YouTube startet Bürger-Journalistenschule

Googles Video-Plattform YouTube hat mit dem Reporters' Center eine Art Online-Video-Journalistenschule ins Leben gerufen. Inspiriert von den zahlreichen Amateurvideos, die von den Unruhen nach den jüngsten Iran-Wahlen hochgeladen wurden, wollen die YouTube-Macher nun Amateurfilmer weltweit ermutigen, ihre Videos online zu veröffentlichen. YouTube hat eine Reihe von Top-US-Journalisten gewinnen können mitzumachen. Darunter die CBS-Star-Interviewerin Katie Couric und Investigativ-Legende Bob Woodward.

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Woodward deckte zusammen mit seinem Kollegen Carl Bernstein den Watergate-Skandal für die „Washington Post“ auf und gilt als der Inbegriff des Enthüllungs-Journalisten schlechthin. Für YouTubes Reporters‘ Center erzählt er in einem rund fünfminütigen Video einige Anektoden aus seinen Anfangstagen bei der „Washington Post“ und macht jungen Journalisten Mut, selbst Dingen auf den Grund zu gehen. Katie Couric von CBS, die während des US-Wahlkampfs berühmt wurde, weil sie mit der republikanischen Vize-Präsidentschafts-Kandidatin Sarah Palin eine Reihe entlarvender Interviews führte, gibt einige Tipps, wie man ein gutes Interview führt.

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Videos von bekannten US-Journalisten, u.a. von Arianna Huffington (zu Bürger-Journalismus), Chris Cillizza von der „Washington Post“ („How to not sound like an idiot when You‘re on television“). Die meist drei bis fünf Minuten langen Videos der Star-Journalisten sind überwiegend unterhaltsam und geben Einblicke in die Arbeitsweise der Profis. Nur vom Anschauen wird man aber nicht gleich zum Top-Bürger-Journalisten mutieren. Für Praktiker eher hilfreich sind zahlreiche How-to-Videos, die zum Beispiel erklären, wie man am besten aktuelle Ereignisse mit dem Handy filmt oder wie man Videos effektiv schneidet.

Ist man selbst Journalist und meint, man hat etwas Lehrreiches mitzuteilen, kann man seine Videos direkt an das YouTube Reporter‘s Center schicken. Google verweist im offiziellen Google Blog darauf hin, dass nicht erst seit den Ereignissen im Iran YouTube eine gewichtige Rolle bei der Verbreitung von nachrichtenrelevanten Inhalten spielt. Während der Proteste in Myanmar 2007 haben Bürger dort genauso Videos bei YouTube eingestellt wie nach dem schrecklichen Erdbeben in China 2008.

Google erwähnt aber auch explizit, dass es bei YouTube auch Nachrichtenvideos von professionellen Kooperationspartnern zu sehen gibt. Man will die Rechte-Inhaber ja nicht mehr vergraulen als nötig. Dass etablierte Medienunternehmen wie CBS, die „Washington Post“ und die „New York Times“ bei solch einem Video-Kolleg für Bürger-Journalisten überhaupt mitmachen, ist schon erstaunlich genug. Ob ein Projekt wie das YouTube Reporters‘ Center tatsächlich dazu beiträgt, den Bürgerjournalismus mit der Handy-Kamera besser zu machen, sei dahingestellt. Sehenswert und interessant sind die Videos des Reporter‘s Center aber allemal.

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