Studie: Parteien weiter blass im Web 2.0

Ein mitreißender Online-Wahlkampf im Obama-Stil bleibt auch zur Bundestagswahl aus. Trotz vermehrter Internetpräsenz fehlen den Parteien offenbar prominente Blogger, die für sie die Wahltrommel rühren. Eine Studie liefert dafür jetzt eine brisante Erklärung: Nach der Verabschiedung der Web-Sperren zur Bekämpfung von Kinderpornografie wollten viele Internetakteure einfach keinen Wahlkampf für SPD und CDU machen. Fakt ist: Die Parteien dümpeln weiter im Web 2.0.

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Nach der Europawahl hätte man erwarten können, dass eine Art Wahlkampffieber ausgebrochen sei, erklärt Markus Beckedahl, Teilhaber der Newthinking Communications GmbH, die die Studie durchgeführt hat. „Hierfür liefern unsere Zahlen keine Belege“, stellt der Netzpolitik-Blogger nüchtern fest. Immerhin habe sich inzwischen herausgestellt, welche Parteien welche Angebote vermehrt nutzen. So deutet sich auch im Web eine klassische Lagerteilung an. Während CDU und FDP vor allem in der VZ-Gruppe aktiv sind, setzen SPD und Grüne auf Facebook und Twitter. Die Linkspartei bleibt in der Rolle des Exoten und versucht als einzige auf MySpace Wähler anzusprechen.

Viel interessanter ist die Spekulation um die Gründe für das lahme Auftreten der Parteien im Web. Die zum Teil hitzig geführte Debatte über die Internet-Stoppschilder für Web-Seiten mit kinderpornografischen Inhalten bezeichnet die Studie apokalyptisch „Clash of Civilisation“. Die wütenden Reaktionen einiger Aktivisten gegen die „Zensurgesetzgebung“ zeigten vor allem eines: „Die realpolitische Komponente könnte dem strategisch erwünschten zarten Pflänzlein Onlinewahlkampf in Deutschland das Wasser abgegraben haben, bevor es wirklich sprießen konnte.“

Dieses Erklärungsmodell könnte der Grund dafür sein, weshalb sich bekannte Blogger mit ihrer Unterstützung der Regierungsparteien zurückhalten und damit die Identifikationsfiguren im Online-Wahlkampf fehlen. Dennoch werden Social Media-Angebote zunehmend von den Parteien genutzt. So besitzt jetzt auch die Linkspartei einen eigenen YouTube-Channel. Damit ist die FDP, die einzige Partei, die noch ohne auskommt. Aber auch bei den Liberalen arbeite man daran.

Die Grünen haben ihren Vorsprung bei dem Microblogging-Dienst Twitter weiter ausgebaut. Und: „Angela Merkel spielt ihren Kanzlerinnen-Bonus auf allen Plattformen aus und lässt Frank-Walter Steinmeier immer weit hinter sich“, konstatiert die Studie.

Die Parteien müssten, um im Internet noch für die Bundestagswahl relevante Aktionen zu starten, in naher Zukunft damit beginnen. Die Studie endet mit dem Ausblick, dass die heiße Phase den Online-Aktivitäten noch einmal Auftrieb geben könnte. Für kurzfristige und schnelle Kommunikation sei das Internet der beste verfügbare Weg.

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