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Rückt die „taz“ zurück in die linke Nische?

Die "taz" inszeniert ihren Chefredakteurswechsel im eigenen Blatt: Die nach elf Jahren scheidende Bascha Mika warnt vor einem Rückzug in die "linksalternative Nische" ("das wäre der Tod der Zeitung"), ihre Nachfolgerin Ines Pohl möchte das "linke Profil noch schärfen". Die eine spricht im Interview, die andere per Namensbeitrag – dennoch ist es ein indirekter Dialog über die künftige Ausrichtung. Es geht um die Frage, ob die Zeitung auf dem Weg in dem journalistischen Mainstream zu weit zur Mitte gerückt ist.

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Interne Debatten haben schon immer die Kultur der „taz“ bestimmt; in frühen Jahren, wie man hört, oft auf lähmende Art. Der Wechsel auf dem Sessel der Chefredakteurin erinnert ein wenig an alte Zeiten.
Bascha Mika, die sich nach elf als sehr erfolgreich empfundenen Jahren per Interview verabschiedet, hält diesen Vorwurf für „Quatsch“ und rühmt die Entwicklung des genossenschaftlich geführten Verlags: „Die taz hat sich von einem linksalternativen Projekt in ein modernes Unternehmen verwandelt. Für diesen Prozess, von null Hierarchien zu flachen Hierarchien, gab es kein Vorbild.“ Ihr Ziel sei nie eine einheitliche Blattlinie gewesen, sondern heterogene Positionen in der Zeitung zu halten. Mika: „Es wäre der Tod der taz, wenn sie sich in die linksalternative Nische zurückzieht.“ 
Dass Ines Pohl die „taz“ dorthin führen könnte, steht wohl nicht zu befürchten, dennoch ist Mikas Warnung deutlich an die Nachfolgerin adressiert, die sich gleichzeitig persönlich den Lesern vorstellt. Der dabei angeschlagene Ton verspricht ernste Zeiten: Man wolle „noch genauer hinterfragen, warum welche politischen Entscheidungen getroffen wurden. Wer profitiert wirklich von Steuererleichterungen und vermeintlichen Sozialreformen?“ Zur Klärung will Pohl „die Programme der einzelnen Parteien sehr kritisch und sorgsam mit diesen Fragen konfrontieren“. Das klingt, als könnte das „geschärfte“ linke Profil mit weniger schrägen Schlagzeilen und wohl auch weniger Spaß einher gehen. 
Denn dass die Chefin den Kurs weitgehend bestimmt, ist offenbar eine Errungenschaft von elf Jahren Mika. Welche Widerstände sie dabei erlebte, klingt im Interview durchaus an – nämlich vor allem von weiblichen Kollegen: „Frauen haben sehr viel mehr Probleme mit weiblichen Führungskräften als Männer. Männer verhalten sich eher wie im Rudel, wenn sie einmal ein Leittier akzeptiert haben, dann haben sie danach kein Problem mehr mit Führung.“

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