Thomas Koch tritt Piraten-Partei bei

Kaum wurde die Piraten-Partei zur Bundestagswahl im Herbst zugelassen, kann sie auch ein neues, prominentes Parteimitglied begrüßen. Der bekannte Mediaplaner Thomas Koch, Mitglied der Geschäftsleitung der Mediaagentur Crossmedia, ist in die Piraten-Partei eingetreten. Die Partei tritt für ein liberalisiertes Urheberrecht und freie Meinungsäußerung ein. Für Furore sorgten die Partei-Piraten, als sie bei der Europawahl in Schweden mit 7,1 Prozent der Stimmen einen Sitz im Europa-Parlament erhielten.

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Warum sind sie in die Piratenpartei eingetreten?

Es ist wieder Zeit, die Politik in Deutschland aufzumischen. Wie lange ist es schon her, dass die Grünen das erfolgreich bewerkstelligt haben? Ich selbst fühle mich als 68er und wurde immer wieder als Enfant Terrible und Revoluzzer der Mediabranche tituliert. Deshalb fühle ich mich den Piraten verbunden. Aufmerksam wurde ich auf sie während der unsäglichen Zensursula-Debatte, in der die gewählten Parteien bewiesen haben, dass sie vom Internet-Zeitalter nicht die geringste Ahnung haben und nach dem schwedischen Erfolg der Piraten bei der Europawahl. Da war mir klar, für diese Sorte Piraten ist politisch mehr drin.

Wie lief die Kontaktaufnahme?

Ich bin online beigetreten, wie sich das gehört.

Die Piraten-Partei setzt sich für freie Inhalte im Internet ein. Halten Sie das Urheberrecht für überholt?

Es ist überholt und muss sich der Zeit anpassen, in der wir leben. Heute stellt jeder seinen Content zusammen wie er will. Die Lösung ist nicht, jeden Bürger zum Kriminellen abzustempeln. Im übrigen geht es den Piraten nicht darum, das Urheberrecht vollständig abzuschaffen, sondern eine konstruktive Diskussion zu führen. Es ist genauso wie damals mit den Grünen…

Gab es schon Reaktion auf ihren Partei-Beitritt?

Ja, durchweg positive. Über Twitter gab es sofort einige Reaktionen. Einige bekundeten auch, nun ebenfalls eintreten zu wollen.

Fürchten Sie keine Feindschafts-Bekundungen von Verlegern?

Ich denke, die Verleger müssen sich in den nächsten Jahren noch auf einige Veränderungen einstellen. Ihre Krise ist zudem eine Strukturkrise. Wer den Wert seiner Printprodukte nicht mehr auf die Straße bringt und mit dem Internet kein Geld verdient, hat ein Problem, das sich via Urheberrecht wohl kaum lösen lassen wird. Ich bin im übrigen ein Printfreund, das wissen die Verleger. Wer mich wegen dieses Parteibeitritts als Feind sieht, hat wahrscheinlich gerade nichts Besseres zu tun.

Was wollen Sie in der Piraten-Partei bewirken?

Ich kann auf meine Weise Öffentlichkeit für die Piraten und ihre Ideen herstellen. Während es für Millionen Wähler immer undenkbarer wird, eine der beiden so genannten Volksparteien zu wählen, ist ein Engagement für die Piraten eine bessere Alternative, als sich der allgemeinen Politikverdrossenheit hinzugeben.

Werden Sie ein Amt übernehmen?

Nein, ein Amt strebe ich derzeit nicht an, kann mir das aber später durchaus vorstellen. Das im Augenblick wirksamste Engagement erkenne ich via Twitter. Sie sehen ja, mein Tweet, dass ich den Piraten beigetreten bin, hat immerhin dieses Interview ausgelöst.

Können Sie sich mit allen Zielen der Partei-Piraten identifizieren?

Es gibt wohl keine Partei, deren Ziele man komplett für sich übernehmen kann. Aber auch die Standpunkte der Piraten zum Thema Transparenz: Prinzip der Öffentlichkeit – und Bildung: freier Zugang zu Information und Bildung – kann ich voll unterschreiben.

Ihre Prognose: Wie schneidet die Piraten-Partei in der kommenden Bundestagswahl ab?

1,0 Prozent sind machbar, wären die Sensation, die Deutschland wachrüttelt und zugleich die Voraussetzung für ein noch besseres Ergebnis in vier Jahren.

PS: Thomas Koch ist bei Twitter als @ufomedia unterwegs.

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