Murdoch-Reporter als Handy-Hacker

Haben Reporter von "Sun" und "News of the World" Handys von tausenden Prominenten abgehört? Der "Guardian" berichtet, mit Hilfe von Privatdetektiven seien Politiker, Sportstars und Schauspieler Opfer von gezielten "Hacks" geworden. Murdochs News Group habe bereits mehr als eine Million Pfund gezahlt, um Opfer von Klagen abzubringen. Die nächsten Fragen: Warum haben Polizei und Justiz nicht reagiert?

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Während Unternehmens-Patriarch Rupert Murdoch in Kalifornien die „Sun Valley Media Conference“ beehrt („Nein, wir werden Twitter nicht kaufen“), braut sich über seinem englischen Firmenzweig einiges zusammen. Der „Guardian“ berichtet exklusiv, dass die News Group mehr als eine Million Pfund gezahlt habe, um Klagen wegen illegaler Methoden der Informationsbeschaffung abzuwenden.
Die Zahlungen dienten laut „Guardian“ dazu, Fälle von abgehörten Handy-Nachrichten außergerichtlich beizulegen. Reporter von „Sun“ und „News of the World“ sollen – gemeinsam mit Privatdetektiven – in möglicherweise Hunderten oder gar Tausenden Fällen Mobiltelefone von Politikern, Sportstars und Schauspielern „gehackt“ haben, um Textnachrichten abzufangen. Die Zeitung hat ferner Hinweise darauf, dass hochrangige Manager der News Group davon wussten, und dass die seit 2006 ermittelnde Londoner Polizei nicht alle Opfer über die Angriffe auf ihre Privatsphäre unterrichtet hat. 
Bekannt wurde nur ein Fall: Im Januar 2007 wurde der Reporter Clive Goodman von „News of the World“ zu vier Monaten Haft verurteilt,  weil er die Mobiltelefone von drei Angestellten der königlichen Familie geknackt hatte. Das Gericht zählte 609 Anrufe der „News of the World“ auf die Voicemailboxen der drei Handys. Der in derselben Sache zu sechs Monaten verurteilte Privatdetektiv Glenn Mulcaire gab fünf weitere Abhör-Attacken zu, darunter gegen Supermodell Elle Mcpherson und gegen Gordon Taylor, Chef der englischen „Professional Footballers Association“.
Quellen aus der Londoner Metropolitan Police sagten dem „Guardian“ nun, man sei bei den Ermittlungen auf weit mehr abgehörte Telefone gestoßen, darunter die von Ministern und Parlamentariern aller Parteien. 
Ins Rollen kommt die Affäre nun offenbar durch eine Anzeige des Fußball-Funktionärs Taylor, der Murdoch-Manager der Mitwisserschaft bezichtigt. Manager der News Group sagten zunächst aus, Goodman und Mulcaire hätten auf eigene Faust gehandelt. Angeblich existierten keine Aufzeichnungen über ihre illegalen Recherchen. Ermittlungsunterlagen von Scotland Yard sollen jedoch belegen, dass Mitteilungen von Taylors Handy innerhalb der Redaktion per Mail weitergereicht wurden. Darunter sollen Botschaften prominenter Fußballprofis sein. 
Wie der „Guardian“ weiter berichtet, wurde Gordon Taylor zuletzt mit 700.000 Pfund dazu bewegt, die Klage fallen zu lassen und sich zum ganzen Vorgang nicht zu äußern. Sodann habe der Verlag das Gericht „überzeugt“, die Ermittlungsakte unter Verschluss zu halten. Zwei weitere abgehörte Fußballer sollen mit Zahlung von 300.000 Pfund zum Schweigen verpflichtet worden sein. 
„Guardian“-Reporter Nick Davies wirft dazu einige Fragen auf: Was wussten Rebekah Wade, designierte News Group-Chefin, und Andy Coulson, inzwischen Kommunikationsdirektor für den konservativen Parteichef David Cameron? Beide waren 2006 in leitender Position bei „News of the World“. Und warum informierte die Londoner Polizei offenbar nicht alle, deren Telefone abgehört wurden? Mehr dazu wird zweifellos bald im „Guardian“ zu erfahren sein.

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