Trotzdem bestellten viele Kunden das superbillige Edel-Laptop. Einige Kunden berichten sogar, dass Otto ihnen eine Auftragsbestätigung zu dem Preis geschickt hat. Aber: Otto wird die 1.700 Euro teuren MacBooks wohl nicht zum Dumping-Preis rausrücken müssen.

Anzeige

Mittlerweile ist die Preis-Panne im Online-Shop von Otto beseitigt und die MacBook Airs kosten wieder regulär 1.699 Euro, beziehungsweise 1.399 Euro für das kleinere Modell. Wie einem Kommentar des Law Blogs zu entnehmen ist, hat Otto mittlerweile die Bestellungen der 49,95-Euro-MacBooks einfach zu Bestellungen von Laptop-Taschen umdeklariert.

Zitat aus den Law-Blog-Kommentaren: „Problematisch ist jetzt allerdings, dass Otto nicht etwa die Kaufverträge als ’nicht zustandegekommen‘ behandelt, sondern nachträglich den Kaufgegenstand anpasst (konkret in ein Notebook-Taschenset ändert: http://tinyurl.com/n8ussx ) und diese umgewandelten Kaufverträge als zustandegekommen erachtet. Die Anfechtung dieser ’neuen‘ Kaufverträge wiederum obliegt nun den Kunden. Damit hat sich Otto die Einrede der Nichtigkeit nach 119 BGB verunmöglicht und den Kunden die Möglichkeit an die Hand gegeben, wegen arglistiger Täuschung zu klagen.“

Offenbar ist die Rechtslage hier nicht eindeutig. Laut Law-Blog-Autor Udo Vetter kommt es auf den genauen Wortlaut der Angebote und der verschickten Bestellbestätigungen an.

Die Links auf die vermeintlich ultrabilligen MacBooks verbreiteten sich rasend schnell via Twitter. Der Blogger Scherzinfarkt frohlockt: „Ich habe drei Bestellbestätigungen von Otto bekommen: Zweimal ein MacBook Air und ein MacBook Pro, jeweils für 49,95 Euro. Die Bestätigungen habe ich sowohl auf Papier im Schreibtisch als auch virtuell im E-Mail-Postfach liegen. Eine Woche soll die Zusendung der Macbooks dauern. Ich bin schon voller Vorfreude und werde euch auf dem Laufenden halten!“

Am Tag nach der Bestellung erhielt der Blogger einen Anruf von Otto. Den Dialog gibt er folgendermaßen wieder:

„Sie haben da nochmal ein Taschenset bestellt…“ (Pause)
„Ähhh…. und weiter?“
„Naja, Sie haben da ein Taschenset bestellt….“ (wieder Pause)
„Sie machen immer eine Pause, Sie wissen doch, was jetzt kommt, oder?!“
„Ähhh, ja, Herr Meyer, Sie haben bestimmt auch das falsche Angebot aus dem Internet bestellt, oder?“
„Nein, ich habe drei MacBooks bestellt“
„Sie haben Taschensets bestellt. Das war ein Fehler, der inzwischen behoben ist“
„Nein, ich habe ein MacBook bestellt. Und das ist jetzt wieder teurer“
„Das wird aber nicht ausgeliefert werden. Sie bekommen dann Taschensets. Wollen Sie die Bestellung stornieren?“

Der Blogger wollte dann erstmal Rücksprache mit seinem Anwalt halten. Wie der Fall ausgeht, ist unklar. Im Falle eines Falles könnte es auch sein, dass ein Gericht entscheidet, die Kunden hätten aufgrund der offensichtlichen Diskrepanz zwischen Preis und Warenwert davon ausgehen müssen, dass es sich um ein Versehen handelt. Denn selbst für eine PR-Aktion wäre das Otto-Angebot ein bisschen zu billig gewesen.

Update: Mittlerweile hat Express.de einen Otto-Sprecher befragt. Der sagte, dass Otto das Versehen mit dem falschen Preis bedauert und den hoffnungsfrohen Bestellern in den kommenden Tagen einen Entschuldigungs-Brief schickt. „Da es sich bei der Preisauszeichnung um ein technisches Versehen handelt, können wir den Kunden die Notebooks selbstverständlich nur zum regulären Preis ausliefern“, so der Sprecher. Die Verbraucherzentrale in NRW teilte mit, dass ein Kaufvertrag erst zustande kommt, wenn die Ware oder eine Rechnung beim Kunden angekommen ist. Eine Bestellbestätigung reiche nicht aus. Pech für die Laptop-Jäger.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige