DuMont plant Konzernumbau

Umstrukturierung bei M. DuMont Schauberg (MDS). Verleger Konstantin Neven DuMont hat in einem Interview mit der "Financial Times" einen tief greifenden Umbau der Gruppe angekündigt. Er bestätigte Pläne, die Zeitungen des Hauses ("Berliner Zeitung", "Kölner Stadt-Anzeiger", "FR", "Express", "Hamburger Morgenpost") enger zu verknüpfen und dabei Stellen zu streichen. Ein Modell wie es die Essener WAZ-Gruppe umsetzt mit titelübergreifender Mantelredaktion käme für den Kölner Verlag nicht in Frage.

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„Es kommt alles auf den Prüfstand“, sagte Konstantin Neven DuMont, der mit seinem Cousin Christian DuMont Schütte und zwei familienfremden Vorständen die Verlagsgruppe führt. Die Verzahnung der hauseigenen Blätter solle nicht sofort erfolgen, nach dem Zukauf der „Berliner Zeitung“, der „Hamburger Morgenpost“ und des „Berliner Kurier“, habe man dem Verlag Ruhe verordnet. „Es ist uns wichtig, Vertrauen aufzubauen“, sagte Neven DuMont.
Klar ist aber, dass Einschnitte erfolgen werden. Über sogenannte Syndication-Pools könnten die Titel untereinander Texte austauschen. „Wir vereinheitlichen derzeit das Korrespondentennetz und planen, einen Reporterpool einzurichten“, sagte Neven DuMont. Auch in punkto Vermarktung war in letzter Zeit viel über eine mögliche Bündelung berichtet worden. Dazu Neven DuMont gegenüber der „FTD“: „Sollte sich eine stärkere Zentralisierung einzelner Bereiche abzeichnen, würde sich der Standort durchsetzen, der das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.“
Die Kölner wollen mit den Zukäufen aus der Mecom-Gruppe perspektivisch das erreichen, was David Montgomery nichtgelungen war. Man wolle an verschiedenen Standorten tätig sein, ohne dabei die Zeitungen mit drastischen Einschnitten so auf Rendite zu trimmen, wie Montgomery. „So kann man einen Zeitungsverlag nicht führen“, sagt Neven DuMont
Langfristig will der 39 Jahre alte Strategie-Vorstand im Online-Sektor Geld verdienen. Zwar sei man von den geplanten 25 Prozent bis 2013 derzeit noch weit entfernt. „Wir sind heute bei etwa zehn Prozent“, so Neven DuMont. Doch über die Beteiligungsgesellschaft DuMont Venture häuft der Verlag kleinere Web-Angebote an, von denen er hofft, „dass irgendwann eines dieser Unternehmen durch die Decke schießt“, so Neven DuMont im „FTD“-Interview. Kerngeschäft blieben aber die journalistischen Angebote im Netz wie KSTA.de oder FR-Online.
Neven DuMont rechnet auf längere Sicht mit einer Erholung der Anzeigeneinnahmen, aber nicht auf dem alten Niveau. „Die Branche wird sich daran gewöhnen müssen, mit kleineren Margen zufrieden zu sein. Aber was ist denn so schlimm daran?“, sagte der Verleger der „FTD“. „Wir waren in der Vergangenheit so verwöhnt, dass man jetzt schon aufschreit, wenn die Renditen nur einstellig sind.“
Zunächst seien keine weiteren Zukäufe geplant. Trotz Rezession erwarte Neven DuMont im Gesamtverlag schwarze Zahlen für 2009. 2007 hatte MDS 626 Millionen Euro Umsatz und ein Ebit von 23,4 Millionen Euro erwirtschaftet. Die Geschäftszahlen für das vergangene Jahr werden im September veröffentlicht.

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