Kurzarbeit bei meisten Verlagen „kein Thema“

Die Liste der Verlage, die sich mit Kurzarbeit befassen, wird länger. Bei Springer und dem Jalag ist Kurzarbeit in Teilen schon eingeführt, bzw. konkret geplant. Mittlerweile sprechen auch Betriebsrat und Unternehmensführung bei G+J darüber. Bei der Verlagsgruppe Handelsblatt soll Kurzarbeit nach ersten Vorschlägen von Seiten des Betriebsrates mittlerweile wieder von der Agenda verschwunden sein. MEEDIA hat sich bei Verlagen umgehört, ob Kurzarbeit zur Debatte steht.

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Gegenüber MEEDIA sagte VHB-Betriebsrätin Walli Wittfeld am Mittwoch noch: „Wir sind in Gesprächen mit der Geschäftsleitung. Deren Ergebnis ist jedoch noch völlig unklar.“ Einen Tag später, nach Veröffentlichung dieses Artikels, wurde sie von wuv.de anders zitiert, nämlich so: „Wir haben mal das Thema Kurzarbeit der Geschäftsführung vorgeschlagen. Für die Geschäftsführung ist dies aber kein Thema.“ Gleich darauf wird aber wieder eingeschränkt, der Betriebsrat könne nicht ausschließen, dass er in Zukunft über Kurzarbeit nachdenke. Die Sensibilitäten bei dem Thema sind in der derzeit angespannten Lage in vielen Verlagshäusern offenbar gewaltig.

Dabei sinkt die Hemmschwelle für Verlage, das Instrument Kurzarbeit einzusetzen, da renommierte Häuser wie Springer und der Jalag das Instrument bereits nutzen, bzw. es einsetzen wollen. Beim Jahreszeiten-Verlag ist lediglich noch unklar, wie die Kostenreduzierung vonstatten gehen soll und wann die Mitarbeiter weniger Arbeiten sollen. „Die Gespräche zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat über eine ‚Betriebsvereinbarung Kurzarbeit‘ laufen intensiv und konstruktiv“, sagt Verlagssprecherin Mona Burmester gegenüber MEEDIA. „Es sind allerdings noch einige Detailfragen zu klären. Dennoch gehen wir derzeit davon aus, dass wir kurzfristig eine gemeinsame Vereinbarung abschließen können.“

Bei der Hannoverschen Verlagsgruppe Madsack (u.a. „Hannoversche Neue Presse“) steht eine Reduzierung der Arbeitszeit nicht zur Debatte. Laut Betriebsrat ist ein solcher Schritt auch nur schwer vorstellbar. Schließlich müsse jeden Tag eine Zeitung gemacht werden. Das gilt auch für die Deutsche Presse Agentur. DPA-Sprecher Julius Demmer gegenüber MEEDIA: „Kurzarbeit ist bei uns kein Thema.“

„Kurzarbeit? Kein Thema“, so lautet die Standard-Antwort bei den meisten Verlagshäusern. So auch bei DuMont in Köln oder bei der WAZ-Gruppe in Essen. Beides Medienhäuser, die freilich drastische Sparmaßnahmen umsetzen. Die WAZ-Gruppe baut in den Redaktionen ihrer NRW-Zeitungen 300 Stellen ab. DuMont-Geschäftsführer Konstantin Neven DuMont hat jüngst in einem Interview angekündigt, Alles im Verlag auf den Prüfstand stellen zu wollen. Dabei würden wahrscheinlich auch Arbeitsplätze in den Redaktionen wegfallen. Bei DuMont werden derzeit die Zukäufe „Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“ und „Hamburger Morgenpost“ in den Verlag integriert.

Bei Axel Springer sind seit April die Finanztitel in München („Euro“, „Euro am Sonntag“, „Fonds & Co“) von Kurzarbeit betroffen. Springer-Sprecher Christian Garrels: „Aus unserer Sicht ist eine auf begrenzte Zeit angelegte Kurzarbeit eine sanfte und angemessenere Methode, auf eine zurückgehende Auftragslage zu reagieren als Entlassungen von Mitarbeitern und/oder Titeleinstellungen. Innerhalb der vereinbarten Laufzeit wird geprüft, ob und wie lange die Kurzarbeit verlängert werden muss. Andere Unternehmen der Axel Springer AG sind von Kurzarbeit nicht betroffen.“

Beim Münchener Zeitungsverlag der Ippen-Gruppe herrscht derzeit kein Bedarf an Kurzarbeit. Dies bestätigte Alfred Becks, Geschäftsführer Münchener Zeitungsverlag. Ebenso äußerte sich Berit Sbirinda, stellvertretende Unternehmenssprecherin der Bauer Media Group. Kersten Artus, Konzernbetriebsratsvorsitzende Bauer Media Group, erklärte ergänzend: „Bei Bauer wurde für die Kölner Druckerei über Kurzarbeit nachgedacht, jedoch nicht realisiert. Dass für Redaktionen, Anzeigen, Vertrieb oder Buchhaltung Kurzarbeit angedacht wird, ist uns nicht bekannt und auch schwer vorstellbar.“

Bei den meisten Druck-Sparten anderer Medienhäuser gibt es aber Kurzarbeit in der einen oder anderen Form. Besonders betroffen sind die Großen der Branche. So hat der Druck-Riese Prinovis, ein Joint Venture von Axel Springer, Bertelsmann und Gruner + Jahr Kurzarbeit für 1.300 Beschäftigte eingeführt. Bei Burda Druck in Offenburg wurden sieben Mitarbeiter der Repro-Abteilung in Kurzarbeit geschickt. Burda-Sprecher Nico von der Decken: „Zur Zeit gibt es bei der Drucksparte von Burda in Offenburg Kurzarbeit in geringem Umfang. Im Verlagsbereich ist nichts geplant.“

Beim Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (s:hz) ist Kurzarbeit nicht auf der Tagesordnung. Holger Ohlsen, Mitglied des Gesamtbetriebsrats, hierzu: „Bislang haben sich Prognosen der Geschäftsführung vom vergangenen Winter bestätigt, dass der Verlag gut vorbereitet auf die Krise getroffen ist. Der sh:z hat sich in den vergangenen Jahren schneller als viele andere Verlage sehr schlank aufgestellt. Was damals aus Arbeitnehmersicht sehr schmerzlich war, scheint sich jetzt auszuzahlen. Wir hoffen, ohne Blessuren durchs Tal zu kommen. Aber das ist natürlich in diesen Zeiten immer nur eine Momentaufnahme.“

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