„taz“: Ines Pohl löst Bascha Mika ab

Ines Pohl wird neue Chefredakteurin der "tageszeitung". Sie löst die langjährige Chefin Bascha Mika ab. Die 42-jährige Pohl arbeitet seit kurzem als Berlin-Korrespondentin für die Ippen-Gruppe (u.a. “Münchner Merkur”, “Hessische/Niedersächsische Allgemeine”). Vor ihrem Wechsel in die Hauptstadt arbeitete sie als Nachrichten-Chefin für die "HNA" in Kassel. Der Wechsel soll bereits Mitte Juli stattfinden. Die Führungsgremien der "taz" waren frühzeitig von Mikas Absichten informiert.

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„Ich überlege schon seit Längerem, die „taz“ zu verlassen. Zehn Jahre hatte ich mir ursprünglich für die Chefredaktion gegeben. Nun sind es wegen der Blattreform und unserer 30-Jahrfeier elf geworden“, kommentiert Mika. Für den Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch geht eine „Ära geht zu Ende. Niemand hat das 3. Jahrzehnt der taz mehr geprägt als Bascha Mika.“ Im Gegensatz zu ihren Vorgängern auf dem Chefsessel der „taz“, fehlt Pohl der nötige Stallgeruch. Bislang galt immer eine langjährige  Mitarbeit in der genossenschaftlich organisierten Zeitung als wichtiger Faktor für eine Leitende Position.

So arbeitete Bascha Mika bereits seit 1988 als Reporterin bzw. als Redakteurin in der Berliner Redaktion. 1999 wurde sie alleinige Chefredakteurin. Mit rund zehn Dienstjahren ist sie die am längsten amtierende Chefin in der Geschichte der alternativen Tageszeitung. Dass mit Pohl eine Kandidatin von außen zum Zuge kommt, ist auf den zweiten Blick gar nicht so überraschend. In der Berliner Redaktion der „taz“ wurde schon seit längerem ein gewisser Unmut über den Führungsstil Mikas laut. Ihr beiden Stellvertreter Peter Unfried und Reiner Metzger wurden gerne in die Kritik einbezogen. Sie wären als Nachfolger intern wohl kaum durchzusetzen gewesen. Manche meinten freilich auch, dass zehn Jahre an der „taz“-Spitze einfach genug seien und nun etwas frischer Wind gut tue.

Der frische Wind kommt nun mit Ines Pohl ausgerechnet von der eher konservativ ausgerichteten Ippen-Gruppe. „Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dem ‚taz‘-Team in diesen Zeiten, in denen die sozialen Kosten der Finanzkrise immer deutlicher werden, das Profil der ‚taz‘ zu schärfen und ihre inhaltliche Relevanz auszubauen,“ sagt Pohl. Die notorisch klamme Finanzlage der „taz“ und die grassierende Medienkrise dürften nicht die einzigen Probleme sein, mit der sich die neue Frau an der „taz“-Spitze herumschlagen darf. Die Redaktion ist für ein gewisses Querulantentum bekannt, Ines Pohl hat noch keine Erfahrungen als Chefredakteurin. Das wird eine im wahrsten Sinne des Wortes spannende Aufgabe.

Bascha Mika gelang es, die „tageszeitung“ ohne große Auflagenverluste durch die Print-Krise der vergangenen Jahre zu steuern. Im Gesamtverkauf setzt die „taz“ 55.542 Exemplare ab. 46.174 gehen dabei an Abonnenten. Auf den Einzelverkauf entfallen nur 5.892 Ausgaben. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Gesamtverkauf leicht um einen Prozent. Im Fünf-Jahres-Trend steht allerdings ein Minus von moderaten vier Prozent. Von der aktuellen Anzeigenkrise ist die „taz“ kaum betroffen, traditionell hat die Zeitung kaum Anzeigen. Bascha Mika übergibt die „taz“ in einem vergleichweise guten und stabilen Zustand an ihre Nachfolgerin.

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