Privatradio-Pionier Rainer Cabanis ist tot

Vor 23 Jahren startete er seine Karriere als Programmdirektor von Radio Hamburg, das zum erfolgreichsten Sender der Metropole werden sollte - jetzt starb Rainer Cabanis überraschend im Alter von 63 Jahren. Neben seinen Aufgaben im operativen Geschäft war Cabanis auch Gast-Dozent an Hochschulen sowie Vorstandsvorsitzender der Akademie für Publizistik und führte seine Beratungsfirma Coram Publico. Seit Anfang der 70er Jahre beschäftige sich Cabanis publizistisch mit dem Medien-Business.

Anzeige

Seine Karriere begann der Radio-Pionier allerdings nicht beim Hörfunk, sondern als schreibender Journalist. Cabanis volontierte 1968 in Berlin bei der „Berliner Morgenpost“. Über die Boulevard-Station der Frankfurter „Abendpost/Nachtausgabe“, wurde er 1972  Rhein/Main-Korrespondent für die „Bild“ und „Bild am Sonntag“.
Für die Springer-Blätter kümmerte sich Cabanis fast ausschließlich um Medien-Themen. „Mein journalistisches Highlight wurde zugleich auch mein größtes Desaster“, erzählt er auf seiner Homepage. „Ich hatte gemeinsam mit meinem Fotografen ein zweistündiges Exklusiv-Interview mit Alfred Hitchcock und seiner Frau im Salonwagen der DB von Frankfurt nach Köln, aber die Chefredaktion der „BamS“ in Hamburg druckte die Geschichte nicht, weil sie nicht in die Mischung passte.“ Das Ende der Story: „Auf diese Weise, gingen Fotos und Text leider verloren.“
1974 wechselte der Journalist zur „Funk Uhr“ und begann sich verstärkt mit dem Thema Radio auseinander zu setzten. Zwei Jahre später folgte der komplette Wechsel in den Hörfunk. Unter dem Programmdirektor Frank Elstner machte Cabanis die Nachrichten für Radio Luxemburg. 
Der Karrieresprung gelang 1979. Für knapp acht Jahre „war ich als Musikchef bei SWF 3 für den großen Erfolg dieses Kult-Programms mit verantwortlich“, schreibt Cabanis. In Hamburg baut der gebürtige Rostocker eines der erfolgreichsten Privat- und Format-Radios der Rebublik. Das Programm basiert – bis auf kleine Korrekturen – noch immer auf dem Ursprungs-Konzept: Viel Musik, allerdings mit einem eng begrenztes Stücke-Repertoire, kaum Wortbeiträge und wenige Nachrichten.

Am 1. November verlässt Cabanis „sein Baby“. Medien-Professor Horst Müller verrät, dass er den Sender „aus Frust“ verlassen hatte, weil „die Radio Hamburg-Gesellschafter ihn nicht zum Geschäftsführer ernannt hatten.“ Müller weiter: “ Er wechselte 1996 als Programmdirektor zum niedersächsischen “Radio ffn”, hatte dort erfolgreiche Jahre, wurde gleichzeitig ein begehrter Referent und Diskutant bei vielen Medienveranstaltungen.“ Für den Medien-Wissenschaftler der Uni-Mittweida ist Cabanis „einer der ersten – und wohl auch letzten – großen Persönlichkeiten des Privatradios.“

Rainer Cabanis verstarb bereits am vergangenen Montag im Alter von 63 Jahren. Über die Umstände seines Todes gibt es keine Hinweise.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige