Schreiben ist kein Geschäftsmodell mehr

Bislang galt auch im Journalismus meist: Qualität setzt sich durch. War ein freier Schreiber gut und lieferte er anständige Arbeit ab, fand er immer genügend Auftrageber und ein ordentliches Auskommen. Doch diese Zeiten scheinen in der Online-Welt vorbei. Bei den Tarifen, die viele Web-Portale zahlen, können viele einfache Redakteure ein bürgerliches Leben kaum noch finanzieren. Im Netz könnte die Wahrheit schon bald heiße: Schreiben ist kein Geschäftsmodell mehr. Oder sehen Sie das anders?

Anzeige

Bislang galt auch im Journalismus meist: Qualität setzt sich durch. War ein freier Schreiber gut und lieferte er anständige Arbeit ab, fand er immer genügend Auftrageber und ein ordentliches Auskommen. Doch diese Zeiten scheinen in der Online-Welt vorbei. Bei den Tarifen, die viele Web-Portale zahlen, können viele einfache Redakteure ein bürgerliches Leben kaum noch finanzieren. Im Netz könnte die Wahrheit schon bald heiße: Schreiben ist kein Geschäftsmodell mehr. Oder sehen Sie das anders?

Seit mehreren Jahren entsteht in der deutschen Presselandschaft eine unübersehbare Schere zwischen Print und Online. Die meisten Papier-Redakteure beziehen noch immer ein ordentliches, von Journalistenverbänden ausgehandeltes Tarifgehalt. So gut wie jeder von ihnen ist auch davon überzeugt, dass er nicht nur ein angemessenes Gehalt bekommt, sondern es sogar verdient. Auch die Print-Chefredakteure sind meistens noch der Ansicht, dass die gezahlten Gehälter für ihre Redakteure angemessen seine. Stellvertretend hierzu sagte gerade „Handelsblatt“-Chef Bernd Ziesemer in einem Interview mit dem „Medium Magazin“:

„Wenn Medien nicht mehr so bezahlen können, dass die Redakteure mit ihrem Gehalt ein bürgerliches Leben führen können, dann sollten diese Medien lieber untergehen. Qualitätsredaktionen brauchen Journalisten mit einem gewissen Selbstbewusstsein, dazu müssen sie ihnen eine gewisse ökonomische Sicherheit bieten. Wie bitte soll mein Finanzredakteur ein kritisches Interview mit Josef Ackermann führen, wenn er nicht weiß, wie er am Monatsanfang seine Miete bezahlen soll?“

Im Internet sieht die Welt jedoch anders aus – auch und vor allem bei vielen Qualitätsmedien. Hierzu zwei Beispiele aus zwei Online-Redaktionen, die zu den Top-Sites in Deutschland gehören: Die einen haben bereits ausgebildeten Redakteuren mit Studium und langjähriger Berufserfahrung angeboten, für weniger als 16 Euro pro Stunde zu arbeiten. Die anderen haben erst nach zähen Verhandlungen einem Tagessatz von 120 Euro zugestimmt und das bei einem Bewerber mit abgeschlossen Volontariat und ebenfalls mehrjähriger Berufserfahrung. Ein Leben auf Mittelschichtniveau ist da kaum noch drin. Von der Gründung einer Familie ganz zu schweigen.

Das sehen die Interessen-Vertreter von Ver.di und Deutscher Journalisten Union genauso. Ihre Honorarempfehlung aus dem Jahr 2005 schlägt aus heutiger Sicht reinste Traumgagen vor: So soll ein Tagessatz bei 310 Euro liegen. Als Halbtagessatz sollen freie 160 Euro berechnen und für eine Stunde 50 Euro. Die Wahrheit: Selbst in den meisten Magazin-Redaktionen ist es für viele Externe heute kaum noch möglich, mehr als 200 Euro pro Tag auszuhandeln. Von Zuschüssen für die Presseversorgung, Fahrt- oder Recherche-Beteiligungen ganz zu schweigen.

Es gibt natürlich Ausnahmen. Einige mittelständische Titel beispielsweise zahlen sowohl ihren Print, als auch Online-Redakteuren ein einheitliches Tarifgehalt, 13,7 Gehälter pro Jahr sowie die vorgesehenen Arbeitgeberleistungen für die Presseversorgung.

Die Folge dieser Entwicklung: Immer mehr Journalisten sind gezwungen, einen regelrechten Gemischtwarenladen zu eröffnen, dessen Sortiment sich aus PR-Texten, kleinen Blog-Aufträgen und klassischen Artikeln zusammensetzt. Da Agenturen noch immer besser als Redaktionen zahlen, entsteht so oftmals eine Situation, dass das Verfassen von Pressemitteilungen die eigentliche journalistische Arbeit subventionieren muss.

Nüchtern betrachtet bleibt dann oftmals nur die Erkenntnis: In einer Online-Welt ist journalistisches Schreiben ist kein Geschäftsmodell mehr.

Print, Online und die Honorare: Wie sehen Sie das?

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige