Anzeige

TV-Produktionsfirmen bangen um Existenz

Die deutschen Film- und Fernsehproduzenten wollen – wie ihre Kollegen im europäischen Ausland – endlich selbst über die Verwertung ihrer Programme mitbestimmen und fordern die Politik auf, entsprechende Regeln zu schaffen. Die Sender wehren ab und kürzen krisenbedingt die Budgets. Beim Medienforum NRW zeigte sich am Dienstag, wie unverrückbar die Positionen derzeit sind. Das wird für die Branche nicht ohne Konsequenzen bleiben. Bereits jetzt klagen Produzenten über "erhebliche Einschnitte".

Anzeige

Am Ende der Diskussion hat Norbert Schneider, Chef der Landesanstalt für Medien in NRW (LfM), das Problem dann noch mal auf den Punkt gebracht:  „Es ist schade, dass es diese blöde Krise gibt.“ Weil es sich dann nämlich noch unentspannter als sonst übers Geld reden lässt. Andererseits: Wenn es die „blöde Krise“ nicht gäbe, wäre der Konflikt immer noch derselbe – nämlich der zwischen denen, die Fernsehen zeigen, und denen, die es produzieren.
Schon seit geraumer Zeit schauen die deutschen Film- und Fernsehproduzenten neidisch ins europäische Ausland, wo die Position der Firmen gegenüber den Sendern durch den Eingriff der Politik gestärkt wurde. Während es in Deutschland immer noch die Regel ist, dass Produzenten per „Total Buy-Out“ sämtliche Rechte an ihren Werken an die Sender abgeben, können Produzenten in Großbritannien ihre Formate eigenmächtig im Ausland vermarkten oder verfügen über Distributionsrechte für die neuen Medien, vor allem im Internet.
Bis dahin ist es in Deutschland noch ein weiter Weg, wie sich am zweiten Tag des Medienforums NRW beim Internationalen Fernsehkongress herausstellte. „Strategien in der neuen digitalen Medienökonomie“ wollten Produzenten mit ihren Auftraggebern erarbeiten – aber eigentlich zeigte sich dann doch bloß, wie unverrückbar die Positionen derzeit scheinen. Die Sender wollen nicht klein beigeben – und reichen ihre Sparmaßnahmen an die Produzenten weiter, während die Kreativwirtschaft sich am liebsten darauf verließe, morgen von der Politik alles geregelt zu bekommen.
Die Krise verstärkt die missliche Lage noch: Die derzeitigen Budgetkürzungen bedeuteten „erhebliche Einschnitte“, erklärte Stefan Oelze, Geschäftsführer bei Filmpool. „Das führt dazu, dass bei Produktionsfirmen mittlerer Größe sehr bald die Existenzfrage gestellt werden wird. Kleine und große kreative Einheiten können überleben – dazwischen wird es ein Sterben geben.“ Oelzes Forderung an die Sender ist, den Produzenten zumindest die Formatrechte für die von ihnen produzierten Sendungen zu lassen oder zurückzugeben , um eine Vermarktung im Ausland zu ermöglichen – ARD und ZDF machten davon sowieso so gut wie nie Gebrauch. Darüber hinaus müsse über eine Beteiligung an den Nebenerlösen verhandelt werden.
Joachim Ortmanns, Vorstand beim Film & Fernseh-Produzentenverband NRW, wurde noch deutlicher: „Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen sich bewegen. Und ich bin skeptisch, ob sie das ohne Druck aus der Politik machen.“ Die ist zwar für das Anliegen sensibilisiert, will sich allerdings zunächst zurückhalten und setzt auf Selbstverpflichtungen der Sender statt Regulierung, wie Rainer Weiland, Medienreferent der Staatskanzlei NRW ausführte.
Die Sender blocken ab. Helfried Spitra, stellvertretender Fernsehprogrammdirektor beim WDR, erklärte: „Wir leisten bereits sehr viel für die Produzentenlandschaft.“ Die Produktion von Dokumentationen etwa koste ein Vielfaches von dem, was für Lizenzeinkäufe aus dem Ausland ausgegeben werden müsse. Zudem sei der deutsche Markt sei wegen unterschiedlicher Voraussetzungen nur schwer mit dem in Großbritannien zu vergleichen. Die Privaten wollen die Produzenten selbst stärker in die Pflicht nehmen, neue Geschäftsmodelle für die Verwertung der Programme zu entwickeln, um sie an die Sender heranzutragen, so Matthias Alberti, Geschäftsführer der German Free TV-Sparte von Pro Sieben Sat.1.
Ortmanns ist hingegen überzeugt: „Wir laufen bei den Sendern vor die Wand. Eine Partnerschaft findet da nicht wirklich statt.“ Nicht jedenfalls, so lange diese „blöde Krise“ weitergeht.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige