Blogger-Breitseite: Don Alphonso vs. Lobo

Die deutsche Blogosphäre kommt nicht zur Ruhe: Noch immer wird über Sinn, Zweck und Umsetzung des jüngsten Vodafone-Spots "Es ist Deine Zeit" diskutiert. Und zwar mit nicht nachlassender Aufregung: In mehreren nächtlichen Blogeinträgen von epischer Länge überzieht Dot.com-Pionier Don Alphonso Vodafone-Testimonial Sascha Lobo mit harter Kritik – und jeder Menge Spott. Der Ego-Blogger kontert auf seine ganz eigene Art – nämlich mit einem Selbst-Interview.

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Schon der erste Angriff tat weh: „Vodafone wird kotzen, und das mit besten Gründen“, folgerte Don Alphonso in seinem ersten Blogeintrag auf die  Vodafone-Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch. Und weiter: „Die beteiligten Blogger werden sich gern wieder anbieten. Und die Medien werden natürlich weiter behaupten, dieser Lobo sei sowas wie das Gesicht des neuen Internets, ein Vorzeigeblogger, und er wird das vermutlich weiter ausnützen“.

„Dieser Lobo“ schwieg daraufhin zunächst – und gab sich dann ironisch: „Kennt jemand einen guten Gesangslehrer?“, twitterte der 34-jährige Berliner nach der vereinzelten Kritik aus der Blogosphäre an der Heroes-Liedzeile aus dem Vodafone-Spot, die aus  den vier halb gesprochenen, halb gesungenen Worten „We can beat them“ bestand.

Erst drei Tage später, als die Nörgeleien in der Blogsophäre am Spot „Es ist deine Zeit“ und der Rolle Lobos als Vodafone-Testimonial inklusive Plakatwerbung angeschwollen waren, fügte der Alpha-Twitterer (15.330 Follower) mit einem selbstironischen Tweet hinzu: „Also, den Quatsch, den @saschalobo (wer ist das überhaupt?) in jede Kamera redet – das könnte ich auch.“

Sascha Lobo – ausführliches Selbstinterview

Zu diesem Zeitpunkt hatte Don Alphonso, der im bürgerlichen Leben Rainer Meyer heißt, auf seinem Blog „Blogbar“ mit einem neuen Eintrag bereits nachgelegt: „Vorhin kam hier ein ziemlich kaputter Typ vorbei. Er roch etwas nach Alkohol, sein Iro war eingedätscht, und er sah so aus, als hätte man ihn eine Nacht am Busbahnhof schlafen lassen“, ätzte Alphonso in Richtung eines fiktiven Sascha Lobos.

„Jedenfalls zeigte er mir auf seinem Iphone“ – das Lobo tatsächlich bekanntermaßen bislang bevorzugt benutzte – „einen Text, von dem er behauptete, das sei das Original eines Blogeintrages einer gewissen Firma namens Vodafail, ich solle es bekannt machen, denn die Firma habe es nochmal geändert, und das fände er superunauthentisch, er wolle, dass das echte Posting bekannt würde.“  Was dann folgt, ist ein schwarzes Spiel mit Fakt und Fiktion – ein Mischmasch aus Textbausteinen aus dem Vodafone-Blog und frei erfundener Prosa.

Für Sascha Lobo muss der nicht abebbende Buzz gereicht haben, um dann doch mal einige Dinge klarzustellen. Und zwar in seiner ganz eigenen Art – nämlich im Selbstinterview: „Denjenigen Internetcommunitybenutzern, die in den letzten Tagen im Koma lagen, möchte ich mitteilen, dass ich Teil einer Werbekampagne für Vodafone bin“, stellt Lobo voran. „Sie heisst ‚Es ist Deine Zeit‘ und richtet sich besonders an die Generation Upload. Aus dieser Gesamtthematik ergeben sich viele Fragen.“

Und Erkenntnisse. Nämlich diese: „Ich war von Anfang an und absichtlich eine kontroverse Figur im Netz. Es gibt immer einen bestimmen Anteil an Leuten, die laut aufschreien, fast egal, was ich mache.“ Oder diese: „Ich habe aber nicht nur ein iPhone – ich habe vier iPhones. Und ein Nokia E71, das erste Googlephone G1 und eins von Sony Ericsson. Jetzt benutze ich das HTC Magic, also das neue Googlephone von Vodafone, das ich im Werbespot auch in der Hand halte. (…) Ich werde meine iPhones nicht im Klosett runterspülen – aber meinen Kommunikationsmittelpunkt auf das Magic verlagern.“

Don Alphonso: Vodafone-Kampgane „fachlich gesehen ein Totalversagen auf allen Ebenen“

Und zur Wirkung und Umsetzung des Spots: „Zunächst halte ich es für richtig, dass eine große Marke in den Social Media-Bereich hineingeht und da über ähnlich viele Kanäle kommuniziert wie Internetmenschen es auch tun, von Twitter über ein Blog, Facebook, Youtube, Flickr und anderen Social Networks.“ Und zur Kampagne: „Werbung muss an Orte gehen, die für die Menschen – früher nannte man sie Zielgruppe – wichtig sind. Insofern führt meiner Meinung nach für Markenkommunikation kein Weg daran vorbei, dort mitzuspielen.“

Don Alphonso sieht das naturgemäß ganz anders: „Eigentlich müsste ich Scholz & Friends bezahlen, denn damit sorgen sie dafür, dass all die mit social Media belaberten Kommerzdödel auf Jahre wieder andere Methoden verwenden, die genauso blöd, aber nicht so offensichtlich anfällig gegen verärgerte oder gelangweilte Nutzer im Internet sind“, findet der Alpha-Blogger, der regelmäßig für die „FAZ“ schreibt, in seinem jüngsten Eintrag von gestern Nacht.

Und bezogen auf die Kampagne: „Fachlich gesehen ist die Kampagne ein Totalversagen auf allen Ebenen… Ich mag diese Kampagne. Geschätzt 50 Millionen, ein grandioses Desaster, verbrannte Erde und verkohlte Testimonials, bitte keine Verschwörungstheorien, ich hatte die Hände nicht im Spiel – aber da haben sie etwas abgeliefert, was Hunderten von Mitläufern, Geschäftemachern und Adabeis die Türen der Konzerne in die Fressen knallen wird. Mit all der Wucht der fehlenden Reissleinen bei Scholz&Friends und Vodafone.“ Fortsetzung: folgt. Solange es WordPress, Twitter und Blogger mit einem großen Ego gibt…

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