Yahoo öffnet sich für Netzwerke

Am Mittwoch relauncht Yahoo seine Webseite erstmals seit 2006. Die Homepage erscheint jetzt aufgeräumter, schöner und bietet zeitgemäßere Funktionen. So findet der Besucher schon beim Einstieg Verknüpfungen mit Facebook und MySpace vor. Die neue Yahoo-Seite wird zunächst in den USA, Frankreich, Indien und Großbritannien eingeführt. In Deutschland müssen die Nutzer noch auf die aktualisierte Version warten. Unterdessen führt das kriselnde Internetunternehmen wieder Verhandlungen mit Microsoft.

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Laut einer Unternehmenssprecherin folgt die deutsche Version „im Laufe dieses Jahres“. Auf den ersten Blick wirkt die Homepage nicht mehr überladen wie zuvor. Wichtiger aber ist die neue Funktionsleiste, die deutlich im Stil der Apple-Apps gestaltet ist. Erstmals haben die Nutzer auch direkten Zugriff auf Soziale Netzwerke. Und sie können ihre Startseite mit zwei Klicks um weitere Verknüpfungen mit externen Web2.0-Diensten erweitern und besser personalisieren. Die Yahoo-eigenen Services Flickr und Del.icio.us sind bemerkenswerterweise nicht vorinstalliert.

Bei Yahoo spricht man von der „vielleicht fundamentalsten Überarbeitung“ seit Bestehen. Der für Consumer Experience zuständige Tapan Bhat erklärte zum Relaunch: „Yahoo ist ein Ort, den Millionen von Menschen besuchen und wir wollen dafür sorgen, dass er zu ihrem Online-Lebensmittelpunkt wird.“

Sowohl optisch als auch funktional ist die Seite ein Fortschritt. Doch es bleiben Bedenken: Auch wenn sich die Website externen Angeboten weiter öffnet, steht Yahoo nach wie vor für ein überkommenes Konzept, an dem beispielsweise AOL schon vor langem scheiterte: Nämlich die Nutzer auf ein zentrales Portal im Internet zu ziehen, wo sie all ihren Internet-Aktivitäten nachgehen können.

Branchenbeobachter fragen sich deshalb, ob das betagte Yahoo angesichts des allgemein veränderten Online-Verhaltens mit einem Relaunch alleine überhaupt imstande ist, den Gewinneinrückgang aufzuhalten. Das Tech-Blog Mashable schreibt, dass es dem ehemaligen Internet-Giganten nicht gelingen wird, je die einstige Vorrangstellung wiederzuerlangen: „Trotz des neuen Erscheinungsbilds, handelt es sich immer noch um Yahoo und wird die gleichen schwierigen Probleme wie zuvor haben.“

Im vergangenen Jahr zeichnete sich noch eine andere Perspektive für Yahoo ab. In monatelangen Verhandlungen hatte der Software-Konzern Microsoft bis zu 47,5 Milliarden für das Internet-Unternehmen angeboten und nach undurchsichtigem Lavieren des damaligen Yahoo-Chefs Jerry Yang schließlich den Deal platzen lassen. Großinvestor Carl Icahn, der rund fünf Prozent der Yahoo-Aktien hält, hatte damals aus seinem Zorn kein Hehl gemacht. So hätten „Yang und die Mehrheit des Vorstands keine Anstrengung gescheut, das Microsoft-Gebot zu sabotieren.“

Nun hat Microsoft offenbar wieder Interesse an Yahoo. Diesmal geht es allein um eine Kooperation beim Suchmaschinengeschäft. Nach Informationen von AllThingsDigital könnte das Redmonter Software-Unternehmen das Suchmaschinen-Geschäft des Konkurrenten für „mehrere Milliarden Dollar“ übernehmen. Laut internetworld.de ist von mehr als drei Milliarden US-Dollar „sowie 110 Prozent des in den ersten beiden Jahren nach Übernahme erwirtschafteten Umsatzes von Yahoo Search“ die Rede. Vor dem Hintergrund neuerlicher Verhandlungen erklärte Carl Icahn gegenüber Reuters: „Ich bin ein großer Befürworter eines Suchmaschinen-Abkommens zwischen Yahoo und Microsoft.“ Den Stand der neuerlichen Verhandlungen der beiden Unternehmen wollte der Investor nicht kommentieren.

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