Rüttgers: Zeitungen gratis für Schüler

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat auf dem Medienforum NRW ein spektakuläres Projekt angekündigt. Schon in wenigen Wochen sollen alle Neuntklässler im bevölkerungsreichsten Bundesland in ihren Schulen kostenlos mit einer Zeitung versorgt werden. Die Verlage sind zunächst begeistert, einen Zugang zur begehrten jungen Zielgruppe zu bekommen. Die Finanzierung des Projekts ist allerdings noch offen. Und die Erfolgsaussichten zumindest fragwürdig.

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Rund 200.000 Zeitungen müssten ausgeliefert werden, wenn alle Schüler von neunten Klassen in NRW beliefert werden sollen. Dabei hat Rüttgers schlau offen gelassen, wer die Rechnung zahlt. Der Zeitungsverlegerverband Nordrhein-Westfalen (ZVNRW) verhandelt darüber noch mit der Staatskanzlei. Die Verleger haben aber bereits durchblicken lassen, dass sie es begrüßen würden, wenn sich das Land an den Kosten beteiligt.

Man darf vermuten, dass die verteilten Zeitungen dann in die Auflagen-Statistik der IVW-Auflagenkontrolle eingerechnet werden, wahrscheinlich als verbilligte sonstige Verkäufe. Somit bekommen die Zeitungen Zugang zur begehrten jungen Zielgruppe und tun auch noch was für die Auflagenkosmetik. Mancher Verlags-Boss mag sich bei diesen Aussichten die Hände reiben. Die Gefahr, dass die gut gemeinte Aktion als bloße PR-Blase verpufft, ist aber eher groß.

Dass Teenager plötzlich in heißer Liebe zu Blättern wie „WAZ“ oder „Rheinische Post“ entflammen, bloß, weil die gratis zu haben sind, erscheint etwas weit hergeholt. Und was ist eigentlich mit dem Feldzug der Verlage gegen die angebliche Kostenlos-Mentalität im Internet? Ob es da eine gute Idee ist, die Jugend daran zu gewöhnen, dass die gedruckten Zeitungen in der Schule auch gratis zu haben sind?

Vorbild für den Rüttgers-Vorstoß ist offenbar Frankreichs Tele-Präsident Nicolas Sarkozy. Die französische Regierung schenkt allen Jugendlichen des Landes bis zum 18. Geburtstag ein einjähriges Zeitungsabo und lässt sich das rund 200 Mio. Euro pro Jahr kosten. Im Land der guten Weine und des weichen Käses war man halt schon immer etwas unverkrampfter – auch in Sachen Staatshilfen. Deutsche Verlegerverbände lehnen direkte Staatshilfen bisher rigoros ab. So ein bisschen indirekte Staatshilfe nimmt man dann aber doch ganz gerne.

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